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Niedersachsen

"Achterbahn der Gefühle" - Rot-Grün siegt nach Wahlkrimi gegen McAllister

21.01.2013 | 07:43 Uhr

Hannover.  Die schwarz-gelbe Regierung in Niedersachsen ist nach einem Wahlkrimi abgewählt worden. SPD und Grüne stellen künftig mit einer Stimme Vorsprung die Mehrheit im niedersächsischen Landtag. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück (SPD) bekommt trotz eines knappen Wahlausgangs etwas Rückenwind. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) wird künftig von einer linken Mehrheit im Bundesrat geärgert werden.

Am Ende hat Stephan Weil es also doch noch geschafft: Nach zehn Jahren Schwarz-Gelb wird Niedersachsen wohl wieder von einem SPD-Ministerpräsidenten geführt. 32,6 Prozent haben die Sozialdemokraten laut vorläufigem Endergebnis erlangt, sind zweitstärkste Kraft im Land.

Ohne die Grünen wäre der Erfolg nicht möglich gewesen: Mit 13,7 Prozent fährt der Landesverband das beste Ergebnis seiner Geschichte ein. Aber Rot-Grün weiß genau: Ein einziger Sitz trennt sie vom Oppositionslager Schwarz-Gelb. Und noch etwas ist neu: Nach fünf Jahren verpasst die Linke den Wiedereinzug und auch der Höhenflug der Piraten findet ein jähes Ende.

Nach einem langen, spannenden Wahlkrimi: Stephan Weil (CDU) siegt in Niedersachsen gegen David MacAllister.

"Das war heute eine Achterbahn der Gefühle", sagt ein vom langen Wahlabend sichtlich mitgenommener Weil auf der SPD-Wahlparty im Alten Rathaus von Hannover und fügt hinzu: "Jetzt sind wir auf dem Höhepunkt." Der Jurist ist sichtlich gelöst. "Ab jetzt machen wir nur noch eines: feiern, feiern, feiern", gibt er seinen Anhängern vor. Und die lassen sich nicht lange bitten. Klatschend und hüpfend singen sie: "Oh, wie ist das schön", "So sehn Sieger aus!" oder "Wir fahren nach Berlin".

Triumph für Weil

Weil hat gut lachen und kann seinen Triumph gegen den bisherigen CDU-Amtsinhaber David McAllister noch gar nicht fassen. "Ich glaube, ich werde nachher zu Hause auf dem Sofa sitzen und versuchen, das alles zu begreifen." Nur soviel weiß er: In der Früh gehe sein Zug nach Berlin und er freue sich auf fünf Jahre Rot-Grün.

Nach einem Wahlkrimi kann sich Stephan Weil (SPD) auf seinen künftigen Ministerposten in Niedersachsen freuen. Weil kann David McAllister (CDU) ablösen.

Mit dem Sieg in Hannover ist der 54-jährige Jurist aber nicht nur auf seiner eigenen Karriereleiter gleich mindestens fünf Stufen höher geklettert. Vom Kämmerer der Landeshauptstadt Hannover zum dortigen Bürgermeister - und nun vielleicht bald Ministerpräsident. "Das ist ein guter Sonntag für Niedersachsen", freut er sich und fügt hinzu: "Spannend wird es auf jeden Fall, eine neue Regierung zu etablieren."

Positive Nachrichten für Steinbrück

Doch auch SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück kann sich nach seinen zahlreichen Kapriolen - etwa um das Kanzlergehalt oder hoch dotierte Honorare für Vorträge - endlich wieder über positive Nachrichten und damit über Rückenwind für die Bundestagswahl im Herbst freuen. Ihm dürfte - genau wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) aber noch etwa klar sein: die politischen Lager in Deutschland liegen Kopf-an-Kopf.

Im Land dürfte sich nun einiges ändern. In der ersten Sitzung im Februar werden nicht nur CDU und FDP nach zehn Jahren wieder auf die ungeliebten Oppositionsbänke umziehen müssen.

Auch Studiengebühren sollen bald der Vergangenheit angehören, frühestens jedoch wohl erst 2014/2015 und Gesamtschulen sollen einfacher gegründet werden, sagen SPD und Grüne. Auch in Sachen Atommüll könnte eine von Weil geführte Regierung die Karten neu mischen - dies würde dann auch den Bund mitsamt Wahl betreffen. Mit ihm werde es kein Atommüllendlager in Gorleben geben, hat Weil vor der Wahl betont.

SPD und Grüne in Niedersachsen dürften sich in den kommenden Tagen schnell auf einen Koalitionsvertrag einigen. Das Gesprächsangebot von McAllister, notfalls auch mit der SPD über eine Regierung sprechen zu wollen, wird wohl ungehört in Hannover verklingen. Denn SPD und Grüne haben den Wechsel immer als höchstes Wahlziel ausgemacht.

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Knapper Sieg für Rot-Grün in Niedersachsen. Muss sich Angela Merkel jetzt für die Bundestagswahl Sorgen machen?

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Der große Verlierer heißt McAllister

Und Schwarz-Gelb? Die späte Niederlage in Niedersachsen tut CDU und FDP weh. Den Freidemokraten, weil sie mit ihren 9,9 Prozent ein Spitzenergebnis im Heimatland von Parteichef Philipp Rösler aufs politische Parkett zaubert.

Der große Verlierer aber heißt David McAllister. Zwar ist er der beliebteste Politiker des Landes, zwar ist er Chef der stärksten Partei, die versteckte Leihstimmenkampagne hat am Ende aber nicht gereicht. Ob er nun als Oppositionschef den Niedersachsen treubleibt, ist offen. Auch in der CDU rechnen viele damit, dass er den Rufen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) folgen wird. Denn auch diese weiß: Trotz der Niederlage ist McAllister eines der größten Talente in der CDU.

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    Seite 2: Neue Mehrheiten im Bundesrat

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Kommentare
21.01.2013
18:32
Blockierter Kommentar.
Name von Moderation entfernt | #46

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

21.01.2013
18:08
Überhangmandate grundsätzlich abschaffen
von Riffralf | #45

wer die meisten Wahlkreise gewinnt regiert, Punkt

21.01.2013
17:52
Wahlbetrug?
von wohlzufrieden | #44

Es gut, das der Versuch von CDU/FDP, das Ergebnis durch Leihstimmen völlig zu verfälschen total daneben ging. Noch einmal, wird sich die Union diesen Fehler, für den sie völlig zu Recht schallende Ohrfeigen bekommen hat nicht leisten. Sie hat sich wohl, gestärkt durch Angela Merkel von der ehemaligen Ost/CDU/SED sich von den "Wahlpraktiken" in der DDR zu der Parole verleiten lassen: "Wie ist egal, Hauptsache wir reGIERen." Dafür wurde sie, und ihre politischen Anhänger kräftigst abgewatscht.

21.01.2013
16:19
@ wkah Tatsächlich hat die FDP etwa 200 Stimmen an die Linke verloren, aber die Linke hat 11.000 Stimmen an die CDU verloren. Das finde ich wesentlich
von cui.bono | #43

interessanter! :-)

1 Antwort
alles Ansichtssache
von wkah | #43-1

Ich finde den Verlust von der FDP an die Linken interessanter

21.01.2013
14:55
CDU FDP
von wkah | #42

da unternimmt die CDU alles, damit die FDP auch genügend Stimmen bekommt

Und an wenn verliert ausgerechnet die FDP, als einzige Partei, Stimmen.

An die Linken

Wenn das kein Treppenwitz ist.

21.01.2013
14:51
Die Sieger-SPD.
von Optio | #41

Ein grandioses Wahlergebnis der SPD, zweiter Platz und zweitschlechtetes Ergebnis aller Zeiten.
Den MP kann die SPD den Grünen verdanken die in den Großstädten ihre Stimmen holen.
Der Grünen, gegen Massentierhaltung wettern und billige halbe Hähnchen verzehren.

2 Antworten
Zweitschlechtester Platz der SPD?
von Pit01 | #41-1

Wie gut ist dann die CDU mit minus rund 6 %? Grandios?

Die Sieger-SPD
von K.J.Schmitz | #41-2

das tut gewaltig weh - nicht wahr Optio ?? Zu dumm die Wahl zu gewinnen - VOLL VERZOCKT !!!
Ich freu mich spitzbübisch !!!

21.01.2013
13:59
@37 was phantasieren Sie denn da jetzt
von meigustu | #40

aber es ist wohl so das einige sich selbstständig glaubende Menschen ihren Auftraggeber verloren haben und nun gecheckt haben warum von Adenauer bis Brandt sehr viel Wert auf reguläre Arbeitsverhältnisse gelegt wurde. Arbeitsverhältnisse in stabilen Firmen, die auch bei Erfolg dank vieler Regeln nur schwer verkäuflich waren.

So wurden Manager gezwungen nachhaltig zu agieren und es war äußerst unattraktiv Produktivvermögen ins Ausland zu verschachern.

Alle 4 Blockparteien haben in den letzten 30 Jahren solche Regeln abgeschafft und noch das Gemeinschaftsvermögen der Bürger verschachert.

Wir haben heute einen ähnlichen Zustand wie in der DDR. Für den Bürger macht es herzlich wenig Unterschied, ob die Gierigen im Namen des Kommunismus oder des Kapitalismus ausbeuten.

21.01.2013
13:46
@ wohlunzufrieden
von cui.bono | #39

Ich passe Ihren Nick nur gelegentlich den Aussagen ihrer Kommentare an. Dafür dürfen Sie dann auch Herrn Steinbrück in Ihren Kommentaren "Old Schnatterhand" nennen.

Ich hoffe, dass Steinbrück nicht alle Ihre Kommentare zwecks Beweissicherung gespeichert hat. :-)

Auf die Konsequenzen bin ich auf jeden Fall mal gespannt.

Ach ja, noch vergessen. Ich bin kein Blogger und blogge nicht. Wenn Sie bloggen wollen müssen sie in einem Blog schreiben!

1 Antwort
cui.bono | #39
von wohlzufrieden | #39-1

@ wohlunzufrieden Erste Speicherung.

21.01.2013
13:39
cui.bono | #30-1 WARNUNG!
von wohlzufrieden | #38

Zitat aus "cui.bono | #25-1"Und wenn jemand meinen Nick fälscht ..." Zitat Ende. Sie möchten nicht, das Ihr Nick gefälscht wird? Und wieso fälschen Sie dann am laufenden Band meinen Nick in "@ wohlunzufrieden" (cui.bono | #30-1)?Hierin wird ihr ganzes kindisches Gemüt sichtbar. Ich fasse jede weitere Umänderung meines Nick Ihrerseits ab sofort als Beleidigung auf. Ich werde ab sofort alle Kommentare Ihrerseits, in denen Sie meinen Nick verfälschen zur Beweissicherung speichern, und der Staatsanwaltschaft vorlegen, wenn ich Strafanzeige gegen Sie erstatte, was ich umgehend mache, wenn Sie mich weiter mit Namensumänderungen beleidigen. Nehmen Sie zur Kenntnis: Ich bin nur an ernsthaften Bloggern interessiert, und nicht an solchen, deren Verstand offensichtlich auf Kindergartenniveau stehen geblieben ist. Daher möchte ich in Zukunft nicht mehr von Ihnen belästigt werden. Sollten Sie meinen Nick weiter fälschen, hat das die oben genannten Konsequenzen zur Folge.

21.01.2013
13:29
@ # 36 Sie denken, dass die DDR-Blockpartien schlimmer waren als die SED also die Vorläuferin der LINKE?
von cui.bono | #37

Ja das stimmt aber nur, wenn man glaubt, das Passivrauchen schlimmer sei als Rauchen!

3 Antworten
FDP LINKE
von wkah | #37-1

was ist den jetzt mit der Wählerwanderung FDP - LINKE

@ wkah
von cui.bono | #37-2

Überall gibt es mal ein paar Verstrahlte! Damit muss man leben, sogar in dieser Kommentarfunktion. :-)

FDP LINKE
von wkah | #37-3

sind sie jetzt tatsächlich mit ihrer eigenen Antwort zufrieden ?
Dann Gute Nacht

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