Das aktuelle Wetter NRW 24°C
Gastbeitrag

Großmächte versuchen Einfluss in Sri Lanka zu erhöhen

29.12.2012 | 08:00 Uhr

Essen.   Nach dem Ende des Bürgerkriegs in Sri Lanka ringen China, Indien, Pakistan und die USA um Einfluss in dem südasiatischen Inselstaat. Der Wiederaufbau nach dem Tsunami geht voran. Eine Geburtsklinik in Galle entsteht. Ein Gastbeitrag des deutschen Botschafters a. D. Jürgen Weerth.

Die Kinderklinik in Galle im Süden Sri Lankas wird nun doch noch gebaut, endlich. Nach dem Tsunami 2004 hatten über 27 000 Leser der WAZ-Mediengruppe dafür gespendet, aber auch die Rotarier, die Krupp-Stiftung und viele mehr. In einem Gastbeitrag beleuchtet der damalige deutsche Botschafter Jürgen Weerth die Lage in Sri Lanka heute: Ein „Versöhnungsfrieden“ sei nicht in Sicht, schreibt er.

Der Bürgerkrieg hat Sri Lanka 25 Jahre lang schweren Schaden zugefügt und Hunderttausende Opfer gekostet. Auch wenn seit 2009 die Waffen offiziell schweigen, stehen sich nach wie vor zwei im Wesentlichen ethnisch-religiöse Gruppen gegenüber – die buddhistischen Singhalesen und die hinduistischen Tamilen .

Hinzu kommt, dass Sri Lanka in den Strudel der Auseinandersetzung rivalisierender Großmächte geraten ist. Seine strategische Lage in Südasien, entlang der Seewege vom Nahen Osten und Afrika nach Nordostasien und zum Pazifik, hat das Land zum Brennpunkt wachsender Aufmerksamkeit werden lassen.

China stärkt seine Position in Sri lanka

China, das versucht, seine Seehandelsrouten zu sichern, nutzte den Bürgerkrieg, um seine Position in Colombo zu stärken. Es lieferte Waffen und gab diplomatische Rückendeckung, erhielt dafür wirtschaftliche und strategische Konzessionen. Die Vereinigten Staaten wiederum sind entschlossen, sich Chinas wachsendem Einfluss in Südasien entgegenzustemmen.

Erst hatte man den Krieg gegen die tamilischen Rebellen unterstützt, dann zog man die Karte Menschenrechte, jetzt gibt es wieder eine Neuorientierung, die die Gefahr beleuchtet, die den strategischen Interessen der USA droht. Aber auch Indien und Pakistan konkurrieren um Einfluss. Besonders der südindische Bundesstaat Tamil Nadu mit über 70 Millionen tamilischstämmigen Bewohnern fühlt sich traditionell beauftragt, den „Landsleuten“ auf der Insel beizustehen.

Gefahr von Megaprojekten die das Land nicht braucht ist groß

Eine komfortable Situation für den srilankischen Präsidenten Rajapaksa, einen singhalesischen Hardliner. So lange die Großmächte um seine Gunst buhlen, muss er nicht fürchten, wegen seiner verschleppten Versöhnungspolitik unter internationalen Druck zu geraten. Dabei hilft ihm der Wirtschaftsaufschwung.

Die Top Reiseziele 2013

Mit der Behebung der meisten Tsunami-Folgen sind vielerorts moderne Strukturen entstanden. Durch stattliche Wiederaufbauinvestitionen im vom Krieg verwüsteten Norden wuchs die landwirtschaftliche Produktion. Touristen sind zurück, internationale Finanzorganisationen haben großzügige Kredittranchen bewilligt. Aber Vorsicht ist geboten: Zu verlockend sind die Angebote von China, Indien und Japan, Geld in Megaprojekte zu stecken, die das Land nicht braucht.

Erfreuliche Entwicklung

Erfreulich ist, dass Deutschland sich wieder engagiert. Nach zähen Verhandlungen hat die staatliche Kreditanstalt für Wiederaufbau einen Kredit für die Fertigstellung der Klinik in Galle bereitgestellt. Das ursprünglich auf Initiative von Altkanzler Helmut Kohl ins Leben gerufene Projekt war ins Stocken geraten, da die srilankische Regierung ihren Anteil wegen des Bürgerkriegs nicht erbringen konnte. Nun aber wird die größte Geburtsklinik des Landes komplett wieder aufgebaut. Das bisherige Provisorium kann sich auf eine sichere Zukunft einstellen.

 

Jürgen Weerth



Kommentare
Aus dem Ressort
Piraten-Politiker zieht Klage zu Türkei-Reise zurück
Barrierefreiheit
Der Abgeordnete der Piraten hat seine Klage gegen den NRW-Landtag wegen einer Busreise wieder zurückgezogen. Für die Tour durch die Türkei stand kein behindertengerechter Bus zur Verfügung. Der im Rollstuhl sitzende Pirat wollte das nicht akzeptieren. Seine Klage war "persönliche Angelegenheit".
Privatfirmen machen in NRW Jagd auf Temposünder
Tempokontrolle
Die Jagd auf Temposünder erledigt eine Privatfirma: Die Kreise Recklinghausen, Euskirchen, die Stadt Rheine und andere Kommunen arbeiten beim „Blitzen“ mit Fachfirmen zusammen. In NRW gibt es 600 Mess-Stellen allein von einer Firma. Die Polizeigewerkschaft übt Kritik an diesem Geschäftsmodell.
Umweltminister Remmel bringt mit Jagdgesetz Jäger in Rage
Landesjagdgesetz
Der jüngst vorgestellte Entwurf eines neuen Jagdgesetztes in NRW bringt die Jägerschaft in Wallung. NRW-Umweltminister Remmel will unter anderem verbieten, dass streunende Katze geschossen werden. Der Landesjagdverband kündigt eine Aussprache in fünf Regionalkonferenzen an.
Bundesregierung verschärft Gesetze gegen Kinderpornografie
Gesetzesreform
Lange hat die Bundesregierung um die Details gerungen, jetzt ist es soweit: Ein neues Gesetz der Bundesregierung soll den Kampf gegen Kinderpornografie stärken. Unter anderem wird die Verjährungsfrist für Sexualstraftaten verlängert. Die Pläne sind auch eine Reaktion auf den Fall Edathy.
Gegner der Unabhängigkeit Schottlands in Umfragen knapp vorn
Abstimmung
Jüngste Umfragen geben den Gegnern einer Unabhängigkeit Schottlands etwas Rückenwind - Gegner und Befürworter liegen nur noch wenige Prozentpunkte auseinander. Haben die Bettelschwüre von Premierminister Cameron Erfolg? Zünglein an der Waage sind die bislang Unentschlossenen.
Umfrage
Die Messpunkte sind bekannt , die Autofahrer alle gewarnt. Trotzdem werden beim Blitzmarathon wieder die Kassen klingeln. Alles Abzocke?

Die Messpunkte sind bekannt , die Autofahrer alle gewarnt. Trotzdem werden beim Blitzmarathon wieder die Kassen klingeln. Alles Abzocke?