Thierse wettert über "Wecken" am Prenzlauer Berg
31.12.2012 | 15:52 Uhr 2012-12-31T15:52:31+0100
Berlin. Zugezogene aus Baden-Württemberg gelten in Berlin als Mitverursacher der Gentrifizierung und sind nicht überall beliebt. Nun ließ Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) seinen Schwaben-Frust in einem Zeitungsinterview raus - und erntet Kopfschütteln.
Nach den Lästereien von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) über Schwaben in Berlin macht sich im Ländle Empörung breit. "Wir in Baden-Württemberg profitieren sehr von unseren Migranten. Auch beim Essen. Das tut den Berlinern auch gut", sagte Verdi-Landeschefin und SPD-Landesvize Leni Breymaier am Montag in Stuttgart über die Schelte ihres Parteifreundes. "Ohne die Schwaben wäre die Lebensqualität in Berlin nur schwer möglich. Denn wir zahlen da ja jedes Jahr viel Geld über den Länderfinanzausgleich ein", erklärte der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) in der "Bild"-Zeitung.
Thierse, der seit 40 Jahren in Prenzlauer Berg wohnt, hatte sich in einem Interview mit der "Berliner Morgenpost" (Montag) über die zahlreichen zugezogenen Schwaben in seinem Heimatbezirk ausgelassen. "Ich ärgere mich, wenn ich beim Bäcker erfahre, dass es keine Schrippen gibt, sondern Wecken", sagte er. "In Berlin sagt man Schrippen - daran könnten sich selbst Schwaben gewöhnen." Ebenso störe es ihn, wenn ihm in Geschäften "Pflaumendatschi" angeboten würden. "Was soll das? In Berlin heißt es Pflaumenkuchen", sagte Thierse der Zeitung.
Özdemir fordert "Dankbarkeit" gegenüber den Schwaben
Grünen-Chef Cem Özdemir sagte der "Bild", viele Schwaben kämen zum Arbeiten nach Berlin. "Die Berliner sollen uns Schwaben dankbar sein und nicht über uns lästern wie Herr Thierse." Schriftstellerin Gaby Hauptmann meinte, die Schwaben seien in der Hauptstadt hoch angesehen. "Wenn der Herr Thierse das nicht versteht, macht er was falsch."
Der Bundestagsvizepräsident hatte von den zugezogenen Schwaben ein grundsätzliches Umdenken gefordert: "Ich wünsche mir, dass die Schwaben begreifen, dass sie jetzt in Berlin sind und nicht mehr in ihrer Kleinstadt mit Kehrwoche", schimpfte Thierse. "Sie kommen hierher, weil alles so bunt und so abenteuerlich und so quirlig ist, aber wenn sie eine gewisse Zeit da waren, dann wollen sie es wieder so haben wie zu Hause - das passt nicht zusammen."
Schon länger waren in Berlin in aller Öffentlichkeit Proteste gegen Schwaben lauter geworden. Schlagzeilen löste ein Brandstifter aus, dem zunächst vorgeworfen worden war, aus "Schwaben-Hass" einen Kinderwagen angezündet zu haben. Vor Gericht bestritt er dieses Motiv. Aber zu Verstimmungen kam es auch wegen Plakaten und Wand-Schmierereien wie "Schwaben raus". (dpa)

13:25
Thierse ist aus meiner Sicht ein Rassist... wenn ich in Berlin beim Bäcker war, habe ich übrigens Brötchen bestellt, wie es bei uns im Rheinland üblich ist. Man hat mich verstanden und hat auch nicht gemurrt.
Ich glaube, die Berliner sind weiter als dieser Zottelbär. Er war wohl zu lange in der engen DDR, wo man sich kaum mit Neuerungen auseinandersetzen musste.
Übrigens die Hauptstadt der Hundehaufen hätte eine Kehrwoche dringend nötig.
11:40
Der Aufruf "Schwoba - ganget hoim " war schon Mitte der 80er ein oft gesehener Spruch auf Häuserwänden.
21:36
Ich glaube, in seinem „Abschiedsschmerz“ vom Bundestag - er wurde ja letztlich von den Seinen ausgebootet - hat Herr Thierse gestern gezeigt, was in ihm steckt.
Ich schätze ihn schon seit der Flugmeilenaffäre als schwach ein.
Das Interview, das ich im Original hörte und beim DLF nachlas, bestätigt mich da. Wie kann man auf hintereinander liegende Fragen antworten
„…Ich habe mich immer eher als einen linken Konservativen verstanden…“
bzw.
„…ich bin immer noch, auch im Alter von 69, ein durchaus kämpferischer Linker…“?
Und wer ist „Fritz“ Dehler?
„…Und ich kann heute noch erzählen, welche Redner mich damals besonders beeindruckt haben, von Carlo Schmid über Fritz Dehler bis hin zu Herbert Wehner und anderen.“ So tatsächlich schon im Interview wörtlich.
Wohl ein Kollege von Jakob Maria Mierscheid!?
17:10
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14:59
als Herr Thierse. Da werden die alten Preußen wohl demnächst auch den Dreher bestellen statt einem Döner.
12:44
Man könnte auch sagen:
Ich wünsche mir, dass die Berliner begreifen, dass sie jetzt in einer "weltoffenen" Hauptstadt sind und nicht mehr in ihrer abgegrenzten Kleinstadt mit eigenem Dialekt.
11:58
Um Schwaben nicht zu mögen braucht man sich nur den verbitterten und ewig schlechtgelaunten arroganten Finanzminister anzusehen.
...Baden-Württemberg kommen (bisher kennen Sie es wohl nicht) empfehle ich Ihnen, in der Gegend, aus der Herr Schäuble kommt, die Bewohnner nicht als Schwaben zu bezeichnen.
Dann würden Sie ebenso "anecken" wie Herr Thierse.
11:43
Nicht nur der Herr Thierse ist geistig zu unflexibel.
Das betrifft doch die ganze Mannschaft im Bundestag.
Die sitzen in ihrem abgeschlossenem Universum und wissen nicht was auf der Straße alles passiert.
Merken sie den Widerspruch? Thierse spricht ja gerade nicht aus einem abgeschlossenen Universum.
10:11
Ja der Herr Thierse, er wird auch langsam alt und wunderlich. Immerhin sprechen die Schwaben wenigstens noch Deutsch - wenn auch mit Dialekt. Bei dem ganzen Kauderewelsch, das man so üblicherweise in Berlin zu hören bekommt, sollte er doch dankbar sein. Ich persönlich bestelle lieber 10 Wecken als 10 küçük ekmek. (Hoffe die Übersetzung ist richtig).
08:46
Ich bin regelmäßig zu Besuch in Berlin. Das das Volk ( natürlich nicht alle) sich dort gern mal über die Schwaben "ärgert" oder "lustig" macht ist nichts neues aber auch kein Drama. Es ist so eine Art Hass-Liebe wie zwischen den Bayern und Preußen.
Ich persönlich nutze aber lieber das Wort Schrippen ( Wecken sagt man im Pott ja auch nicht) , um sicher zu gehen, auch wirklich Brötchen ( oder zumindest sowas ähnliches) zu bekommen. Unsere Brötchen hier im Pott schmecken allerdings viel besser! :-)