Kirche : Erleichterung nach Papst-Brief

Rom. Katholische Bischöfe und Laien, aber auch der Zentralrat der Juden begrüßen das Schreiben von Benedikt XVI. zum streit um die Pius-Bruderschaft.
Wenn es um den richtigen Zeitpunkt geht, überlässt der Vatikan nichts dem Zufall. Kaum ist der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch am Mittwoch in Rom gelandet, kursierte im Internet die umfangreiche Erklärung des Papstes zu der seit nun sieben Wochen gärenden Krise um die Pius-Bruderschaft. So hatte der Vatikan gleich den Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus demjenigen Land auf seiner Seite, aus dem nach der Rücknahme der Exkommunikation für vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft die heftigste Kritik gekommen war.
„ungewöhnlich persönlicher Brief”
Zollitsch nannte das Papier, das gestern offiziell vorgestellt wurde, denn auch einen „ausgezeichneten, großartigen und ungewöhnlich persönlichen Brief”. Hans-Joachim Meyer, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, sprach gar von einem „geschichtlich einmaligen Dokument”. Und der Vorsitzende des Bundes der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), der Duisburger Dirk Tänzler, erklärte: „Das ist der Papst, wie wir ihn auf dem Weltjugendtag in Köln kennengelernt haben: authentisch, menschlich, versöhnend”. Der Zentralrat der Juden reagierte mit „Respekt und Hochachtung”, erneuerte aber zugleich seine Kritik an der Pius-Bruderschaft.
In einem ausführlichen Schreiben hatte sich Benedikt an die weltweit fast 5000 katholischen Bischöfe gewandt um die Fragen zu beantworten, die seit Ende Januar Talkshows, Leitartikel und Politiker-Kommentare bewegen. Es sei eine „für mich nicht vorhersehbare Panne” gewesen, dass die Aufhebung der Exkommunikation überlagert worden sei „von dem Fall Williamson”. Explizit erwähnt er dessen Holocaust-Leugnungen indes ebenso wenig wie andere antisemitische Tendenzen in der Pius-Bruderschaft.
Dass diese „Überlagerung” „den Frieden der Kirche und auch den Frieden in der Kirche für einen Augenblick gestört hat, kann ich nur zutiefst bedauern”. Um solche Situationen künftig zu vermeiden wolle der Heilige Stuhl künftig intensiver auf die Nachrichtenquelle Internet achten. Außerdem wird der Sonderstatus der vatikanischen Traditionalistenlobby ein Ende haben. Die „Kommission Ecclesia Dei”, deren allzu großem Ehrgeiz die „Pannen” Benedikts angelastet werden, wird wieder Teil der Glaubenskongregation.
Zudem bedauert der Papst, dass „Grenze und Reichweite” der Aufhebung der Exkommunikation nicht klar genug dargestellt worden seien. Er betont: „Die Exkommunikation trifft Personen, nicht Institutionen.” Die Pius-Bruderschaft könne kein Teil der Kirche sein, „solange die doktrinellen Fragen nicht geklärt sind”.
Wohlgemerkt: Der Papst bedauert eine Kommunikationspanne und ein Missverständnis. Ausführlich verteidigt er hingegen den „leisen Gestus der Barmherzigkeit“, mit dem er die vier Traditionalistenbischöfe „von der Gewissenslast der Exkommunikation als der schwersten Kirchenstrafe“ habe befreien wollen.
Denen, die fürchten, der Papst wolle die Öffnungen der Kirche durch das II. Vatikanische Konzil (1962-1965) zurückfahren, sagt Benedikt: „Man kann die Lehrautorität der Kirche nicht im Jahr 1962 einfrieren”, das müsse auch der Bruderschaft ganz klar sein. All zu Progressive fängt er indes gleich wieder ein: Manchen, „die sich jetzt als Verteidiger des Konzils hervortun, muss auch in Erinnerung gerufen werden, dass das II. Vaticanum die ganze Lehrgeschichte der Kirche in sich trägt.”
In für ein Kirchenoberhaupt ungewöhnlich offenen Worten spricht Benedikt von seinen persönlichen Verletzungen. „Betrübt“ habe ihn, dass „selbst Katholiken, die es besser wissen konnten, mit sprungbereiter Feindseligkeit auf mich einschlagen zu müssen glaubten.“ Manchmal „hat man den Eindruck, dass unsere Gesellschaft wenigstens eine Gruppe benötigt, der gegenüber es keine Toleranz zu geben braucht; auf die man ruhig mit Hass losgehen darf. Und wer sie anzurühren wagte – in diesem Fall der Papst –, ging auch selber des Rechts auf Toleranz verlustig und durfte ohne Scheu und Zurückhaltung ebenfalls mit Hass bedacht werden.“
Dass manche Kritik jedoch auch berechtigt gewesen sein könnte, davon spricht der Papst hingegen nicht.











