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Ausbildungsmarkt

„Junge Leute werden gefragt sein“

04.06.2012 | 19:27 Uhr
„Junge Leute werden gefragt sein“
Glaubt, dass Jugendliche künftig gute Chancen bei der Lehrstellen-Suche haben werden. Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.  In Zukunft können sich Firmen die Besten-Auslese bei der Suche nach Auszubildenden nicht mehr leisten. Davon ist Werner Marquis, Sprecher der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit, überzeugt. Der Grund: In den kommenden Jahren gibt es immer weniger Schulabgänger.

Werner Marquis, Sprecher der Regionaldirektion NRW der Bundesagentur für Arbeit und langjähriger Beobachter des Ausbildungsmarktes im Land, macht der Jugend Mut. „Fakt ist, ab 2015 wird es deutlich weniger Schulabgänger geben. Parallel dazu verabschieden sich in den kommenden Jahren geburtenstarke Jahrgänge aus dem Arbeitsleben in den Ruhestand. Die Firmen werden sich darum kümmern müssen, ihre freien Plätze auch besetzen zu können. Junge Leute werden sehr gefragt sein.“

Zurzeit kämen auf einen Lehrstellen-Suchenden im Ruhrgebiet 0,7 Ausbildungsplätze, am Niederrhein 0,8. Jeder dritte der 49.574 in NRW noch unversorgten Jugendlichen sei ein sogenannter Altbewerber. Das heißt, jemand, der schon im vergangenen Jahr oder noch früher auf der Suche nach einem Lehrbetrieb war. „Auch diese Zahl spricht dafür, dass sich auf dem Ausbildungsmarkt etwas tut. Denn viele Jahre lang war noch jeder zweite Lehrstellen-Suchende ein Altbewerber“, betont Marquis.

Auch der doppelte Abiturjahrgang in NRW 2013 wirke sich aus. „Wenn also Absolventen der zwölften und dreizehnten Klassen auf den Ausbildungsmarkt strömen.“ Daher versuchten derzeit schon viele junge Leute, dem Mitbewerber-Druck im kommenden Jahr aus dem Weg zu gehen, „indem sie jetzt die Schule zum Beispiel mit der Fachhochschulreife statt dem Abi verlassen“.

Zu stark auf Handicaps geachtet

Die Unternehmen seien vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung – immer mehr Alte, immer weniger Junge – gut beraten, sich auch Lehrstellen-Kandidaten anzuschauen, die nicht ihre erste Wahl seien. Derzeit achteten viele Arbeitgeber immer noch stark auf Handicaps von Bewerbern. „Also, hat eine Frau Kinder, die ‘mal krank werden können, hat ein junger Mensch mit Migrationshintergrund sprachliche Defizite und so weiter.“ In Zukunft würden es sich Firmen nicht mehr leisten können, „Bewerber, die nur zu neunzig Prozent die gestellten Anforderungen erfüllen, zu hundert Prozent vom Arbeitsmarkt auszuschließen“, ist sich Marquis sicher.

Ein paar Tipps des Fachmanns für Berufe mit Zukunft: das Handwerk, die Gastronomie, zum Beispiel. Gesucht würden auch Kaufleute im Einzelhandel, Bürokaufleute, Fachverkäufer im Lebensmittelhandwerk, Groß- und Außenhandelskaufleute, Gebäudereiniger, Fachkräfte für Lagerlogistik, Heizungs-, Sanitär- und Klimatechniker. „Im Objekt-, Personen- und Brandschutz wird ebenfalls Personal benötigt.“

Jutta Bublies



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