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Terroranschlag

„München 72“ - Doku-Drama zeigt das Entsetzen im Land des Lächelns

20.07.2012 | 16:03 Uhr
„München 72“ - Doku-Drama zeigt das Entsetzen im Land des Lächelns
Szene mit Stephanie Stumph und Harry Blank: Israelische Sportler freuten sich, wie alle, auf leichte und lockere Spiele in München. Foto: ARD

München.   Die Olympischen Spiele in München – sie begannen so leicht, so locker. Und dann kam der Terror. Ein Doku-Drama der ARD macht am Sonntagabend um 21.45 Uhr beeindruckend fühlbar, was damals passierte. Statt billiger Antworten auf komplexe Fragen geben zu wollen, zeigt der Film eindrucksvoll die Dimension des Schreckens.

Ein Mann mit einer Strumpfmaske auf einem Balkon im Olympischen Dorf, ein zerstörter Hubschrauber auf dem Rollfeld von Fürstenfeldbruck – diese Bilder haben sich eingebrannt und dafür gesorgt, dass „München 72“ (Sonntag, ARD, 21.45 Uhr) zur ersten Chiffre des Terrors wurde. 16 Menschen starben, nachdem ein palästinensisches Killerkommando die Unterkunft der israelischen Sportler gestürmt hatte.

Immer wieder wurde versucht, ein Geiseldrama mit furchtbarem Ausgang filmisch zu verarbeiten. Steven Spielberg beschäftigte sich in seinem Hollywood-Film „München“ vor allem mit der Frage, wohin der Kampf gegen den Terror führen kann, wenn Gewalt mit Gewalt bekämpft wird. Das Erste geht einen anderen Weg. Wenige Tage vor der Eröffnung der Olympischen Sommerspiele in London und knappe zwei Monate vor dem 40. Jahrestag am 5. September wird das Geschehen als Doku-Drama verarbeitet – mit mindestens ebenso beeindruckenden Ergebnissen.

Intelligente Mischung aus Originalbildern und Spielfilmszenen

Wieder einmal zeigt sich, dass eine intelligente Mischung aus Originalbildern und Spielfilmszenen nicht nur den Verlauf eines historischen Dramas protokolliert, sondern auch die Dimension des Schreckens erfasst. Selbst die Zeitzeugen, angeführt von der israelischen Athletin Esther Roth und Konkurrentinnen, Freundinnen wie Heide Rosendahl oder Ulrike Meyfarth, lassen die Ratlosigkeit erkennen, von denen der Anschlag auch 40 Jahre später noch umhüllt wird.

Wie es dazu kommen konnte, ob man das Verbrechen hätte verhindern können – billige Antworten auf diese komplexen Fragen hat der Film nicht parat. Man erklärt das Geschehen vielmehr dem Bemühen, der Welt knappe vier Jahrzehnte nach der Nazi-Spektakel in Berlin ein neues Deutschland zu präsentieren.

Killerkommando bahnte sich ungehindert seinen Weg

Das Land des Lächelns bevölkerten damals allzeit winkender Frohsinn und entspannte Ordnungshüter. Die Polizisten trugen bunte Blazer, keine Pistolen. Das Olympische Dorf war Epizentrum der Heiterkeit, kein rigoros abgeriegeltes Camp. Wer wollte, kletterte einfach über den Zaun, beobachtet von freundlichen Wachtposten, die hier jugendlichen Übermut am Werk sahen, nicht finsteren Terror. Warnungen wurden in den Wind geschlagen, obwohl es bereits zwei Jahre zuvor in München Anschläge auf jüdische Einrichtungen gegeben hatte.

Praktisch ungehindert bahnte sich das Killerkommando den Weg durch diese ausgelassene Szenerie und stürmte die Unterkunft der israelischen Sportler. Zwei Geiseln wurden sofort getötet, der Film verzichtet aber bewusst auf eine Rekonstruktion des brutalen ersten Akts.

„München 72, das war das 9/11 der 70er-Jahre“

Krisenstab und Sicherheitskräfte zeigten sich in de Folge völlig unvorbereitet und restlos überfordert. Die Kette schrecklicher Fehler führt zum blutigen Finale auf dem Flugplatz von Fürstenfeldbruck, wo alle Geiseln und fünf der acht Terroristen in einem stundenlangen Feuergefecht ihr Leben lassen.

Das alles lässt den Zuschauer auch Jahre danach tief berührt. „München 72, das war das 9/11 der 70er-Jahre“, erklärt Marc Brasse, einer der Filmemacher, in einem Interview mit „Spiegel online“. Was ihn am meisten beeindruckte? Das Interview mit Hans-Dietrich Genscher, damals Innenminister und Leiter des Krisenstabs: „Am Anfang war es eines dieser typischen Genscher-Gespräche, diplomatisch und politisch. Doch dann wurde er emotional. So erzählt er, wie er bei seiner Familie anruft, um noch einmal die Stimmen seiner Mutter und seiner Frau zu hören, bevor er sich als Geisel im Austausch für die israelischen Geiseln zur Verfügung stellen wollte. So hatte ich Genscher noch nicht gesehen.“

Ulrich Schilling-Strack



Kommentare
23.07.2012
18:17
„München 72“ - Doku-Drama zeigt das Entsetzen im Land des Lächelns
von Pucky2 | #1

Deutschland als Land des Lächeln zu bezeichnen, ist aber auch der Hohn auf Socken!
Land der Meckerfritzen oder der Weltuntergangs-Propheten würde passen.

Land des Lächeln nennt man manchmal Japan...

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