Die Kameltreiber
19.06.2009 | 18:31 Uhr 2009-06-19T18:31:00+0200
Karin Jahnke und Johannes Wenten finden: Trampeltiere sind reif fürs Museum. Aber nur für eins, das weiterziehen kann
Kleve. Am Anfang war Raoul. Ein Blick in seine großen dunklen, lang bewimperten Augen, und um Karin Jahnke war es geschehen: „Das war Liebe auf den ersten Blick”, lacht sie – trotz seines derzeit etwas schütteren Haupthaares. Damals ahnte sie noch nicht, welchen Rattenschwanz ihre zärtlichen Gefühle für ein junges Trampeltier nach sich ziehen würden. Dabei fing alles ganz harmlos mit dem Kauf eines niedlichen Kamel-Stofftiers im Secondhand-Laden an. Dann kam das zweite, das dritte...
Fakt ist: Im Moment dreht sich im Leben der Frau Jahnke vielleicht nicht alles, aber fast alles um Kamele. Wenn sie Pakete bekommt und öffnet, sind Kamele drin. Also keine lebendigen, sondern Stofftiere oder Bilderbücher. Wenn sie Post bekommt, sind es Karten mit, na klar, Kamelen. Wenn sie im Internet etwas ersteigern will, sind das Kamele aller Art und Form, von Schlüsselanhängern bis Sandkastenförmchen. Wenn sie Plätzchen backt, kommen Kamele dabei raus. Wenn sie mit Kindern malt, sind das Kamele. Drückt sie etwas ihren Stempel auf, ist ein Kamel darauf. Und sie will mehr. Noch mehr Kamele.
Wie gut, dass ihr Geschäftspartner Johannes Wenten nicht eifersüchtig ist – im Gegenteil, auch ihn hat das Kamelfieber gepackt. Und dass die beiden derzeit gern „Kameltreiber” genannt werden, tragen sie nicht nur mit Fassung, sondern mit Stolz.
Das Ziel: ein Kamelmuseum. Mit Büchern, Texten, Videos, Spielsachen, und und und, Hauptsache Kamel. Und weil Kamele Tiere der Nomaden sind, muss das ganze natürlich mobil sein. Die Karawane zieht weiter. Die Suche nach einem günstigen Bauwagen, mit dem Karin Jahnke und ihr Kollege Schulen und Kindergärten anfahren können, ist noch nicht erfolgreich gewesen. Aber wenn sie einen haben, wissen sie auch, dass eine Markise dran soll und Stühle davor stehen: „Damit die Mütter draußen gemütlich Kaffee trinken können.”
Überhaupt haben die beiden, die beruflich das KJW-Team bilden und u.a. Kindergeburtstage ausrichten, jede Menge Ideen. Kamelreiten ohne Kamel bringt Kinder fröhlich auf Trab, finden der Erzieher und die Übungsleiterin für Breitensport, Laubsägearbeiten sind hübsch, Airbrush-Tattoos mit Kamel auch.
Und es gibt ja soviel Wissenswertes über die Schwielensohler. Zum Beispiel, dass sie 135 Liter Wasser in kurzer Zeit trinken können. Was man alles aus Kamelhaar herstellen kann. Stoff genug für eine ganze Projektwoche, finden Jahnke und Wenten. Stoff genug für ein Museum. Stofftiere genug noch nicht. Und Sponsoren, die sie bei der Gründung des rollenden Museums unterstützen, auch noch nicht.
Ein Traum wäre, ein echtes Kamel mit auf Tour nehmen zu können. Aber da ist die Liebe zwischen Raoul und Karin ein bisschen einseitig. Obwohl sie und Wenten die nicht ganz billige Patenschaftschaft für das Trampeltier übernommen haben – der dreijährige Hengst aus dem Klever Tiergarten ist da ein bisschen bockig. Und wenn 500 Kilo (das ist erst die Hälfte des Gewichts eines ausgewachsenen Kamels) bocken, wird es gefährlich.
Wer mehr über das entstehende Kamelmuseum wissen will: www.kamelmuseum.info oder 0 28 21/73 89 866. Im Netz sind auch diverse Gewinnspiele und Ausschreibungen aufgelistet, u.a. ein Ideenwettbewerb „Was sollte sonst noch ins Kamelmuseum?” Wer Raoul kennenlernen möchte: am Sonntag, 28. Juni, ist von 10 bis 17 Uhr Schafschurfest im Klever Tiergarten. Dann sind auch Karin Jahnke und Johannes Wenten als KJW-Team und künftige Museumsleiter vor Ort, direkt am Kamelgehege, um Kinder zu bespaßen.
Das weiß der Leiter des Klever Tiergartens, Dietmar Cornelissen genau, und holt zum Foto-Shooting im Gehege sicherheitshalber noch einen Pfleger herbei. Es hat an Raoul nicht gelegen. Sein Kumpel Fuzzi hat dem Hausbesuch flott ein Ende gemacht. Seither wissen wir: ein Kamel kann zu allen Seiten austreten. Und Fuzzis Papa ist nicht ohne Grund im Zoo Münster hinter zwei Gittern sicher untergebracht.
Wir hätten Bananen mitbringen sollen. Die mögen die ausgesprochen neugierigen Tiere mit den zwei Höckern auf dem Rücken sehr. Vielleicht hätte Raoul uns dann auch schöne Augen gemacht.
0mitdiskutieren