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Bahn warnt - im Winter könnten in NRW 30 Prozent der Züge ausfallen

24.10.2012 | 18:44 Uhr
Bahn warnt - im Winter könnten in NRW 30 Prozent der Züge ausfallen
Bahnchef Gruber warnt: Wird das Altkraftwerk Datteln nicht weiter betrieben, kommt es zu Engpässen bei der Stromversorgung der Bahn in NRW. Foto: dapd

Berlin.  Im Interview erklärt Konzernvorstand Grube, warum der Weiterbetrieb des Altkraftwerks in Datteln für den Bahnverkehr vorerst unumgänglich ist . Dafür müsse nun die Landesregierung sorgen. Und er spricht über die täglich sechs Suizide auf den Schienen, nach denen die betroffenen Strecken stundenlang stillgelegt werden müssen.

Drei Viertel des Stroms, den die Bahn in NRW braucht, produziert das Kohlekraftwerk Datteln. Im Dezember muss es stillgelegt werden. Das neue, Datteln IV, darf laut Gerichtsbeschluss nicht ans Netz. Welche Folgen hat das?

Rüdiger Grube: Wir machen uns große Sorgen. Wir lassen derzeit Umrichter bauen, die uns helfen werden. Aber die sind nicht vor Anfang 2014 fertig. Wir brauchen also den Strom aus den Kraftwerksblöcken I bis III dringend weiter. Der Ausweg wäre eine Duldung für den Weiterbetrieb. Wir wissen, dass die Landesregierung daran intensiv und engagiert arbeitet. Aber wir haben den Entscheid noch nicht, und der Winter steht bevor.

Eine Duldung kann per Klage angefochten und gestoppt werden.

Grube: Das ist so. Aber wenn die Stilllegung kommt und nichts passiert, ist die Gefahr groß, dass die Bahn an sehr kalten Wintertagen in den Morgenstunden Engpässe bei der Versorgung haben könnte. In solchen Fällen müssten wir, um einen Zusammenbruch des Netzes zu vermeiden, Züge herausnehmen. Wir haben darüber im Vorstand geredet: Das könnten bis zu 30 Prozent des Zugbetriebs in NRW sein.

Kabeldiebstahl soll eingedämmt werden

Was erwarten Sie in dieser Lage von der Landesregierung?

Grube: Nordrhein-Westfalen ist für uns das wichtigste Bundesland. 30 000 Beschäftigte. 21 Millionen Fernreisende im Jahr. 306 Millionen im Regionalverkehr. Sie können sich vorstellen, was das Thema Datteln für uns bedeutet. Also: Der Duldungsbescheid muss so ausgeführt sein, dass mögliche Klagen dagegen keine Chance haben. Wir hoffen, wir erhalten im November Klarheit. Wenn das nicht der Fall ist, werde ich Ministerpräsidentin Kraft um ein Gespräch bitten.

Die Bahn sagt, sie ist pünktlicher geworden. Aber Ausfälle und Verzögerungen bereiten Ihnen auch  unvorhersehbare Zwischenfälle:  Suizide gehören dazu. Wie gehen Sie damit um?

Grube: Das ist ein ernstes Thema. Die Zahl der Selbstmorde in Deutschland geht eher zurück. Bei der Bahn ist es dagegen umgekehrt. Im Streckennetz kommt es an manchen Tagen auf bis zu sechs Suizide. Natürlich wirkt sich das im Betrieb aus. Die Klärung der Vorgänge nimmt Zeit in Anspruch. Manchmal bleiben Züge stundenlang stehen. Wir führen Gespräche mit den Bundesländern, um diese Zeitspanne zu verkürzen. Wichtig ist, dass sofort die Bundespolizei benachrichtigt wird und der Staatsanwalt dann überall sehr zügig entscheiden kann, bis die Strecke freigegeben werden kann.

Blockiert werden Sie auch durch die Diebstähle von Kupferdrähten…

Grube: …ein Wahnsinn. Die Diebe gehen selbst das Risiko ein, beim Kontakt mit Starkstrom getötet zu werden. Für 15 Millionen Euro wurde 2011 Buntmetall entwendet. 11 000 Züge wurden behindert, weil Leitungen unterbrochen waren.

Der Trend hält an?

Grube: Steigende Rohstoffpreise ziehen Kriminelle an, aber unsere Maßnahmen beginnen zu greifen, auch in NRW. Wir ersetzen Kupfer schon durch Aluminium, verstärken den Einsatz von Videoüberwachung und erhoffen uns auch Erfolge durch das Anbringen einer künstlichen DNA. Das kann Diebe überführen.

Kommentare
26.10.2012
19:11
Bahn warnt - im Winter könnten in NRW 30 Prozent der Züge ausfallen
von Broncezeit | #44

Hätten die Bahn Personenfernverkehr, Güterverkehr-Personennahverkehr, unten Gleise oben Transrapid getrennt würde der Personennahverkehr nicht mehr...
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http://www.derwesten.de/nrz/politik/bahn-beklagt-wachsende-zahl-von-suiziden-auf-der-schiene-id7226152.html
2012-10-24 18:44
Bahnchef Grube,Interview,Datteln,Verspätungen,RRX,Suizide
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