Wenn nachts die „Helga“-Schreie über den Zeltplatz hallen
08.06.2012 | 18:36 Uhr 2012-06-08T18:36:00+0200
Bochum. Der Bochumumer Autor der „Hartmut und ich“-Roman hat einen kleinen, satirischen Führer namens „Überleben auf Festivals“ geschrieben. Darin stellt er einige ganz besondere Spezies vor, die außerhalb von Open-Air-Geländen nur selten zu finden sind.
Alljährlich im frühen Sommer, wird Deutschland, ja sogar ganz Europa von einem mentalen Ausnahmezustand erfasst: Festival-Saison. Menschen ernähren sich tagelang von billigem Bier und Dosenravioli, nächtigen in regenunterspülten Zelten, gehen auf Dixie-Klos und hören ohrzerfetzenden Lärm, den sie irrtümlich für Musik halten.
Um sich auf solche Torturen auch noch zu freuen, muss man aus ganz besonderem Holz geschnitzt sein, eben so wie Oliver Uschmann. Der Bochumer Autor, bekannt für seine „Hartmut und ich“-Romane, hat nun die Fibel namens „Überleben auf Festivals“ geschrieben. Und ja: Er hat vorangestellt, dass es sich dabei um Satire handelt. Was er verschweigt: In dieser Satire steckt so viel Wahres und Erhellendes, dass jeder hartgesottene Festivalbesucher sich durchschaut fühlt – die mehr als 15 Jahre leberzehrende Recherche, die Uschmann investiert hat, waren eben doch nicht ganz vergebens.
Uschmann entwickelt einigen Ehrgeiz darin, alles und jeden auf einem Festival zu kategorisieren. Unter den Besuchern etwa macht er die Barbaren aus, die man trotz mittelalterlicher Robustheit keineswegs mit den vollkommen durchgeknallten Vandalen verwechseln sollte. Er entdeckte im Zeltlager den Typ der Bettina, die vollkommen falsch auf einem Festival ist – ganz anders als die selbst- und stilbewusste Betty, die sich die Musik und die Männer nimmt, wie sie ihr gefallen. Für sie alle, schreibt Uschmann auch noch liebevolle, kleine Soundtracks.
Halsbrecherische Rituale
Ähnliche Klassifizierungen hält der Band bereit für die Musiker, er knüpft sich die Security vor, erklärt halsbrecherische und nervtötende Rituale („Helgaaaaa“) sowie gesundheitlich grenzwertige Ernährungspraktiken. So dass es nicht nur zum Loslachen ist, sondern einen klaren Blick auf Festivals eröffnet.
Nur einen Typus Besucher, den hat der Chronist vergessen: Den so genannten Uschmann, der wohl so viel Liebe zum Festivalwahnsinn in sich trägt, dass er immer wieder dort hin will, gleichzeitig aber so wenig trinkt, dass er sich am nächsten Tag noch an einiges erinnert. Ein wahres Kunststück. Wie dieses Büchlein.
- Oliver Uschmann: Überleben auf Festivals - Expeditionen ins Rockreich. Heyne Hardcore, 368 Seiten, 12,99 Euro
22:33
.....wen interessiert das schon, wie man bei "Festivals" überlebt.
Viel wichtiger und viel interessanter ist es zu lernen, wie man in der Natur, und mit der Natur überlebt.
Dieses "Problem" wird uns eines Tages einholen.
Spätestens dann, wenn die Banken, die Politik und die übrigen Kravattenträger die Menschheit ruiniert haben.
13:46
Oliver Uschmann ist kein Bochumer Autor. Er ist in Wesel geboren und wohnt in Herbern, nahe Ascheberg. Was richtig ist, dass er in Bochum studierte.
Sie müssen auch richtig lesen. Da steht "Bochumumer Autor". Nichts Bochum, Bochumum!
Schon richtig gelesen, trotzdem ist auch Bochumum nicht der Geburtsort von O.Uschmann, bis zu seinem Studium wohnte er in seiner Geburtsstadt Wesel und baute hier sein Abi. Noch Fragen?