Das aktuelle Wetter NRW 14°C
Politik

Bahr will keine weiteren Änderungen bei der Organspende

01.11.2012 | 06:31 Uhr
Foto: /dapd/Adam Berry

Trotz rückläufiger Spendebereitschaft hält Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die neuen Regelungen zur Organspende für ausreichend. Ein "Entscheidungszwang" wäre dagegen kein guter Weg, sagte Bahr im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Mit der jetzt in Kraft tretenden Lösung könnten sich die Menschen "als mündige Bürger aktiv für oder gegen eine Organspende entscheiden".

Berlin (dapd). Trotz rückläufiger Spendebereitschaft hält Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) die neuen Regelungen zur Organspende für ausreichend. Ein "Entscheidungszwang" wäre dagegen kein guter Weg, sagte Bahr im Interview der Nachrichtenagentur dapd. Mit der jetzt in Kraft tretenden Lösung könnten sich die Menschen "als mündige Bürger aktiv für oder gegen eine Organspende entscheiden".

Alle Bürger ab 16 Jahren werden ab Donnerstag regelmäßig befragt, ob sie nach ihrem Tod Organe spenden wollen. Zur Antwort verpflichtet ist jedoch niemand. Derzeit warten in Deutschland rund 12.000 Menschen auf ein Organ. Hunderte sterben jährlich, weil sich kein Spender findet. Durch die jüngsten Organspendeskandale ist die Spendebereitschaft noch einmal deutlich zurück gegangen.

Dennoch wäre es aus Sicht Bahrs falsch, wenn der Gesetzgeber die Bürger einfach verpflichten würde, sich zu entscheiden. Es verdiene auch Respekt, "wenn jemand diese Entscheidung aber nicht oder vielleicht noch nicht treffen möchte", sagte der FDP-Politiker. Im Bundestag sei ausführlich darüber diskutiert worden "und wir haben eine sehr gute Lösung gefunden", sagte Bahr.

Kassen lassen sich Zeit

Die Krankenkassen haben bis November 2013 Zeit, ihre Mitglieder anzuschreiben. Die Techniker Krankenkasse (TK) will allerdings nicht so lange warten. "Die Berichte über mögliche Manipulationen bei einigen Organvergaben haben viele Menschen verständlicherweise verunsichert", sagte TK-Chef Jens Baas der dapd. "Daher sind wir der Meinung, dass sie gerade jetzt sachliche und ergebnisoffene Informationen brauchen", betonte er. Die Rund sieben Millionen TK-Versicherte erhalten ab Donnerstag Post mit Informationen zur Organspende und einen Organspendeausweis.

Andere Kassen lassen sich dagegen mehr Zeit mit dem Versenden des Materials: So wollen etwa die AOK, die Barmer GEK und die DAK erst Anfang nächsten Jahres damit beginnen. Alle Kassen weisen daraufhin, dass sie auch vorher schon regelmäßig über Organspende informiert hätten und Sorgfalt vor Schnelligkeit walten lassen wollten.

Täglich sterben jedoch drei Menschen, weil es nicht genügend Spender gibt. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind rund 74 Prozent der Deutschen zu einer Organ- und Gewebeentnahme nach ihrem Tod bereit. Allerdings besitzen nur 25 Prozent einen entsprechenden Spenderausweis.

Bahr zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass die Kassen auch bald beginnen, ihren Beitrag zu leisten. "Auch wenn nicht alle Kassen schon im November Briefe verschicken, so laufen doch bei den meisten die Vorbereitungen auf vollen Touren", sagte er.

dapd

dapd

Kommentare
Funktionen
Aus dem Ressort
Ex-Hausbesetzerin wird Bürgermeisterin von Barcelona
Spanien
Ada Colau ist die Stimme der spanischen Protestbewegung. Die ehemalige Straßenkämpferin dürfte die nächste Bürgermeisterin von Barcelona werden.
Weiter Wirbel um die Rückzahlung griechischer Kredite
Schulden
Zahlt Griechenland seine Raten an den IWF zurück oder nicht? Es geht um 1,55 Milliarden Euro. Die Warnungen vor einer Staatspleite nehmen indes zu.
14-jähriger Österreicher muss wegen IS-Unterstützung in Haft
IS-Terror
Er ist erst 14 Jahre alt, aber wollte für den IS in den Krieg ziehen: Ein junger Österreicher muss wegen Unterstützung der Terrorgruppe ins Gefängnis.
Ministerin Schäfer: Städte sollen Elternbeiträge erstatten
Erziehung
NRW-Familienministerin Ute Schäfer hat sich im Kita-Streiks eingeschaltet und fordert, schnell an den Verhandlungstisch zurückzukehren.
SPD-Landtagsabgeordneter Serdar Yüksel legt Einkünfte offen
Politik
Der SPD-Politiker Serdar Yüksel bezieht offenbar neben seinen Bezügen als Landtagsabgeordneter keine weiteren Einkünfte.
7250779
Bahr will keine weiteren Änderungen bei der Organspende
Bahr will keine weiteren Änderungen bei der Organspende
$description$
http://www.derwesten.de/nrz/politik/bahr-will-keine-weiteren-aenderungen-bei-der-organspende-id7250779.html
2012-11-01 06:31
Gesundheit,Organspende,Bahr,ZUS,
Politik