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Jugendstrafvollzug

Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt

28.09.2012 | 18:40 Uhr
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
Thomas Kutschaty (SPD), Justizminister von NRW, gerät wegen der Flucht dreier jugendlicher Intensivtäter unter Druck.Foto: Mark Keppler/dapd

Düsseldorf.   Die Flucht von drei jugendlichen Intensivtätern aus einer Erziehungseinrichtung in Dormagen hat Folgen: NRW-Justizminister Thomas Kutschaty hat ein Projekt zum alternativen Strafentzug mit sofortiger Wirkung gestoppt. Pikant: Ende August warb Kutschaty noch für das Projekt, obwohl er von der Flucht wusste.

Nach der Flucht von drei jugendlichen Intensivtätern aus einer Dormagener Erziehungseinrichtung hat NRW-Justizminister Thomas Kutschaty (SPD) das Modellprojekt „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ mit sofortiger Wirkung gestoppt. Kutschaty begründete dies mit fehlender parlamentarischer Unterstützung für das Ausprobieren von neuen Wegen im Umgang mit Jugendstraftätern in NRW.

CDU und FDP hatten dem Justizminister vorgeworfen, „Tage der offenen Tür“ in Kauf zu nehmen und Pannen verschleiert zu haben. „Kutschaty ist mit seinem Ansatz krachend gescheitert“, so CDU-Fraktionsvize Peter Biesenbach.

Modellprojekt
Junge Intensivtäter geflohen

Drei jugendliche Straftäter sind aus einer offenen Vollzugseinrichtung in Dormagen ausgerissen. Für die NRW-Landesregierung bedeutet das einen schweren Rückschlag in ihrem gerade eingeschlagenen Sonderweg im Umgang mit jungen Straftätern. Die Opposition hatte vor einer „Kuschelpädagogik“ gewarnt.

Bereits am 19. August waren zwei wegen schwerer Diebstahl- und Gewaltdelikte verurteilte 17-Jährige aus dem Dormagener „Raphaelshaus“ getürmt. Dort sollten sie ab 1. August anstelle einer Gefängnishaft ein neuartiges Pädagogikprogramm aus Sport, Benimm- und Kochkursen absolvieren. Bis heute fehlt von ihnen jede Spur. Ein weiterer 16-jähriger Jugendstraftäter verschwand am 1. September, konnte aber eine Woche später wieder gefasst werden.

Ende August warb Kutschaty noch für das Projekt

Pikant: Noch am 28. August warb Justizminister Kutschaty am Kabinettstisch von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) für den alternativen Jugendstrafvollzug und erwähnte nach Informationen der WAZ Mediengruppe dabei auch die Fluchten . Die Öffentlichkeit und das Parlament wurden jedoch nicht über die Probleme kurz nach Projektstart informiert.

Justiz
Rundum-Betreuung statt Gefängnis für junge Straftäter

NRW-Justizminister Thomas Kutschaty plant einen neuen Ansatz für jugendliche Straftäter. „Jugendstrafvollzug in freien Formen“ nennt sich das Konzept, bei denen die Täter nicht mehr inhaftiert, sondern in speziellen Kursen betreut werden. Derzeit sitzen in NRW 1800 junge Kriminelle im Gefängnis.

„Dass Intensivtäter wochenlang verschollen bleiben und der Minister Stillschweigen bewahrt, ist nicht hinnehmbar“, sagte der FDP-Rechtspolitiker Dirk Wedel. Kutschaty warf der Opposition „Scheinheiligkeit“ vor : „Jeder im politischen Raum wusste, dass dieses Projekt potenziell mit Entweichungen verbunden sein wird“, so der Minister. In Baden-Württemberg werde ein vergleichbares Projekt seit 2003 erprobt und verzeichne eine Fluchtquote von 21 Prozent. Die Opposition habe den von einer überparteilichen Enquete-Kommission erarbeiteten erzieherischen Ansatz im Jugendstrafvollzug mitgetragen und wolle sich nun aus der Verantwortung stehlen.

In NRW sitzen rund 1800 junge Straftäter im Alter von 14 bis 21 Jahren im Gefängnis. Da die Rückfallquote bei 60 Prozent liegt, sollten sechs besonders geeignete Intensivtäter in der spezialisierten Dormagener Erziehungseinrichtung betreut werden.

Tobias Blasius



Kommentare
23.10.2012
11:14
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Schorek | #37

Mir fehlen im Strafsystem Straf-Arten, die ganz besonders auf den Lebensstil der Gewalttäter zugeschnitten sind, um diese aus ihrer Subkultur herauszulösen.

So ist es m.E. widersinnig, durch "Fitnesstraining" und Sport die Kriminellen gefügig machen zu wollen.
Jeder kann beobachten, daß vor der Muckibude oder dem Boxclub öfter die Blauen stehen als vor dem altphilologischen Seminar der Universität Tübingen.

Also liegt der Schluss nahe, die Kriminellen körperlich auf das Muskelniveau und die Bewegungsgeschwindigkeit von Historikern oder Theologen abzutrainieren.
Wenn schon Beschäftigungsprogramm, so doch bitte etwas wirklich friedliches und dem Charakter zuträgliches wie Oboen-Unterricht oder Literatur der Aufklärung.

30.09.2012
17:15
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Kaltmann200 | #36

Rücktritt - Herr Kuschelminister.

Die rotgrünen Toleranzromantiker haben wieder mit der Realität Bekanntschaft gemacht. Tut weh gell?!

30.09.2012
08:56
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Entschuldigung | #35

Entschuldigung,
sicherlich ist da noch viel an Prävention im Vorfeld zu leisten, bis wir solche Strafmaßnahmen gar nicht mehr diskutieren müssen - wie wäre es mal mit Zukunfstaussichten für die Kids!?!-
Aber ist das Kind erst einmal ins Wasser gefallen, dann müssn Demokraten eines aufgeklärten Landes Lösungen für die Betroffenen, sicherlich auch Opfer, finden,
und nicht auf dem Rücken der Menschen populistischen Wahlkampf zu machen.
"Arbeit macht frei"
dürfte für erwachsene, aufgeklärte Menschen ( nicht erst nach 1945) keine Alternative sein!

1 Antwort
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von joergel | #35-1

Wer sagt eigentlich, dass immer die Gesellschaft für die Straftaten ihrer Mitglieder verantwortlich ist? Es gibt auch so etwas wie Charakter und Verantwortung, nämlich Verantwortung der Eltern für ihre Kinder und Eigenverantortung.

Die Gesellschaft kann nicht jedem die Verantwortung für sein eigenes Leben abnehmen oder Kindern die Eltern ersetzen, weil die zu faul sind ihre Kinder zu erziehen.

Wenn Jugendliche schon mit 16 oder 17 Jahren Intensivtäter sind, also schon mit 14 - 15 Jahren oder früher straffällig geworden sind, kann das kaum an ihren Zukunftsaussichten gelegen haben. Die haben sie nämlich zu dieser Zeit selbst in der Hand und wenn sie dazu noch nicht reif genung sind, sind ihre Eltern gefragt dies in die richtigen Bahnen zu lenken.

Die Gesellschaft kann nur Angebote machen, wahrnehmen muß man die schon selbst. Soviel Prävention kann es gar nicht geben, das es schlechten Charakter und Verantwortungslosigkeit aller potenziellen Straftäter verhindert. Das ist Utopie...

30.09.2012
01:39
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von ich_bin_es | #34

In NRW sind Straftäter aud der JVA stiften gegangen???
das kann ich mir in NRW ja gar nicht vorstellen, weil das Justiz - und auch das Innenministerium ja bestens besetzt sind
Wieviele sind noch mal aleine in diesem Jahr gewesen, die abgehauen sind???
Andere ehemalige Minister sind wegen weitaus weniger zurückgetreten

29.09.2012
18:01
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Schnuffie | #33

Das richtige Projekt für diese Täter wäre ein Arbeitslager. Ich weiß, jetzt wird sofort wieder geschrien das gab es nur bei den Nazis und so etwas wollen wir doch nicht wieder!Aber, wie wollen wir denn das sonst in den Griff bekommen? Die lachen uns doch aus, wissen ganz genau wie sie sich mit Hilfe von Verteidigern raus mogeln können
Die Opfer kommen kaum zur Sprache, nur der arme Täter, dem muss die Gesellschaft unbedingt unter die Arme greifen, damit er für die nächste Straftat seine Freiheit wieder hat! Welch ein Irrsinn!

1 Antwort
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von misterjones | #33-1

Exakt wie bei dem "armen Täter" Sven K.

http://www.derwesten.de/staedte/dortmund/neonazi-sven-k-von-gericht-auf-freien-fuss-gesetzt-id7143809.html

29.09.2012
16:55
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #32

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

29.09.2012
16:55
Der Versuch war notwendig,
von meigustu | #31

Kanst kostet je Inhaftierten um die 100 € am Tag. Da darf es keine Denkverbote geben die Kosten zu senken.

1 Antwort
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von joergel | #31-1

Kosten senken? Kostet ein durchschnittlicher Haftplatz in NRW 111,55 Euro am Tag, wurden in Dormagen 266,75 Euro fällig. Dafür können die jugendlichen Straftäter mehr als zweimal eingebuchtet werden...
http://www.derwesten.de/politik/justizminister-kutschaty-verheimlichte-ausbruch-junger-intensivtaeter-id7144182.html

29.09.2012
15:27
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Pucky2 | #30

Wer kommt denn auf die unsinnige Idee, Intensivtäter in so ein Projekt zu stecken... solche Schwerkriminellen, egal wie alt, gehören hinter Schloss und Riegel und wie ein Altkanzler zu sagen pflegte "... und dann den Schlüssel weggeworfen"

Kein Wunder, dass die Kriminalitätsraten in die Höhe gehen, wenn der Staat so lasch mit denen umgeht, die er nur bekommen hat. Schon die Aufklärungsquote ist zum jammern und die, die dann auch mal eine spürbare Strafe erhalten ist auch schon wieder sehr klein. Dann hat sich ein Richter mal endlich erbarmt und hat doch mal einen Blick ins Gesetzbuch gewagt - und dann wird der Verbrecher auch noch in so ein Projekt gesteckt.

Toller Rechtsstaat!

Es ist eine Ohrfeige ins Gesicht der Geschädigten!!!

29.09.2012
15:19
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Pyrexx | #29

Eigentlich ist es auch...neben den Opfern ein Schlag ins Gesicht der Polizei...

Es wurde gute Arbeit geleistet, diese Subjekte zu überführen, schlüssige Anzeigen und so weiter...das es zu einer Verurteilung gereicht hat.

Und dann werden die wieder freigelassen. Wofür arbeitet die Polizei den, wenn die Landesregierung diese Arbeit doch wieder sabotiert und überflüssig macht? So hätte man auch diese Typen überhaupt nicht suchen müssen, man hätte Personalstunden der Polizei, des Staatsanwaltschaft, des Pflichtverteidigers der Jugendgerichtshilfe gespart...also weniger Steuergelder verschwendet.

1 Antwort
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von PressefreiheitistVerantwortung | #29-1

Schauen Sie sich mal den Link zu der Parodie aus der Westside Story an, den ich unter #12 angegeben habe - viel Spaß

29.09.2012
15:15
Drei Intensivtäter geflohen - Modellprojekt gestoppt
von Arthurspooner75 | #28

Ist doch schön zu sehen, wie unsere Steuergelder mal wieder sinnlos verprasst werden. Während unsere Schulen immer mehr verkümmern und quasi dahin siechen, werden für diese Typen mal wieder Gelder ausgeschüttet, daß es einem nur noch graust. Für Opfer dieser jugendlichen Verbrecher ist kein Geld da, die können ja dann zum Weißen Ring rennen. Manchmal möchte man diese Verantwortlichen nur noch schütteln und sie fragen, ob sie eigentlich wissen, was sie tun.

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