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Bildung

Die Abiturnoten in NRW werden immer besser

27.12.2012 | 18:03 Uhr
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
Die Noten von Abiturienten aus Nordrhein-Westfalen haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. Foto: Joerg Koch/dapd

Essen/Düsseldorf.   Die Abiturnoten in NRW verbessern sich stetig. Vor zehn Jahren war die Durchschnittsnote noch 2,68, jetzt liegt sie bei 2,5. Experten sehen die Einführung des Zentralabiturs als einen der Hauptgründe für die Verbesserung.

Die Noten von Abiturienten aus Nordrhein-Westfalen haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verbessert. Während vor zehn Jahren, im Jahr 2002, die Durchschnittsnote noch bei 2,68 lag, erreichten NRW-Gymnasiasten 2012 im Schnitt die Note 2,5. Entsprechend gestiegen sind auch die Spitzenleistungen: Immer mehr Abiturienten legen ihre Prüfung mit der Note 1,0 ab. In den vergangenen fünf Jahren meldeten Schulen einen Anstieg von 120 Prozent – landesweit machten genau 1000 Schüler ein „Traumabitur“.

In anderen Bundesländern ist das Niveau noch höher. Dies zeigt ein Vergleich der Zahlen des NRW-Schulministeriums und der Kultusministerkonferenz. So erreichen Schüler in Thüringen im Schnitt die 2,0, in Bayern und Baden-Württemberg etwa 2,4.

Lernstandserhebung
Revierschüler schwächer als NRW-Durchschnitt

Eine Auswertung der Landesregierung hat ergeben, dass Achtklässler im Ruhrgebiet in schulischen Kernfächern schlechter als der NRW-Durchschnitt sind. In Deutsch, Mathematik und Englisch fielen die Schüler im Regionalverband Ruhr ab, ergab die Lernstandskontrolle.

Experten erklären sich die guten Noten mit der Einführung einer zentralen Abiturprüfung im Jahr 2007 und der Schulzeitverkürzung. „Die Schulen haben sich mit den neuen Anforderungen arrangiert“, sagt Peter Silbernagel, Chef des nordrhein-westfälischen Philologenverbandes der WAZ. Er vertritt die Gymnasiallehrer. Allerdings bedeuteten die besseren Noten nicht zwangsläufig, dass die Leistungen besser seien. „Durch das Zentralabitur sind die Aufgaben eher zu kalkulieren“, so Silbernagel. Dorothea Schäfer, Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), nennt dies: „Teaching for the test“ – Lehren für die Prüfung.

Jetzige Generation ist "disziplinierter und fleißiger"

Die Schüler lernen aber nicht nur gezielter. „Wir erleben eine Generation, die disziplinierter und fleißiger als frühere Generationen ist“, sagt Silbernagel. Obendrein habe sich in den Schulen eine Menge verändert. Die vielen neuen Kollegen – 2011 wurden 2000 zusätzliche Lehrer eingestellt – brächten neue Unterrichtsmethoden mit, auch die individuelle Förderung werde immer wichtiger.

Für die CDU-Schulexpertin Ina Scharrenbach sind die guten Noten ein Signal für eine Entwertung des Abiturs. Die Entwicklung tauge „höchstens zum Aufhübschen von Statistiken“, sagte Scharrenbach dieser Zeitung. Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) lässt den Vorwurf nicht gelten. Gerade die Leistungsbesten unternähmen jede Anstrengung, um ihre Durchschnittsnote durch freiwillige mündliche Prüfungen zu verbessern.

Wilfried Goebels und Birgitta Stauber-Klein


Kommentare
29.12.2012
23:09
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von DifesSanoscri | #39

Vor einigen Wochen beklagte eine Anruferin aus Berlin in der samstagnachmittäglichen Sendung des Deutschlandfunks über Bildungsfragen das katastrophal gesunkene Niveau an den Schulen.
Der im Studio anwesende Professor reagierte mit dem üblichen Abwehrreflex aller Möchtegern-Progressiven: schon immer hätten die Alten über die Jugend geklagt.
Aber dann kam die große Überraschung: die bildungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Ulla Burchardt stimmte der Anruferin zu!
Warum?
Warum nur wird auf einmal zugegeben, was so lange abgestritten wurde?
Weil sie damit ihre Forderung nach Ganztagsschulen begründen konnte, wie sie selbst eingestand.
So macht man Politik!

29.12.2012
19:06
#37 Den von Ihnen genannten Befund (ich meine, es handelt sich um eine Bio-LK Klausur) hatte ich auch im Blick,
von PressefreiheitistVerantwortung | #38

als ich meine Ausführung über deklarative und prozessurale Kompetenzen im Parallelbeitrag ("Lehrerin erzählt, wie schlechte Schüler mitgeschleppt werden) erstellt habe. Es ging dabei darum, dass in der Aufgabenstellung so viele Informationen aus dem Bereich deklaratives Wissen zur Verfügung gestellt wurde, dass einige intelligente Kinder mit dem heute gelehrten Methodenwissen die Aufgaben lösen konnten. ein bisschen mehr als Leskompetenz war schon gefragt. Es ist letztendlich die selbe Problematik, die ich weiter unten geschildert habe (Lehrer sollen immer ausreichend material / Impusle in der Hinterhand haben, damit Schüler sich ausreichend beteiligen und Dinge weiter entwickeln können, Wissenserwerb wie früher ist zweitrangig). Die Idee ist gut - aber der beste Prozessor eines Computers leistet nichts ohne Daten auf der Festplatte.

29.12.2012
18:48
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von DifesSanoscri | #37

Neuntklässler (!) konnten problemlos eine Abiturklausur aus NRW bewältigen, wie Prof. Klein von der "Gesellschaft für Bildung und Wissen" (Internet) nachgewiesen hat.
Gefordert war nämlich nur Lesekompetenz.
So sieht´s aus mit dem angeblichen Niveau!
Und gute Schüler haben Probleme, da sie nicht glauben können, dass es so einfach ist, und Ansprüche suchen, wo keine sind.
Ist Nivellierung statt Niveau das politisch korrekte Ziel?
Und was heißt hier "Zentralabitur"?
Wieviel Prozent zählt die Abiturklausur?
Und zentral ist nur die Aufgabenstellung!
Anders in England: dort wird auch zentral bewertet.
Aber auch dort wird das Nivea seit Jahren ständig abgesenkt, damit sich die Politiker selbst auf die Schultern klopfen können - und wieder gewählt werden.
Die Eltern lachen sich krank, dass ihre Kinder mit den vielen A-Levels noch nicht einmal die Aufgabenstellungen der O-Level-Prüfungen ihrer Eltern verstehen.
So wird Poltik gemacht!
Bildungspolitik?

28.12.2012
17:49
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von SAMMY2010 | #36

Ausnahmsweise muß ich einmal jemandem von der CDU, nämlich Frau Scharrenbach, Recht geben.Z. B. die Beherrschung der deutschen Sprache ist katastrophal, was mir immer wieder unterwegs, ob ich will oder nicht, zu Ohren kommt. Kaum ein zusammenhängender Satz, auch der ach so beliebte Gebrauch von Fremdwörtern geht
oftmals in die Hose. Ein, nach eigegem Bekunden, BWL-Student kannte nicht den Unterschied zwischen Rezession und Rezension.
Früher war es "Null Bock", heute ist es "Irgendwiehaltkeineahnungoderso".

28.12.2012
14:00
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von modtiger | #35

Direkt zwei Kommentaren von @Eduard79 kann ich mich anschließen. Einerseits zeigen alle Studien, dass die Anforderungen hoch gehalten werden, keiner bekommt irgendetwas geschenkt. Andererseits ist es wirklich Verschwörungstheorie, Ministerien, Schulen und Experten schönten die Statistiken. Es handelt sich bei den drei Gruppen um widerstreitende Kräfte, die jeweils kein gutes Haar an den anderen lassen. Zudem, da wir alle Bundestrainer sind, ist auch jeder Bildungsexperte. Leider hat dieser vielstimmige Chor keine einheitliche Richtung. Die wäre aber wichtig. Denn sowohl die Reformpädagik á la Finnland weisen im Pisavergleich Erfolge vor, wie andererseits das Paukerland Korea. Es ist wie bei der Tour de France. Dort umfahren die Fahrer den Kreisverkehr. Die einen kurven mutig links vorbei, andere bleiben konservativ rechts. Doch diejenigen, die sich nicht entscheiden können, machen den Salto Mortale mit anschließenden blauen Flecken. Genau so macht es NRW in der Bildung.

28.12.2012
12:38
@Querdenker79 | #26
von Eduard79 | #34

Aufgrund ihres Nicknames gehe ich mal davon aus, dass wir der gleiche Jahrgang sind, und zu ähnlicher Zeit Abitur gemacht haben.

Ich habe für das Abitur die Schule gewechselt: Mit 27 Leuten fingen wir in der 11. Klasse die "Laufbahn" zum Abitur an. 11 haben 3 Jahre später das Abitur geschafft, keiner hatte eine "Eins" vor dem Komma seiner Note.

So hat jeder seine Erfahrungen. In meinem Falle kann man wohl kaum von "geschenkt" reden, wenn mehr als 50% der potenziellen Abiturienten "aussortiert" werden.

28.12.2012
12:30
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von xxyz | #33

Das Zentralabi ist positiv und ermöglicht Vergleiche. Dies setzt natürlich voraus, dass die Verantwortlichen auch in der Lage sind, korrekte Aufgaben zu stellen, die ein definiertes Niveau haben.

Ein "sehr gut" gab es bei uns in den Deutschklausuren nur, wenn kein Schreibfehler/Zeichensetzungsfehler vorhanden war, und der Inhalt stimmte. Sonst hatte man keine Chance.

An den Unis wird ja gezeigt, wie die Landesregierung die Zahl der Absolventen beeinflussen will. Die Abbrecherzahlen sollen gesenkt werden.

http://www.derwesten.de/politik/landesregierung-will-herauspruefen-an-den-unis-verhindern-id7118052.html

28.12.2012
12:23
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von modtiger | #32

Das Problem ist ein anderes. Bildungsforscher wissen das, doch ideologische Grabenkämpfe haben das bisher verschleiert. Alle haben recht. Das Niveau ist gestiegen, die Leistungen der Abiturienten ebenso und andere Bundesländer kochen auch nur mit Wasser bzw schummeln auf andere Weise. Recht haben aber auch Betriebe und Hochschulen, die fundamentale Lücken im Lesen, Schreiben und (Kopf-)Rechnen beklagen. Wo lernt man das? Richtig, in der Grundschule. Dort wurde die verwöhn-Pädagogik gepredigt. Den Fachleuten im Schulbereich ist klar, dass im dritten Schuljahr die Karrieren bereits vorgeprägt sind. Die Abiturienten von 2012 wurden 2000 eingeschult. Verantwortlich war damals Gabriele Behler, selbst Gymnasiallehrerin, die sowohl von der Opposition, wie von ihrer eigenen Partei und zahlreichen Lehrern kritisiert wurde. Konsequenterweise trat sie aus der GEW aus. NRW ist das Land mit den meisten Studien zur Schule, von denen das Wenigste umgesetzt wurden. Grundschulen wurden zu Kindergärten.

1 Antwort
Der Hinweis auf die Verantwortung der Grundschulen ist oft unerwünscht.
von PressefreiheitistVerantwortung | #32-1

Wir beobachten zunehmend, dass Fünftklässler nicht mehr die richtigen Kompetenzen mitbringen. Mindestens die Klasse fünf geht dabei drauf, die verhätschelten Kleinen halbwegs an unsere Anforderungen zu gewöhnen. Diese Schwierigkeiten sollen dann dadurch behoben werden, dass Gymnasiallehrer an Grundschulen hospitieren - um zu lernen, wie man mit den Kleinen umgeht und den Gymnasialunterricht dann zu ändern und darauf einzustellen. Problem: Anforderungen sind als Zielperspektive "von oben her" zu sehen und zu definieren. Folglich müssten Grundschulen UNS hospitieren und ihre Ausbildung an unseren Standards ausrichten. So, wie wir auf Hochschulen vorbereiten sollen.

28.12.2012
11:50
@ 27 Viele Eltern gehen sogar noch weiter
von PressefreiheitistVerantwortung | #31

Sie schicken die Kinder zum IQ-Test und wedeln in der Schule damit herum. In einigen Fällen ist das hilfreich, weil dadurch die Lehrer auf Potenziale aufmerksam gemacht werden, die sie sonst wegen mannigfacher Probleme (Klassen zu groß, Klassen zu laut, Klassen intellektuell immer heterogener usw.) vielleicht untergehen. Wie Sie und andere unten aber andeuten, gibt es die Profilierungssucht, insbesondere untereinander. Seit Eltern auf breiter Basis wissen, dass Intelligenz vererbt wird (oder ein Teil davon, das wird kontrovers diskutiert), sehen sie sich noch viel mehr in ihren Kindern. Deren Leistungen wirken unmittelbar auf das eigene Selbstbild. Dabei kommt es im Verhalten zu mindestens zwei schweren Fehlern: Der Anteil an Fleiß/ Beständigkeit/ Üben sowie soziale Fertigkeiten wird unterschätzt. 2. dem intelligenten Kind wird erzählt, dass es ein solches ist. Aus unterschiedlichen Gründen ein pädagogischer Super-GAU

2 Antworten
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von RennYuppieRenn | #31-1

Was ist mit den Eltern, die es selbst durch Fleiß und Aufrichtigkeit zu etwas gebracht haben. Diese werden dies auch weiterhin vorleben. Auch nach Iphone und Einfamilienhaus gibt es noch hehrere Ziele zu erreichen. Ein Mehr an Idealen und Engagement weiß diese Gesellschaft allerdings nicht zu würdigen. Brenn für eine Sache und irgendein Chef verheizt dich. Andere nutzen dich aus und schwingen sich auf deinen Flügeln auf. Aber kämpfst du allein bist du komisch, du musst netzwerken, immer. Lieber grau bleiben und mit der Masse zu einer sicheren Rente schwimmen.

Auch, wenn Sie mich ab und an gerne hoch zu nehmen versuchen:
von PressefreiheitistVerantwortung | #31-2

Das ist genau das, was auch unter den Begriff Leistungsträger fällt, den ich anderswo benutzt habe: wir leben vor. Wir brennen. Wir machen es, obwohl wir zu manchen Zeiten besser dagestanden hätten ohne das aufwendige Studium, wir sorgen für das meiste Steueraufkommen - und sollen immer mehr abgeben. Wir - das sind auch die von ihnen genannten Kinder, denen vorgelebt wird und die nachleben sollen. Und die müssen sie motivieren. Leistung muss sich für sie lohnen. Und den Studienort und das Fach müssen sie sich auch aussuchen dürfen. Und nicht verzichten, weil andere, die nicht so brennen, die Aufstockung von Sozialtransfers verlangen.

28.12.2012
11:47
Die Abiturnoten in NRW werden immer besser
von MichaP | #30

Wo bei etwa beim organisieren teuer ABI Partys oder zittern die Lehrer immer mehr vor den Eltern die gleich mit einem Anwalt drohen?

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