Das aktuelle Wetter NRW 11°C
Nachruf

Diether Posser - ein Anwalt der Humanität ist tot

12.01.2010 | 09:00 Uhr
Diether Posser - ein Anwalt der Humanität ist tot

Essen. 24 Jahre war er Landtagsabgeordneter, drei NRW-Landesregierungen gehörte er als Minister an. Ende der siebziger Jahre wäre er beinahe Ministerpräsident geworden. Am Samstag ist der Essener SPD-Politiker Diether Posser mit 87 Jahren in einem Pflegeheim gestorben.

Als Finanzminister setzte er sich gern mal ans Klavier und klimperte augenzwinkernd „Ich brauche keine Millionen”. Typisch Diether Posser. Der SPD-Politiker, der am Samstag im Alter von 87 Jahren in einem Essener Pflegeheim gestorben ist, hat sich in seinem Leben manchem Klischee entzogen. Der gelernte Rechtsanwalt, der 24 Jahre lang als Abgeordneter im Düsseldorfer Parlament saß, drei NRW-Landesregierungen als Minister angehörte und 1990 die politische Bühne verließ, war nicht nur musikalisch von großem Harmoniebedürfnis geprägt. Kämpfen, Standpunkte vertreten, sich nicht vom Weg abbringen lassen? Ja doch. „Aber man darf dabei nicht mit dem Kopf durch die Wand wollen.” Gradlinig, ohne halsstarrig zu sein.

Posser lernte, auch mit Niederlagen zu leben. 1978 fehlten ihm beim SPD-Parteitag nur elf Stimmen, sonst wäre er und nicht Johannes Rau als NRW-Ministerpräsident nominiert worden. Der Freundschaft der beiden SPD-Männer hat es nicht geschadet.

In Düsseldorf erzählte man sich lange die Geschichte, wie Diether Posser als Minister zum Hagebuttentee-Trinker wurde: Sein Amtsvorgänger hatte größere Vorräte anlegen lassen, die konnte man ja nun nicht einfach wegwerfen. „Verschwendung und Korruption machen mich wütend”, sagte er mal in einem NRZ-Interview. Und Ungerechtigkeit: In seinem Buch „Anwalt im Kalten Krieg” beschrieb der Essener seine Erfahrungen mit der bundesdeutschen Justiz in den 50-er und 60-er Jahren. Der Humanität hat er sich immer verpflichtet gefühlt – als Jurist und als Politiker.

Ulrich Führmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Kraft verteidigt Finanzcredo beim Politischen Forum Ruhr
Politisches Forum Ruhr
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich beim „Politischen Forum Ruhr“ zum Haushaltsansatz einer vorbeugenden Investition in Bildung bekannt - trotz des zu erwartenden Nachtragshaushalts. Eine Regierung, die nur spare, denke zu kurzfristig, sagte sie. „Wir brauchen einen langen Atem.“
Kraft verteidigt ihr Finanzcredo beim Politischen Forum Ruhr
Politisches Forum Ruhr
Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat sich beim „Politischen Forum Ruhr“ zum Haushaltsansatz einer vorbeugenden Investition in Bildung bekannt - trotz des zu erwartenden Nachtragshaushalts. Eine Regierung, die nur spare, denke zu kurzfristig, sagte sie. „Wir brauchen einen langen Atem.“
AfD-Spitzenkandidatin Frauke Petry will mit CDU koalieren
Sachsen-Wahl
Die CDU-Spitze lehnt eine Koalition mit der in Sachsen erstarkten AfD ab. Angela Merkel sieht „ein großes Stück Protest“ im Erfolg der Rechtspopulisten.
Nato stellt schnelle Eingreiftruppe als Warnung an Moskau auf
Ukraine
Das nordatlantische Militärbündnis plant als Reaktion auf das russische Vorgehen in der Ukraine eine mobile Eingreiftruppe an seiner Grenze zu Russland. Die USA warnen Moskau: „Hände weg vom Baltikum.“ Präsident Obama reist nach Estland, das den russischen Nachbarn fürchtet.
Waffenlieferungen an Kurden - Wichtige Fragen bleiben offen
Irak
Warum bekommen die Kurden für den Kampf gegen IS-Terrroristen ausgerechnet panzerbrechende Waffen? Brauchen die Kurden sie tatsächlich für ihre Verteidigung? Fragen wie diese, hörte man heute im Bundestag nicht. Stattdessen stimmten die Abgeordneten den Regierungsplänen mit großer Mehrheit zu.
Umfrage
Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?

Die Lokführer der Deutschen Bahn streiken. Es geht um Lohnerhöhung und kürzere Arbeitszeit. Haben Sie Verständnis?