Das aktuelle Wetter NRW 21°C
Nasa

Nasa-Experte Jesco von Puttkamer gestorben

28.12.2012 | 17:02 Uhr
Der deutsch-amerikanische Luftfahrtingenieur und Publizist Jesco von Puttkamer ist tot. Foto: dpa

Köln/Leipzig.  Er war der Mann für die Visionen der ganzen Menschheit: Jesco von Puttkamer dachte über den Himmel hinaus und war für die Zukunft der Raumfahrt zuständig. Jetzt ist der Deutsche in Diensten der Nasa überraschend gestorben. Von Puttkamer starb nach Angaben aus Nasa-Kreisen an Herzversagen.

Deutsch ist schon lange nicht mehr der vorherrschende Akzent bei den Nasa-Ingenieuren. Doch er ist noch da und die letzten Jahrzehnte war es ein Deutscher, der die Visionen der US-Weltraumbehörde entwickelte: Jesco Freiherr von Puttkamer war so etwas wie das Gehirn und eines der bekanntesten Gesichter der Nasa. Jetzt ist der Ingenieur, Forscher, Publizist und Berater mit 79 Jahren unerwartet gestorben.

Von Puttkamer, seit 1967 US-Bürger, war der dienstälteste Mitarbeiter der Nasa. An Ruhestand schien er nicht gedacht zu haben und auch mit fast 80 war er von der Raumfahrt begeistert - und begeisterte andere. Mit seinen vollen grauen Haaren und dem markanten Schnurrbart reiste er um die Welt in Sachen Wissenschaft. Viele Bilder zeigen ihn im Raumanzug - dabei war er selbst nie da, wo seine Gedanken ständig waren: im All.

"Landung auf dem Mars ist keine Landung auf einem Alien-Planeten"

Noch vor wenigen Wochen sprach er in Aachen enthusiastisch über das nächste große Ziel der Raumfahrt, den Flug zum Mars, etwa um das Jahr 2035. "Da schicken wir Vorräte los und eine kleine Experimentalfabrik", sagte er der Nachrichtenagentur dpa. Zwei Jahre später sollten Menschen folgen. Die Reise werde zwar sieben Monate dauern, aber: "Die Landung auf dem Mars ist keineswegs eine Landung auf einem Alien-Planeten." Das sei wie die Heimkehr in eine Welt, die die Astronauten durch die Forschung bereits kennen.

Von Puttkamer war Visionär und nicht umsonst stand auch Manager auf seiner Visitenkarte. Schließlich musste auch er die Öffentlichkeit und vor allem den US-Kongress als Geldgeber der Nasa immer wieder von der Bedeutung der Milliardenprojekte überzeugen. Der selbst von seiner Mission überzeugte Freiherr versuchte das auf allen Kanälen, trat im Fernsehen auf, sprach auf Kongressen, schrieb Bücher, selbst Kurzgeschichten - und hob immer wieder auch den mahnenden Zeigefinger.

So warf er den Deutschen vor gut 20 Jahren mangelnden Pioniergeist vor. "Wenn heute ein Deutscher sagt, wir stellen mal eine Kosten-Nutzen-Rechnung auf, und die fällt bei uns negativ aus, dann liegt das nicht an der Raumfahrt", sagte der Wissenschaftler. Damals, zwei Jahre nach dem Fall der Mauer, habe Deutschland eine "ideale Ausgangsposition" als Brückenbauer zwischen der "raffinierten westlichen Raumfahrttechnologie" und der "robusten, einfachen sowjetischen Raumfahrt" gehabt. Doch das Potenzial werde nicht genutzt, Deutschland verpasse seine Chancen.

Puttkamers Wurzeln waren urdeutsch: In Leipzig geboren entstammte er dem alten pommerschen Adelsgeschlecht derer von Puttkamer. Den Zweiten Weltkrieg verbrachte er in der Schweiz. Bald ging er nach Deutschland zurück. Und 1962 in die USA. Die Nasa wurde damals von Wernher von Braun dominiert, und Deutsche traf man in der Raketenschmiede in Huntsville, Alabama, an jeder Ecke. Das Apollo-Mondprogramm, das Weltraumlabor Skylab, die revolutionären Space Shuttles - von Puttkamer war überall dabei. Und selbst im Abspann des "Star Treck"-Films taucht er auf - als Berater.

"Eine Art UNO im All"

"Raumschiff Enterprise" war von der Gedankenwelt des Jesco von Puttkamer gar nicht so weit entfernt. Denn die letzten Jahrzehnte war er für die Zukunftsprojekte der Nasa zuständig. Begeistert sprach er von den schon bestehenden Projekten: "Mit 16 Nationen auf der Internationalen Raumstation ISS haben wir im All eine Art UNO geschaffen."

Neue Bilder von "Hubble"

Und noch begeisterter sprach er von den kommenden: Basislager auf dem Mond, ständige Forschungsstationen auf anderen Planeten, Touristenflüge ins All - vielleicht nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber letztlich sei es nur eine Frage der Zeit. Der Schlusssatz in dem "Star Trek"-Film soll auch von ihm stammen und beschreibt genau die Sichtweise des Jesco von Puttkamer: "Weltraum - Das Abenteuer Menschheit hat gerade erst angefangen". (dpa)

 



Kommentare
Aus dem Ressort
14-Jähriger soll Lehrer mit Schnürsenkel gewürgt haben
Gewalt
Ein 14 Jahre alter Schüler aus Niedersachsen soll seinen Lehrer mit einem Schnürsenkel gewürgt haben - weil dieser ihm zuvor das Handy abgenommen hatte. Die Polizei ermittelt gegen den Teenager, der auch gedroht haben soll, den 33-Jährigen umzubringen. Auf einer Klassenfahrt kam es zu dem Streit.
Krankenhaus in den USA schickte Ebola-Patienten nach Hause
Ebola
Für die USA ist ein Alptraum wahrgeworden: Der erste Ebola-Patient außerhalb Afrikas während der aktuellen Epidemie liegt auf einer Isolierstation in Texas. Zunächst hatte das Krankenhaus ihn allerdings ohne Diagnose nach Hause geschickt. Erst nach zwei Tagen wurde er aufgenommen.
Mächtiger Drogenboss in Mexiko gefasst
Kriminalität
Mexikanische Soldaten haben den Chef des Beltrán-Leyva-Kartells festgenommen. Héctor Beltrán Leyva alias "El H" sei in einem Restaurant in der Stadt San Miguel de Allende im Bundesstaat Guanajuato gefasst worden, teilte die Generalstaatsanwaltschaft am Mittwochabend (Ortszeit) mit.
Wie sich kriminelle russische Banden Deutschland aufteilen
Kriminalität
Schutzgelderpresser, Schleuser und Rauschgiftschmuggler handeln nie alleine. Doch auch bei Delikten wie Raub, Betrug, Autoklau und Ladendiebstahl sind in Deutschland zunehmend organisierte Banden am Werk. So leiten etwa ehemalige KGB-Offiziere Banden mit zehntausenden Einbrechern.
US-Feuerwehr rettet Hamster mit winzigem Sauerstoff-Schlauch
Erste Hilfe
Tierischer Erste-Hilfe-Einsatz für die Feuerwehr im US-amerikanischen Ort Lacey: Nach einem Brand haben die Einsatzkräfte dort eine Hamster-Familie beatmet. Das Foto, das ein Tier mit einem winzigen Sauerstoff-Schlauch zeigt, macht die Runde im Internet und begeistert viele Tierfreunde.
Umfrage
24 Jahre nach der Wiedervereinigung: Wie steht es um die Deutsche Einheit?

24 Jahre nach der Wiedervereinigung: Wie steht es um die Deutsche Einheit?

 
Fotos und Videos