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Diether Posser – ein Anwalt der Humanität ist tot

Diether Posser – ein Anwalt der Humanität ist tot

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Foto: Fremdbild

Essen. 24 Jahre war er Landtagsabgeordneter, drei NRW-Landesregierungen gehörte er als Minister an. Ende der siebziger Jahre wäre er beinahe Ministerpräsident geworden. Am Samstag ist der Essener SPD-Politiker Diether Posser mit 87 Jahren in einem Pflegeheim gestorben.

Als Finanzminister setzte er sich gern mal ans Klavier und klimperte augenzwinkernd „Ich brauche keine Millionen”. Typisch Diether Posser. Der SPD-Politiker, der am Samstag im Alter von 87 Jahren in einem Essener Pflegeheim gestorben ist, hat sich in seinem Leben manchem Klischee entzogen. Der gelernte Rechtsanwalt, der 24 Jahre lang als Abgeordneter im Düsseldorfer Parlament saß, drei NRW-Landesregierungen als Minister angehörte und 1990 die politische Bühne verließ, war nicht nur musikalisch von großem Harmoniebedürfnis geprägt. Kämpfen, Standpunkte vertreten, sich nicht vom Weg abbringen lassen? Ja doch. „Aber man darf dabei nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen.” Gradlinig, ohne halsstarrig zu sein.

Posser lernte, auch mit Niederlagen zu leben. 1978 fehlten ihm beim SPD-Parteitag nur elf Stimmen, sonst wäre er und nicht Johannes Rau als NRW-Ministerpräsident nominiert worden. Der Freundschaft der beiden SPD-Männer hat es nicht geschadet.

In Düsseldorf erzählte man sich lange die Geschichte, wie Diether Posser als Minister zum Hagebuttentee-Trinker wurde: Sein Amtsvorgänger hatte größere Vorräte anlegen lassen, die konnte man ja nun nicht einfach wegwerfen. „Verschwendung und Korruption machen mich wütend”, sagte er mal in einem NRZ-Interview. Und Ungerechtigkeit: In seinem Buch „Anwalt im Kalten Krieg” beschrieb der Essener seine Erfahrungen mit der bundesdeutschen Justiz in den 50-er und 60-er Jahren. Der Humanität hat er sich immer verpflichtet gefühlt – als Jurist und als Politiker.