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Ann Romney – die bessere Hälfte des Präsidentschafts-Anwärters

Ann Romney, die bessere Hälfte des Präsidenten-Anwärters

Ann Romney
Foto: AP
Ex-US-Präsident Richard Nixon hat gesagt: „Wenn die Frau zu stark und zu intelligent rüberkommt, dann sieht der Mann aus wie ein Schwächling.” Genau das trifft auf Ann, die Frau des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, zu. Dennoch ist sie eine der wenigen Hoffnungen der Republikaner.

Washington. 

Von Richard Nixon stammt ein Satz mit eingebautem Minderwertigkeitskomplex. „Wenn die Frau zu stark und zu intelligent rüberkommt“, so formulierte der ehemalige Präsident, „dann sieht der Mann aus wie ein Schwächling.” Wenn das stimmt, dann haben die Republikaner in Amerika ein Problem mehr. Ann Romney kommt nicht nur stark und intelligent rüber. Sondern auch warm, herzlich, spontan, lebenskundig und im Gegensatz zu ihrem Gatten – lustig. Lustig ist gerade besonders wichtig in Amerika. Denn die Zeiten sind es nicht.

Wer die Mutter von Tagg, Matt, Josh, Ben und Craig sowie Großmutter von 16 Enkeln im Wahlkampf aus der Nähe beobachtet und spürt, welche Wirkung sie beinahe spielend entfaltet, versteht, warum die Strategen im Team von Willard Mitt Romney (65) sie voller Bewunderung mit zwei Worten beschreiben: Gold wert. Ann Romney lässt die Menschen in dem Glauben, dass der beim vorherigen Rennen 2008 innerparteilich an John McCain gescheiterte Unternehmer „so verkorkst nicht sein kann, wenn er doch so eine patente Ehefrau hat”, wie es eine Rentnerin jüngst bei einer Wahlveranstaltung in Columbus/Ohio den Reportern in den Block diktierte.

Seit 43 Jahren verheiratet

Ann Romney, die nächste Woche 63 Jahre alt wird, ist der Libero eines Mannes, der im Strafraum des Lebens unbeholfen und allein wirkt. Denn er kann nicht mit Menschen. Man darf sich von dem Zahnpastalächeln nicht irritieren lassen: Mitt Romney kommt aus jedem Bad in der Menge so wie er hineingegangen ist. Trocken. Ann Romney löst dagegen mit einer Anekdote aus dem Groß-Familien-Alltag und ihrem offenen Blick manchmal Tränen der Rührung oder Begeisterung aus. Eben Gold wert.

Ihre Umfrage-Werte sind prächtig. So prächtig, dass sie es sich erlauben kann, vor laufender Fernsehkamera zu unken, sie habe nicht fünf, sondern sechs Kinder groß gezogen. Gemeint ist der (wenn es nach ihr geht) „nächste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika”. Mitt Romney lächelt dann besonders tapfer. Keine Publikumsbegegnung, in der er nicht seine Frau aufs Podest stellt und anbetet.

Glaubt man Tagg, einem ihrer Söhne, der in der lesenswerten Biografie „The Real Romney” (Der echte Romney) von Michael Kranish und Scott Helman zitiert wird, geht das seit 43 Jahren so. Seit der Heirat. „Mein Vater empfand meine Mutter immer als etwas Besseres. Er war überglücklich, diesen Fang gemacht zu haben. Und er ist es bis heute.”

Familie, Erziehung, Tennisplatz

Mitt Romney und Ann Davis gingen in Bloomfield Hills, einem reichen Vorort von Detroit in Michigan, auf die gleiche Grundschule. Mitt war 17, Ann 15, als es im Sommer-Urlaub funkte. Seither gehen die Romneys gemeinsam durchs streng geordnete Leben. Kein politisches „power couple” wie die Clintons. Ann Romney beschränkte sich auf Familie, Erziehung, Tennisplatz und später das Reiten deutscher Warmblüter, während ihr Mann in der Wirtschaft und als Gouverneur von Massachussetts die großen Räder drehte. Wegen ihm trat sie in jungen Jahren der Kirche der Mormonen bei, in denen Frauen von höheren Ämtern, wie sie Mitt Romney bekleidet, ausgeschlossen sind.

Im Privaten scheint diese Rangordnung aufgebrochen. „Die große Mitt-Stabilisiererin” nennen sie die Söhne. Ann Romney, die mit Brust-Operationen und Multipler Sklerose zu kämpfen hat, gibt ihrem auf Vernunft und Logik geeichten Mann emotionale Erdung. Ihre Mission ist für den 6. November von entscheidender Bedeutung: Mitt muss anfassbarer, nahbarer werden, damit „Average Joe”, der Durchschnitts-Amerikaner, mit ihm warm werden kann.