Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Politik

Geiselbefreiung in Algerien endet blutig

18.01.2013 | 06:08 Uhr
Foto: /DigitalGlobe/DigitalGlobe

Blutiges Ende im Geiseldrama in der Sahara: Bei einer Militäraktion gegen islamistische Entführer auf einem Erdgasfeld haben algerische Streitkräfte nach Regierungsangaben zahlreiche Geiseln befreit und viele Extremisten getötet. Über die genaue Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln gab es zunächst allerdings widersprüchliche Angaben.

Algier (dapd). Blutiges Ende im Geiseldrama in der Sahara: Bei einer Militäraktion gegen islamistische Entführer auf einem Erdgasfeld haben algerische Streitkräfte nach Regierungsangaben zahlreiche Geiseln befreit und viele Extremisten getötet. Über die genaue Zahl der Opfer und entkommenen Geiseln gab es zunächst allerdings widersprüchliche Angaben.

Das algerische Staatsfernsehen meldete, bei dem Befreiungsversuch seien zwei Briten und zwei Philippiner getötet worden. 13 weitere Menschen, darunter sieben Ausländer, seien bei dem Einsatz verletzt worden, hieß es in dem Bericht unter Berufung auf ein Krankenhaus weiter. Weitere Geiseln stammten aus den Frankreich, Norwegen, Rumänien, Malaysia, den USA und Algerien. Der forsche Befreiungsversuch rief im Ausland große Bestürzung und scharfe Kritik hervor.

Für die Geiselnahme sei eine "multinationale Terrorgruppe" verantwortlich, die "Algerien destabilisieren, in den malischen Konflikt hineinziehen und die Infrastruktur für Erdgas zerstören" wolle, sagte der algerische Kommunikationsminister Mohand Said Oubelaid am Donnerstagabend im Radio. "Zahlreiche Geiseln sind befreit und viele Terroristen getötet worden", sagte der algerische Kommunikationsminister Mohand Said Oubelaid im Radio. "Wir bedauern, dass einige getötet und verletzt wurden."

Die Entführer hatten über die mauretanische Nachrichtenagentur NIA zuvor erklärt, 35 Geiseln und 15 Entführer seien bei dem Hubschrauberangriff der algerischen Streitkräfte getötet worden. Sieben Geiseln hätten den Befreiungsversuch überlebt. Aus Sicherheitskreisen verlautete, mindestens 20 der ausländischen Geiseln sei die Flucht gelungen.

Kritik am forschen Einsatz der algerischen Streitkräfte

Der algerische Alleingang beim Militäreinsatz stieß im Ausland auf Skepsis und Kritik. Der Angriff habe das Leben der Geiseln gefährdet, sagte der japanische Ministerpräsident Shinzo Abe. Der Sprecher der Weißen Hauses, Jay Carney, erklärte, die US-Regierung "ist besorgt angesichts der Meldungen über Tote und verlangt Klarheit von der algerischen Regierung". Zuvor hatten US-Präsident Barack Obama und der britische Premierminister David Cameron in einem Telefonat ihre beiderseitige Verwirrung über den Vorfall ausgedrückt.

Nach Angaben amerikanischer Regierungsvertretern überflog eine unbemannte US-Überwachungsdrohne das unweit der libyschen Grenze gelegene Areal, als es die algerischen Streitkräfte stürmten. Einigen festgehaltenen Amerikanern sei die Flucht gelungen.

Zuvor habe Washington der Regierung in Algier militärische Hilfe zur Geiselbefreiung angeboten, hieß es weiter. Algerien habe die Offerte jedoch abgelehnt.

Clinton will mit Regierungschef Sellal sprechen

US-Anti-Terrorspezialisten stünden derzeit in Kontakt mit ihren algerischen Kollegen, teilte US-Außenministerin Hillary Clinton am Donnerstagabend (Ortszeit) in Washington mit. Zudem wolle sie ein weiteres Mal mit dem algerischen Ministerpräsidenten Abdelmalek Sellal telefonieren. Weitere Details nannte Clinton jedoch nicht.

Derweil wurden allerdings Einzelheiten über die dramatischen Erlebnisse einiger entkommener Geiseln publik. Dem irischen Elektriker Stephen McFaul gelang nach Angaben seiner Familie die Flucht. Die Extremisten zwangen die Geiseln demnach, bei ihren Angehörigen anzurufen und deren Forderungen mitzuteilen.

"Er (Stephen) rief mich um neun Uhr morgens an und sagte mir, dass ihn die Al-Kaida entführt hat", sagte seine Mutter Marie. "Ich sollte die irische Regierung kontaktieren, weil sie Aufmerksamkeit wollten. Das war der Albtraum. Das mache ich nicht noch einmal mit. Er geht nicht zurück."

© 2013 AP. All rights reserved

dapd

Facebook
Kommentare
Umfrage
Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

Viele Manager von städtischen Unternehmen verdienen mehr als eine halbe Million Euro im Jahr. Die Einkommen richten sich nach Branche, Unternehmensgröße und Umsatz. Finden Sie die hohen Gehälter angemessen?

 
Fotos und Videos
Aus dem Ressort
Ministerin Schwesig fordert das Wahlrecht für Kinder
Familien
Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) hat ein Wahlrecht für Kinder vorgeschlagen. Die Idee ist nicht neu, hat Charme und in allen Lagern ihre Anhänger. Auch der Zeitpunkt passt, die UN-Kinderrechtskonvention feiert 25. Jubiläum. Die Realisierungschancen tendieren allerdings gegen Null.
Königin Rania sieht Zukunft des Islam durch IS bedroht
Terrormiliz
Die Bedrohung durch den IS lässt alte Rivalen zusammenrücken. Die Golfstaaten und Ägypten nähern sich Katar an, selbst die USA und der Iran verhandeln wieder. Nun wünscht sich auch Assad eine Zusammenarbeit. Derweil gibt Jordaniens Königin Rania moderaten Arabern eine Mitschuld am Erfolg der IS.
Hamas nennt Israels Außenminister legitimes Anschlagsziel
Nahost-Konflikt
Militante Palästinenser sollen geplant haben, Israels Außenminister Avigdor Lieberman zu ermorden. Unter den mutmaßlichen Tätern sollen auch Hamas-Mitglieder sein. Die Hamas in Gaza findet den Mordplan gerechtfertigt. Lieberman gehört der ultrarechten Partei Israel Beitenu (Unser Haus Israel) an.
Großdemonstration für verschleppte Studenten in Mexiko
Mexiko
Die Proteste in Mexiko reißen nach dem Mord an 43 Studenten nicht ab. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die weit verbreitete Gewalt und Straflosigkeit in Mexiko. Viele Bürger haben kein Vertrauen mehr in den Staat, nun wächst die Kritik am Präsidenten.
Keine Haftplätze - Chaos behindert Abschiebungen aus NRW
Abschiebungen
Nordrhein-Westfalen muss überwiegend kriminelle Abschiebehäftlinge bis nach Berlin und Brandenburg chauffieren, weil es im eigenen Bundesland keine Unterbringungsmöglichkeit mehr gibt. Das NRW-Innenministerium bestätigte entsprechende Informationen der Westfalenpost. Der Aufwand ist immens.