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Großbritannien

Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa

10.10.2012 | 19:02 Uhr
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
David Cameron auf dem Parteitag der Konservativen in Birmingham.Foto: Getty

Birmingham.   Der britische Premierminister überraschte den Tory-Parteitag mit einer Neupositionierung Großbritanniens. Der Blick geht gen Osten, weil die heimische Wirtschaft nicht mehr als Wachtumsmotor fungieren kann.

Nicht mehr in Europa, sondern in den boomenden Schwellenländern Asiens sieht Großbritannien in Zukunft seine lukrativsten Chancen. Diese Neu-Positionierung der Handelsnation präsentierte ­Premier David Cameron gestern beim Parteitag der Konservativen erstmals in unverblümter Offenheit. Brüssel muss sich in den nächsten zwei Jahren auf weiteres, zähes ­Ringen mit den EU-Kritikern auf der Insel einstellen.

Eine optimistische Trostrede hätte gestern niemand von dem Parteichef erwartet. Dazu ist die Wirtschafts­lage einfach zu schlecht: Das Staatsdefizit ist seit Beginn der Banken­krise in mediterrane Höhen geklettert; die Spar- und Schocktherapie der Tories lässt die Arbeitslosigkeit ungebremst steigen.

Großbritannien ist keine Industriemacht mehr

Die Hoffnung vieler, Großbritannien würde wie schon oft zuvor auch dieses Mal rasch zurück auf die Füße finden, ließ Cameron gleich zum Auftakt seiner Rede platzen. „Dieses Land war zuversichtlich, immer sein ­Auskommen zu haben, immer eine Industriemacht zu bleiben“, so der Premier, „doch uns ist es zugefallen, zu erkennen, dass wir diese Position nicht länger halten können.“

Erstmals machte Cameron bei einem Parteitag den globalen Wettbewerb zum Thema, legte eine ­Strategie für Großbritannien in einer Welt dar, in der sich Kräfte­verhältnisse gerade erheblich ­verschieben. Bei der Erschließung neuer Kundenmärkte, etwa in ­Indien, China oder Asien, will er Großbritannien in erster Reihe ­sehen. Es ist ein Plan, der funktionieren muss, denn Wachstumsmotoren in der Binnenwirtschaft konnte der Premier nicht präsentieren.

Lob für Deutschland

Dass Cameron von Europa keine wichtigen Impulse erwartet, machte er überdeutlich: „Während in Brüssel in unzähligen, endlosen Treffen über die griechische Wirtschaft debattiert wird, wächst die Wirtschaftskraft Chinas alle drei Monate um ein Griechenland.“ Nur bei der Schulausbildung geht ein anerkennender Blick Richtung Kontinent: „Deutschland schneidet da besser ab als wir.“

Letterman
David Cameron zeigt bei Letterman peinliche Wissenslücken

Der britische Regierungschef David Cameron hat einige Wissenslücken, was die Geschichte seines Landes angeht. Im US-Fernsehen unterzog Moderator David Letterman den Premier einem spontanen Geschichtstest. Cameron, der an der Elite-Universität Oxford studiert hat, nahm das Kreuzverhör mit Humor.

Das EU-Thema wird mit Ende des Parteitags am heutigen Donnerstag noch lange nicht von Camerons Agenda verschwinden; im Gegenteil. Angesichts der geplanten, engeren Integration der EU sind in Großbritannien Rufe nach einem Referendum – quer durch alle Parteien – lauter geworden. Eine Volksabstimmung soll deshalb noch in dieser ­Legislaturperiode vorbereitet, aber erst nach Camerons möglicher Wiederwahl 2015 durchgeführt werden.

„Europa verzahnt sich enger, muss sich enger verzahnen, wenn es den Euro retten will“, so der Premier, „doch dieser Schritt benötigt dringend die Zustimmung der Bevölkerung. Ein Referendum wäre hierfür der ordentlichste, einfachste und vernünftigste Weg.“ Cameron favo­risiert keinen Total-Austritt Groß­britanniens, wohl aber einen Rück-Transfer von Entscheidungsbefugnissen und Kompetenzen, die London an Brüssel hat abtreten müssen.

Jasmin Fischer

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Kommentare
11.10.2012
17:53
Dawadochwas | #6
von wohlzufrieden | #7

Auf wessen Kosten beruht denn unser Wohlstand? Auf Ausbeutung aller möglichen Ressourcen, und die Verelendung ganzer Bevölkerungsschichten in der dritten Welt durch Hungerlöhne. Und für belastete Lebensmittel sorgen wir schon selber mehr als genug...

11.10.2012
16:57
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von Dawadochwas | #6

Klar, China wächst auf unsere Kosten.
beschaffen sich das Know-how unserer Wirtschaft und überschwemmen uns mit belasteten Lebensmitteln. Nur weiter so!

11.10.2012
12:37
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von fogfog | #5

aussenborder an die insel angeschraubt und dann auf den weg nach asien machen. mit der ganzen insel- und tschüss.

2 Antworten
aussenborder an die insel
von holmark | #5-1

sehe ich auch so...

Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von meinemeinungdazu | #5-2

Die Britten sind jedenfalls nicht so blöd und verkaufen ihr Land an eine überschuldete EU aus. Das bleibt Fakt. Auch die diktatorisch geführte EU würden die Britten niemals anerkennen. Nur die Deutschen sind so blöd.

11.10.2012
10:36
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #4

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

11.10.2012
10:14
Völker hört die Signale!
von wohlzufrieden | #3

Jetzt gibt schon ein Handlanger aus dem Erfinderland des Kapitalismus zu, das der Kommunismus unter Chinesischer Führung gesiegt hat.

3 Antworten
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von ObenIstUnten | #3-1

Wenn Sie das Kommunismus nennen wollen. Ich sehe in China eher einen von Kopf bis Fuß auf Neoklassik getrimmten Turbokapitalismus, ohne Rücksicht auf (nicht-monetäre) Verluste.

Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von WaddeHaddeDuddeDa | #3-2

China ist diktatorischer Kapitalismus pur!

ObenIstUnten | #3-1
von wohlzufrieden | #3-3

Ich schrieb vom "Kommunismus unter Chinesischer Führung". Diktatorischer Kapitalismus, wie von "WaddeHaddeDuddeDa | #3-2" beschrieben, herrscht nicht in China, sondern in der westlichen Welt.

10.10.2012
22:41
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von WaddeHaddeDuddeDa | #2

@1

Stimmt... Weil Großbritannien es einfach besser macht floriert die deutsche Wirtschaft und die britische ist im ungebremsten Fall nach unten... liegt natürlich nur am Euro usw... den Großbritannien ja nicht mal hat... .

1 Antwort
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von meinemeinungdazu | #2-1

Sie haben es nicht verstanden!

10.10.2012
20:02
Cameron sieht Zukunft in Asien, nicht in Europa
von meinemeinungdazu | #1

Großbritannien macht es eben besser. Es hat noch die eigene Währung, haftet nicht für EU-Schuldenländer, sieht florierende Märkte, begrenzt die Zahlungen an die EU und trägt die eigene Börse. Es würde sich niemals an die diktatorische EU verkaufen. Deutschland handelt konträr, gegen seine Bürger und wird verlieren.

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