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Die Dänen radeln allen davon

15.05.2009 | 10:08 Uhr

Brüssel. Die Dänen sind Europameister im Radfahren. Sie legen im Schnitt 936 Kilometer pro Jahr auf dem Rad zurück. Die Deutschen kommen dagegen gerade einmal auf 291 Kilometer. Europas Radler-Lobby wirbt auf der Konferenz „Velo City 2009“ für mehr Investitionen in Radwege und Mieträder.

Macht's den Deutschen vor: Radfahrer und Rebell Wolfgang Clement. Foto: ddp

Wenn’s ums Radfahren geht, ist Dänemark Europameister. Rein statistisch legt jeder Däne 936 Kilometer im Jahr mit dem Rad zurück, und seine Hauptstadt Kopenhagen zählt mit einem Radleranteil von über 30 Prozent am Nahverkehr zu den fahrradfreundlichsten Hauptstädten des Kontinents. Die Fahrradkonferenz „Velo-City 2009“ in Brüssel wirbt diese Woche für eine Renaissance des Zweirads in Europa – ganz nach dem Vorbild Dänemarks.

Zwar beflügeln gesalzene Spritpreise und ein wachsendes Umweltbewusstsein den Umstieg aufs Velo. Trotzdem fällt das krasse Nord-Süd-Gefälle in Europa auf: Die Schlusslichter Spanien und Portugal schaffen im Jahr gerade einmal 20 bzw. 29 Kilometer. Selbst die führende Radsport-Nation Frankreich, immerhin Ausrichterin des größten Radspektakels der Welt, der „Tour de France“, radelt der Spitzengruppe mit 75 Kilometern weit hinterher. Dieser gehören die Niederlande an, mit 846 km schärfster Rivale der Dänen, gefolgt von Belgien (322 km), Deutschland (291 km) und Schweden (271 km).

Fahrrad-Paradies Münster

Allein mit geografischen Vorteilen - plattes Land - lässt sich die westeuropäisch-skandinavische Fahrrad-Dominanz nicht erklären. In erster Linie ist der Fahrrad-Boom wohl eine Frage des Geldes. „Europas Städte müssen mehr in eine fahrradfreundliche Infrastruktur investieren“, verlangt Manfred Neun, der Präsident der Europäischen Radler-Vereinigung ECF.

In Städten wie Kopenhagen, Amsterdam, Enschede, Groningen und Münster herrschen paradiesische Zustände. Sie alle gehören dem noblen „30-plus“-Klub an - der Radler-Anteil am gesamten Nahverkehr liegt über 30 Prozent. So findet der Radler hier alles, was fahrradfreundliche Städte auszeichnet: weitgehend barrierefreie Radwegenetze, Fahrradstationen, Fahrradparkhäuser sowie ein attraktives Angebot an „Öffentlichen Fahrrädern“. Kopenhagen, Ausrichter der Welt-Klimakonferenz, peilt für 2015 bereits die 50-Prozent-Marke an.

Mit dem tristen Brüsseler Radler-Alltag werden die über 1000 Fahrrad-Lobbyisten der „Velo-City 2009“ am Konferenzort konfrontiert. „Brüssel muss noch viel tun“, räumt denn auch Verkehrsminister Pascal Smet ein und fügt entschuldigend hinzu: „Wir kommen buchstäblich aus dem Nichts.“ In Zahlen: Ein Prozent Radleranteil 2004, heute knapp unter fünf Prozent. Aufgrund des löchrigen Radwegenetzes und des ruppigen Stils der Autofahrer ist das Radeln in der EU-Metropole ein riskantes Abenteuer.

Charta von Brüssel

Trotz dieser widrigen Umstände setzt etwa die EU-Kommission, einer der größten Arbeitgeber der belgischen Hauptstadt, zunehmend aufs Velo. Mittlerweile verfügt die EU-Behörde im Europaviertel über doppelt so viele Fahrräder wie Dienstautos „Der unsägliche Versuch, das Fahrrad als unsicher darzustellen, ist gescheitert“, sagt Radler-Präsident Manfred Neun. Sobald Radler einen Anteil von 15 bis 20 Prozent erreichten, schlage die Situation automatisch um. „Je mehr Radfahrer im öffentlichen Raum, desto besser das soziale Klima der Stadt.“

Acht europäische Städte, darunter Kopenhagen, München, Edinburgh, Varna, Budapest und Sevilla werden auf der Fahrrad-Konferenz (12. bis 15. Mai, http://www.velo-city2009.com/) die „Charta von Brüssel“ unterzeichnen, ein Appell für die fahrradfreundliche Stadt. Neben den EU-Kommissaren Siim Kallas (Personal) und Antonia Tajani (Verkehr) engagiert sich auch der Bürgermeister von Bordeaux, der frühere französische Premier Alain Juppé, für die Sache der Radler.

Gerd Niewerth



Kommentare
15.05.2009
20:05
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15.05.2009
20:03
Die Dänen radeln allen davon
von beobachtender | #7

#6 von JW
spricht mir aus der Seele. Radfahrer haben in den meisten Städten keine Lobby..Auch wenn Radwege zugeparkt sind intressiert das die Polizei überhaupt nicht. Sie meint sie hätte mit den ruhenden Verkehr nichts zu tun, dafür wäre das Ordnungsamt zuständig. Nur wer ist denn dann zuständig wenn das Ordnungsamt geschlossen hat in den spähten Abendstunden und am Wochenende?
Was ist wenn ich die Telefonnummer nicht vom Ordnungsamt nicht kenne?
Also werde ich alleine gelassen und der Ignorant freut sich.

15.05.2009
10:32
Die Dänen radeln allen davon
von JW | #6

Dass in der BRD deutlich weniger Fahrrad gefahren wird als in Dänemark oder den Niederlanden mag mit der Wahrnehmung von Radfahrern als eher gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer, und nicht, wie in der BRD, als Hinderniss, Ärgerniss oder rechtloses und beinahe jagdbare Verkehrswild.
Ich fahre ganzjährig und beinahe ausschließlich Rad und entgehe täglich mehrfach Attentatsversuchen durch Autofahrer. Radwege sind in vielen Fällen entweder in erbärmlichem Zustand, mit Splittern übersät oder zugeparkt.
Wenn Radwege benutzt werden ist, Studien haben dies belegt, steigt die Gefährdung der Radfahrer durch den Autoverkehr (Beifahrertüren werden achtlos geöffnet, an Querstraßen werden Radwege übersehen usw.).
Münster ist eine der seltenen Ausnahmen.

14.05.2009
22:31
Die Dänen radeln allen davon
von beobachtender | #5

Danmark kann man wirklich gratulieren zu seinen Radwegenetz.
Ich wasr schon zwei mal dort mit meinem Fahrrad, und kann es jedem empfehlen.

14.05.2009
21:17
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14.05.2009
21:04
Die Dänen radeln allen davon
von wade | #3

Nun da hat aber einer die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Ich bring es auf mindestens 25.000 Kilometer im Jahr und hebe damit sicherlich den Schnitt der Bundesbürger ;-)

14.05.2009
16:28
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15.01.2009
20:05
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