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Islamisten

Droht Nordafrika ein Flächenbrand?

17.01.2013 | 18:28 Uhr
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
Islamistische Kämpfer auf dem Vormarsch. In Gao gelang einem AFP-Fotografen diese etwas unscharfe Handy-Aufnahme.

Kairo.   Seit dem Arabischen Frühling haben sich radikale Islamisten in den Ländern Nordafrikas etabliert. In der Grauzone zwischen Algerien, Libyen, Mali, Tschad, Sudan und Niger treiben sie ihr Unwesen. Die Weite der Wüste macht sie nahezu unkontrollierbar.

Tunesiens Präsident Moncef Marzouki sparte nicht mit scharfen Worten. Sein Land sei zu einem „Korridor“ für Waffenlieferungen an islamistische Extremisten in Mali geworden. Gotteskrieger aus Tunesien stünden in enger Verbindung zu „terroristischen Kräften“ in der Region. Für „das Hornissennest Mali“ allerdings hätte er sich lieber eine politische als eine militärische Lösung gewünscht, erklärte Marzouki und äußerte die Sorge, der Konflikt könne die Stabilität des nordafrikanischen Mittelmeerraumes in Mitleidenschaft ziehen.

Mit der Geiselnahme in der Gasförderanlage Tigantourine nahe der Ortschaft In Amenas, die im algerisch-libyschen Grenzgebiet liegt, haben die nordafrikanischen El Kaida-Kämpfer den französischen Feldzug in Mali bereits nach einer Woche von einem regionalen in ein globales Problem verwandelt, das jetzt von den USA über Japan bis Europa die Regierungszentralen beschäftigt.

Kommentar
Der Arabische Frühling wird teuer - von Gregor Boldt

Der Arabische Frühling sollte eine Wende bringen, hin zu mehr Demokratie. Doch das Machtvakuum, welches die gestürzten Diktatoren hinterließen, wird in vielen Fällen durch Islamisten gefüllt. Das ist auch ein Preis der westlichen Politik.

Bald schon könnten weitere Attentate folgen, die sich gezielt gegen Öl- oder Gasförderanlagen, westliche Fachleute oder Touristen in Algerien, Libyen und Tunesien richten – eine Eskalation, die auch andere Staaten militärisch in den Mali-Konflikt hineinziehen würde. Das blutige Ende des Geiseldramas gestern zeigt, dass die Islamisten dabei zum Äußersten bereit sind und auch den eigenen Tod nicht fürchten.

3000 Fanatiker in Tunesien

Seit dem Arabischen Frühling haben sich in allen Ländern Nordafrikas radikale Gruppen etabliert, bestens bewaffnet aus den Arsenalen des libyschen Bürgerkriegs und zu allem entschlossen. Tunesien verhängte zwischenzeitlich sogar den Ausnahmezustand, weil es dem Treiben der islamistischen Radikalen nicht mehr Herr wird. Die Zahl der Fanatiker schätzt man in Tunis auf rund 3000, auch wenn der harte Kern deutlich kleiner ist.

Militäreinsatz
EU schickt Soldaten und Militärausbilder nach Mali

Die Europäische Union will 450 Soldaten in das Krisenland Mali schicken. Auch Militärausbilder sollen in die Krisenregion in dem Land stationiert werden. Die EU-Mission soll sich aber nicht an den Kämpfen in dem westafrikanischen Land beteiligen. Auch finanzielle Hilfen für das Land sind denkbar.

Libyen wiederum erwägt nach dem jüngsten Mordanschlag auf den italienischen Konsul für die Stadt Bengasi eine nächtliche Ausgangssperre sowie weitere „drakonische Maßnahmen zum Schutz der öffentlichen Sicherheit“, wie Premierminister Ali Zeidan ankündigte. Zwar hatten Bengasis Bürger die radikalen Gotteskrieger im letzten Herbst nach dem Mord an US-Botschafter Christopher Stevens mit einer Großdemonstration aus dem Stadtbild vertrieben. Eine Zeit lang waren die Kämpfer abgetaucht. Nun halten sie die Küstenstadt mit einer Serie von Attentaten auf hohe Polizeioffiziere in Atem.

Grenzen sind faktisch unkontrollierbar

Vor drei Wochen schloss Libyen alle Grenzübergänge mit Algerien, Niger, dem Tschad und Sudan und erklärte den gesamten Süden des Landes zum militärischen Sperrgebiet. An den Realitäten vor Ort ändert das wenig, denn die langen Grenzen im Wüstengebiet sind faktisch unkontrollierbar.

In Algerien operiert seit Jahren „El Kaida aus dem Islamischen Maghreb”, deren Unterschlüpfe sich vor allem in schwer zugänglichen Gebirgsregionen der Kabylei befinden. Die Zahl der Kämpfer wird auf einige Hundert geschätzt. In den letzten beiden Jahren zielten ihre Attentate ausschließlich auf Angehörige der Armee oder Polizisten an Straßensperren. Kürzlich spalteten sich zwei Brigaden von El Kaida-Kämpfern ab, die in der Sahara im Süden operieren.

   „Der Einäugige“

Anführer der rund 200 bis 300 gut bewaffneten Extremisten ist Mokhtar Bel-Mokhtar – offenbar auch der Kopf der Kidnapper von In Amenas. Der Algerier, der den Beinamen „Der Einäugige“ trägt, war bis vor Kurzem eine hohe Führungsperson von El Kaida im Islamischen Maghreb. Zu seiner Absetzung sollen offenbar seine zahlreichen illegalen Nebenaktivitäten als Schmuggler geführt haben. Aus Sicht von El Kaida sei er dadurch „vom rechten Pfad“ abgekommen. Seine Kenntnis der Wüste und seine Verbindungen zu Stammesverbänden und örtlichen Terror-Gruppen helfen ihm dabei, in der Grauzone zwischen Südalgerien, Mali, Tschad, Niger und Mauretanien sein Unwesen zu treiben. (mit afp)

Martin Gehlen



Kommentare
18.01.2013
11:13
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18.01.2013
10:26
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
von wohlzufrieden | #12

Was heißt hier "droht?" Aber jeder Deutsche Soldat der dort hingeht, hat bestimmt eine Bibel im Sturmgepäck...

1 Antwort
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
von CaptainFuture | #12-1

Ach einige Deutsche Soldaten haben auch den Koran dabei, da müssen Sie sich keinen Sorgen machen.

18.01.2013
10:25
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18.01.2013
10:09
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
von Der.Luedenscheider | #10

Es brennt schon an vielen Stellen. Und ich empfinde es ausserordentlich beunruhigend, dass ausschiesslich extremistische Islamisten involviert sind. Damit meine ich Menschen, die eine Religion als extreme politische Ideologie hochstilisieren und missbrauchen. Es geht den Anführern dieser extremistischen Gruppen doch nur darum, unter dem Deckmantel einer Religion ihren eigenen totalitären Anspruch zu erheben. Leider fallen dort anscheinend viele Menschen darauf rein und erkennen die tatsächlichen Absichten ihrer Anführer nicht. Dadurch wird der Islam als Religion immer weiter ins Abseits gedrückt.

Irgenwie muss ich immer mehr an George Orwell denken.

18.01.2013
09:24
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
von Faehrtensucher | #9

Wenn Nordafrika ein Flächenbrand droht, dann ist er jetzt bitter notwendig, denn zu sehr haben sich diese militanten, menschenverachtenden, mörderischen Islamisten bereits schon breitgemacht. Und sie bringen jedem Territorium, das sie sich mit Waffengewalt aneignen, Elend und Tod, und bitterste Pein für Mädchen und Frauen.
Folglich besser jetzt diesem Ganzen endlich die Stirn bieten und ein Ende bereiten, als noch länger die Augen zu verschließen und warten, bis sich dieser Islamismus ganz Afrika geholt hat.
Denn hörts dann auf? Gewiß nicht, denn diese Wahnsinnigen träumen vom Weltreich, und werden auch nicht eher ruhen. Sie denken und planen in Generationen, und jede bringt den Islamismus ein Stück weiter, bis das Ziel erreicht ist.
Gruß

18.01.2013
08:35
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18.01.2013
08:32
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18.01.2013
07:48
Auch “radikale Islamisten“ fallen nicht vom Himmel
von Ani-Metaber | #6

und sind zunächst einmal nichts anderes als Menschen, die in bestehende Verhältnisse hineingeboren werden.

Dazu aber gehört, in Ländern aufgewachsen zu sein, die fast allesamt deutlich jünger sind, als die eben auch nicht alte Bundesrepublik, die aber im Gegensatz dazu über eine eigene staatliche Vorgeschichte verfügt.

Und selbstverständlich endete die Verantwortung der Kolonialmächte nicht mit der Unabhängigkeit der von ihnen oft künstlich geschaffenen Staaten, dort hatte man Strukturen und Herrscher geschaffen, die auch lange Zeit danach garantieren sollten, diesen Bereich zum kontrollierten Hinterland zu machen.

Was haben also westliche Politik, westliche „Entwicklungshilfe“ in den letzten 50 Jahren bzw. zuuvor gerade in den Sahara- und davon südlich liegenden Staaten geschaffen ?

Offenbar keine blühenden Landschaften des Wohlstands und der Freiheit.

18.01.2013
07:45
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
von Kalutti | #5

Wer hat Schuld???
Die USA und die EU, die die Rebellen in Libyen und Ägypten unterstützt haben ohne zu wissen mit wem man es überhaupt zu tun hat. Man hat aus Fehlern der Vergangenheit nichts gemerkt, die gleichen Fehler hat man mit Saddam Hussein und den Taliban auch gemacht, diese wurden seinerzeit unterstützt und somit groß gemacht.

18.01.2013
07:20
Droht Nordafrika ein Flächenbrand?
von DerNachdenker | #4

Tja, im Nachhinein hat Westerwelle damals doch richtig gehandelt...

Auch wenn das hier keiner wird wahrhaben wollen.

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