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The Surrogates - die eigenwillige Filmvorlage

15.01.2010 | 17:33 Uhr
The Surrogates - die eigenwillige Filmvorlage

Ein neuer Film mit Bruce Willis basiert auf dem Science-Fiction-Comic „The Surrogates”. Allerdings bleibt nach der Bearbeitung durch Hollywood nicht allzu viel vom gesellschaftskritischen Anspruch übrig

Wie wäre es wohl, wenn man sein Leben von jemand anderem leben lassen könnte, während man selbst bequem im Sessel liegt? Von jemandem, der schöner, sportlicher und in allen Belangen perfekt ist? Von einem menschlichen Roboter, der alle Sinneseindrücke brav nach Hause funkt?

Das ist die Welt, in der „The Surrogates” spielt, ein Science-Fiction-Comic, der zu Ende denkt, was wir heute mit virtuellen Welten wie Second Life oder World Of Warcraft begonnen haben. Nur hat in dieser Geschichte die virtuelle Welt längst die Kontrolle über die Realität übernommen. Jeder schickt seinen Roboter auf die Straße, lässt ihn lieben, lachen, arbeiten und kämpfen – der perfekte Stellvertreter. Das öffentliche Leben wird davon dominiert, während die echten Menschen daheim jeden Schritt überwachen. Bis auf einmal ein mysteriöser Unbekannter mehrere Roboter kurzschließt und den Polizisten Harvey Greer auf den Plan ruft. Der ist natürlich auch längst von Kopf bis Fuß auf ein virtuelles Leben eingestellt. Ist ja auch einfacher: Wenn der Polizist einen Blechkameraden auf Straße schickt, läuft er nicht selbst Gefahr, im Dienst verletzt zu werden.

Der verfettete Gesetzeshüter wagt sich in die Realität

Erst als der Mysteriöse auch Greers Roboter beschädigt, wagt sich der verfettete Gesetzeshüter seit langem mal wieder persönlich in die Realität – und entdeckt, was er so lange vermisst hat. Und findet zudem heraus, dass die Anschläge nicht nur auf ein paar Roboter zielen, sondern auf die Gesellschaftsordnung der USA.

Agent Geer, der Roboter (Bruce Willis) und Agent Peters (Radha Mitchell) am Tatort.

Das gibt den Stoff her für einen soliden Sci-Fi-Krimi. Ersonnen wurde er von Robert Venditti, der einen Master in Kreativem Schreiben vorzuweisen hatte, bis zu „Surrogates” aber in der Poststelle des Top-Shelf-Verlags jobbte.

Er wusste die gute Adresse zu nutzen, denn gemeinsam mit dem Zeichner Brett Weldele schuf er eine eigenwillige, expressionistisch anmutende Graphic Novel, die Fans fand, aber nicht eben massenkompatibel erschien.

Dennoch ist „Surrogates” nun verfilmt worden, mit Bruce Willis in der Hauptrolle (Kinostart: 21.1.). Die Gier der Hollywood-Studios ist längst so groß, dass sie für einen außergewöhnlichen Stoff auch Comics nicht verschmäht.

Neu ist nur, dass die Filmemacher auch auf Vorlagen zurückgreifen, die so eigenwillig gestaltet sind, dass man für die Kino-Umsetzung einen vollkommen neuen Look bemühen muss, der nur noch ansatzweise mit dem Original zu tun hat. Jüngst ist das so geschehen bei „Wanted” mit Angelina Jolie, bald werden wir es sehen bei „Whiteout” mit Kate Beckinsdale (Start: 26.3.).

Die Verfilmung von „The Surrogates” erinnert eher an klinisch saubere Filme wie „Die Frauen von Stepford” oder an „I Robot” mit Will Smith als an die düsteren Visionen, die Venditti und Weldele im Comic verfolgt haben.

Aber da auch die Handlung weitgehend verändert wurde, lohnt sich in diesem Falle, Comic und Film parallel zu verfolgen. Und sei es, um zu lernen nach welchen Mechanismen Hollywood funktioniert.

Robert Venditti, Brett Weldele, „The Surrogates”, Cross Cult, 200 Seiten, 26 Euro

Georg Howahl



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