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"Jetzt wird eine Frau die Ehre haben"

25.03.2008 | 22:51 Uhr

RAUMFAHRT. Die Südkoreanerin Yi So-yeon startet als erste Astronautin für ihr Land ins All. Die 29-Jährige macht Experimente.

Soll voraussichtlich am 8. April ins All starten: die Südkoreanerin Yi So-yeon. Die 29-Jährige will ihre Mitastronauten dem Vernehmen nach kulinarisch verwöhnen. (Foto: afp)

BAIKONUR. Ist schon aufgefallen, dass die Astronautinnen immer hübscher werden? Das begann vor rund 25 Jahren mit der Amerikanerin Sally Ride und setzte sich über die Russin Jelena Kondakowa und die Französin Claudie Haigneré fort, die auf der MIR wie auf der ISS flog und später zur französischen Wissenschaftsministerin avancierte. Vor anderthalb Jahren stattete die hinreißende Anousheh Ansari als Welt-raum-Touristin Thomas Reiter in der Raumstation einen Besuch ab und im vergangenen Jahr traf sich dort ein regelrechtes Dreigestirn, als zwei Kommandantinnen, Pam Melroy im Space Shuttle und Peggy Whitson in der Raumstation, mit mission specialist Stephanie Wilson um die Erde rasten. Anfang April soll die Südkoreanerin Yi So-yeon als erste Astronautin für ihr Land an Bord eines russischen Soyuz-Raumschiffs in den Orbit starten.

Nur ein paar Wochen vor ihrem 30. Geburtstag - und ein paar Wochen nach ihrer Promotion in Biotechnologie am "Korea Advanced Institute of Science and Technology", international KAIST abgekürzt.

Aus mehr als 36 000 Bewerbern ausgesucht

Miss Yi wird zehn Tage an Bord der Raumstation wissenschaftliche Experimente durchführen. Und will außerdem - das wurde in Baikonur kolportiert - die Besatzung mit Kimchi verwöhnen, einer scharf gewürzten Spezialität aus ihrer Heimat.

Dass sie ausgesucht wurde, ist der Leichtfertigkeit ihres Landsmanns Ko San zu "danken". Die beiden waren im Dezember 2006 aus mehr als 36 000 Bewerbern für den ersten Raumflug eines Südkoreaners ausgewählt worden. Im September 2007 entschied das Forschungsministerium in Seoul, dem Computerspezialisten Ko San den Vorzug zu geben. Beide trainierten im russischen Sternenstädtchen für den Flug, nach dem die Taekwondo-Spezialistin Yi den stolzen Astronauten hätte begrüßen sollen.

Es kam anders... Ko verstieß mehrfach gegen die strengen Regeln des russischen Raumflug-Trainings. So fiel er auf, als er ein Trainings-Handbuch mit persönlichen Sachen nach Hause schickte. Außerdem soll er eine Piloten-Handreichung mit in sein Quartier genommen haben, die nicht für ihn bestimmt war. Postwendend folgte die "Empfehlung" an Südkorea, auf ihn zu verzichten.

"Jetzt wird eine Frau die Ehre haben, Südkoreas erster Raumfahrer zu sein", stellt Lee Sang-mok fest, Sprecher des Forschungsministeriums, das den Flug mit 27 Millionen US-Dollar finanziert. Dass sie ihre Sache gut machen wird, steht im ganzen Land außer Frage. "Eine gute Nachricht für alle Frauen Südkoreas, vor allem für die, die in Wissenschaft und Technologie engagiert sind", kommentiert Prof. Kim Ji-young, die den Verband von Wissenschaftlerinnen und Forscherinnen ihrer Heimat leitet. "Sie kann Vorbild sein und junge Frauen ermutigen, in Bereiche vorzustoßen, in denen sie immer noch viel größere Schwierigkeiten haben, angemessene Jobs zu finden, als Männer."

Und vielleicht ist sie auch ein Vorbild

Die Astronautin mit den langen dunklen Haaren wurde am 2. Juni 1978 in Gwangju geboren. Ihren Bachelor- und Master-Abschluss erwarb sie an der KAIST. Die Promotionsurkunde mit Datum vom 29. Februar 2008 konnte sie noch gar nicht selber entgegennehmen - das Training ging vor. Mit ihrem Flug - voraussichtlicher Start am 8. April - reiht sie ihr Land als Nummer 35 in die Riege der Raumfahrer-Nationen ein. Und vielleicht ist sie auch ein Vorbild für künftige europäische Astronautinnen - in diesem Jahr soll eine neue Bewerbungsrunde ausgeschrieben werden. (NRZ)

ROLF-MICHAEL SIMON

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