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Pferdefleisch-Skandal

CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige

22.02.2013 | 08:10 Uhr
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
Der Pferdefleisch-Skandal hat fast zwei Drittel der EU-Staaten erreicht.Foto: dapd

Brüssel/Berlin.  Der Pferdefleisch-Skandal hat fast zwei Drittel der EU-Staaten erreicht. Der Bundestagsabgeordnete Hartwig Fischer hat vorgeschlagen, aus dem Verkauf genommene Produkte wie Lasagne Hilfsorganisationen zugute kommen zu lassen. Für den Vorschlag wird der CDU-Entwicklungspolitiker heftig kritisiert.

Der Pferdefleisch-Skandal hat fast zwei Drittel der EU-Staaten erreicht. 17 von 27 Mitgliedsländern haben inzwischen Verdachtsfälle von als Rind deklariertem Pferdefleisch nach Brüssel gemeldet. Der CDU-Entwicklungspolitikers Hartwig Fischer schlug vor, aus dem Verkauf genommene Produkte wie etwa Lasagne oder Gulasch nicht zu vernichten. Sie sollten stattdessen an Hilfsorganisationen wie die Tafeln gehen. Die Tafel reagierten zurückhaltend.

Eine Sprecherin des Bundesverbands Deutsche Tafel sagte zum Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Fischer, die Frage einer Verteilung stelle sich nicht. Es gebe eine Verunsicherung, die Tafeln würden solche Waren daher nicht annehmen , wenn es bei den Nutzern keine Nachfrage gebe.

Vorschlag "respektlos gegenüber Bedürftigen"

Auch Matthias Kopp, Sprecher der deutschen Bischofskonferenz, kritisierte den Vorschlag scharf: "Es ist respektlos gegenüber Bedürftigen. Qualitative Mindeststandards muss jeder Bedürftige erhalten. Wer so etwas vorschlägt, kann nur Kopfschütteln auslösen."

Auch Christian Bakemeier, Geschäftsführer der Konferenz für Kirchliche Bahnhofsmission, war von Fischers Idee weniger begeistert: "Es ist "bedürftigen" Menschen nicht zuzumuten, sich von nicht mehr verkäuflichen Lebensmitteln zu ernähren." Dass immer mehr Menschen darauf angewiesen seien, sich von gespendeten Lebensmitteln zu ernähren, solle die Politik lieber zum Anlass nehmen, über die Lösung der Armutsprobleme in Deutschland nachzudenken.

Pferdefleisch-Skandal
Was Sie jetzt zum Pferdefleisch-Skandal wissen müssen

Der Pferdefleisch-Skandal wird immer undurchsichtiger. Und viele Verbraucher sind verunsichert. Warum sollte man die Produkte mit Pferdefleisch nicht essen? Welche Gerichte sind verdächtig? Und wo kommt das Fleisch eigentlich her? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Die Bundesregierung will sich derweil für erweiterte Kennzeichnungen bei Fleischfertigprodukten einsetzen. Bisher musste nur bei rohem Rindfleisch vermerkt sein, aus welchem Land es stammt, aber nicht bei Fertigprodukten mit Fleisch. Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) will dies nun ändern. Sie sagte der "Passauer Neuen Presse" (Freitag): "Deutschland und Frankreich sind sich einig: Wir wollen eine Herkunftskennzeichnung - und zwar so bald wie möglich und verpflichtend für alle 27 Staaten der EU." Darüber solle am Montag im Agrarministerrat beraten werden.

Vorermittlungen gegen Rostocker Produzenten aufgenommen

Im Zusammenhang mit dem Skandal nahm die Staatsanwaltschaft Rostock Vorermittlungen gegen einen Produzenten aus dem Landkreis Rostock auf. Geprüft werde, ob ein Anfangsverdacht für eine Straftat vorliegen könnte, sagte ein Sprecher. Noch gebe es aber keinen Anfangsverdacht, keine Beschuldigten und keine Geschädigten. Auch bei der Staatsanwaltschaft Oldenburg (Niedersachsen) laufen Ermittlungen.

In den vergangenen Tagen sind in Europa immer mehr Produkte mit nicht deklarierten Pferdefleisch-Anteilen entdeckt worden. Geschäfte nahmen Gerichte aus den Regalen, Behörden verschärften Kontrollen. In Rumänien wurden mehr als 700 Kilogramm falsch etikettiertes Fleisch im Lagerraum eines Großhändlers gefunden, wie die rumänische Nachrichtenagentur Mediafax berichtete.

Pferdefleisch-Skandal
Pferdefleisch-Skandal - diese Produkte wurden zurückgerufen

Allein 144 Tonnen Pferdefleisch sollen in Luxemburg in 360.000 Fertiggerichten für den deutschen Markt untergerührt worden sein. Dazu kommen 750 Tonnen, die in Frankreich zu Rind „veredelt“ worden sein sollen. Täglich werden neue Rückrufe von kontaminierten Lebensmitteln gemeldet: Eine Chronik.

Bis Donnerstag wurden sechs Fälle von vermutetem Betrug an das europäische Warnsystem RASFF mitgeteilt - aus Deutschland, Irland, Großbritannien und Österreich. Die falsch ausgezeichneten Produkten waren Nudelgerichte, Gulasch, Burger und Gefrierfleisch.

17 der 27 EU-Länder betroffen

17 der 27 EU-Länder erhielten Lieferungen mit möglicherweise falsch deklariertem Pferdefleisch: Deutschland, Irland, Österreich, Dänemark, Finnland, Frankreich, Ungarn, Italien, die Niederlande, Spanien, Großbritannien, Zypern, Bulgarien, Tschechien, Griechenland, Portugal und Schweden. Auch in die Nicht-EU-Länder Schweiz, Norwegen und Hongkong gingen Lieferungen. Die Ware kam nach Angaben der meldenden Behörden aus Frankreich, Deutschland, den Niederlanden, Belgien, Polen, Irland, Luxemburg, Rumänien und Zypern.

17 der 27 EU-Länder sind vom Pferdefleisch-Skandal betroffen.Foto: dapd

Allerdings müssen die Staaten nicht verpflichtend alle Fälle von vermutetem Pferdefleisch-Etikettenschwindel melden, weil möglicher Betrug keine Frage der Lebensmittelsicherheit ist. Die EU-Kommission bittet in der aktuellen Affäre dennoch um solche Meldungen. EU-Diplomaten halten die Angaben für weitreichend.

Auch Pferdefleisch, das das Medikament Phenylbutazon enthält, haben die Behörden der EU-Länder beim RASFF-System angezeigt. Das entzündungshemmende Mittel darf nicht in Fleisch für den menschlichen Konsum enthalten sein. Phenylbutazon fand sich in Fleisch aus Großbritannien und gelangte nach Frankreich und in die Niederlande.

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    Seite 2: Nach Pferd auch Schwein in Nudelgericht mit Rindfleisch

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Kommentare
23.02.2013
01:18
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Throki | #44

Man sollte die Lasagne in der Bundestagskantine anbieten. "Die Bedürftigen" kriegen dafür das Essen, was in der Zeit normalerweise dort angeboten worden wäre.
So schlecht kann es ja nicht sein, wenn der Herr Bundestagsabgeordnete das noch verteilen möchte. Da kann er es auch gleich selbst essen.

22.02.2013
23:33
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von fogfog | #43

ich fordere hirn für politiker. und der typ müsste das ganze zeugs alleine auf einer insel aufessen.

22.02.2013
21:44
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Idoido16 | #42

Ich kann nur mit dem Kopf schütteln. Alle Medien und viele Politiker tun ja gerade so, als sei Pferdefleisch giftig oder minderwertig. Natürlich sollte auf Fertigpackungen das drin sein, was draufsteht. Aber wenn hier so ein Kirchenfürst von minderwertigen Produkten spricht, zeigt er nur, dass er keine Ahnung hat. Hätten die Produzenten auf ihre Verpackungen geschrieben "Lassagne mit Pferdefleisch, eine Delikatesse" ich denke mal, dass wäre ein Renner geworden. Ich persönlich bedauere es sehr, dass bei uns so gut wie keine Pferdemetzger mehr zu finden sind, denn Pferdefleisch ist eine Delikatesse. Ich würde gerne so ein paar Packungen, die aus dem Regal genomen wurden, geschenkt bekommen.

1 Antwort
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Karl-Napp | #42-1

Guten Appetit. Dann können Sie ja die nächste Zeit nicht mehr krank werden und auch kein Rheuma bekommen, denn alles essen Sie dann mit dem Gammelpferdefleisch mit. Vielleicht auch noch ein paar Maden, weil die Pferdekadaver schon einige Zeit zur Entsorgung in der Ecke lagen.

22.02.2013
14:43
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von zool | #41

Geben wir doch einfach jedem HartzIV Empfänger 10 ****. Lasagne. Dann berechnen wir seinen Geldwerten Vorteil mit 10 x 2,99€. Diese ziehen wir ihm dann bei der nächsten Zahlung ab. Und wenn er das nicht mag, kein Problem, dann kann er es ja verkaufen. Den anzunehmenden Gewinn (2,99€/****.) ziehen wir ihm dann natürlich im Folgemonat vom ALG2 ab.
Ich sollte Minister werden.

22.02.2013
12:55
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Karl-Napp | #40

Die waren werden aus den Läden entfernt, weil dort irgendwelche Medikamente im untergemischten Pferdefleisch festgestellt wurden. Aber jetzt sollen die Bedürftigen dieses verspeisen?? Sind das Menschen 2. klasse, wo es egal ist, was sie zu essen bekommen?

22.02.2013
12:34
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von nulpe2 | #39

hätte sich herr fischer am mittwoch den bericht bei...stern tv....angesehen käme er nicht auf solche ideen

pferde aus rumänien....kein chip. über die herkunft...krank....und dann ab ins essen.....

22.02.2013
12:25
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Wickederin | #38

Das ganze würde schon an der Aufbewahrung scheitern. Sollen sich jetzt die Tafeln große Gefrierschränke kaufen in denen die Lasagne aufbewahrt wird.

Oder sollen jetzt die Bedürftigen Lasagne essen die schon 2 Tage ungekühlt gelagert ist.

Und selbst wenn der Handel die Ware preiswerter anbieten würde, würde sie kaum jemand kaufen. Schon alleine weil der Eindruck entsteht das die reduzierte Ware nicht mehr in Ordnung ist. Die Aufbewahrung würde im Endeffekt mehr an Strom kosten als die Ware selbst..
Und sollen jetzt die "Armen" für die kriminelle Energie einiger Leute her halten.

Und zuletzt, niemand weiß wo das Fleisch herkommt und wie alt es ist. Im TV meine ein Fachmann das es vielleicht schon Jahre in einem Kühlhaus gefroren gelagert hat.

22.02.2013
12:02
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von hiram | #37

Richtig und Falsch -
Richtig - wenn das Fleisch gesundheitlich nicht schädigend ist, sollte es auch verzehrt und nicht etwa vernichtet werden, weil die Tiere ansonsten umsonst getötet wurden.
Falsch - es sollte dann aber nicht an Bedürftige gegeben werden somdern zu einem reduziertem Preis in den Märkten allen angeboten werden. Alles andere wäre unwürdig. allerdings dann nicht verkaufte Ware kann aus dem Handel gerne an die tafeln weitergegeben werden.

22.02.2013
11:49
Sehr geehrter Herr Hartwig Fischer,
von Ismet | #36

wie wärs wenn Sie sich an Ihren Eid erinnern und jeden Schaden vom Volke abwenden. In dem Sie endlich anfangen die Probleme in einem der reichsten Länder Erde angehen und die Gründe für die Notwendigkeit der Tafeln abschaffen. Sie Ihrer Verantwortung so gerecht werden, das viele Dinge die "Gefordert" werden auch mal umgesetzt werden. Wollen Sie dem Nachkommen? Oder sind andere da, die Sie daran hindern in Ihnen ein Gewissen wachsen zu lassen? Wenn ja, dann sagen Sie das und geben Ihr Mandat an einen anderen ab, der gewillt ist hier etwas zutun.
Ich denke dieser Appel wird wohl an Ihrem Allerwertesten vorbei gehen, da es den Anschein hat, das der Wähler für Sie ein notwendiges Übel ist, das man alle 4 oder 5 Jahre beschwatzen muss damit dieser Sie Wählt.

Sie sind dran uns davon zu überzeugen das Taten folgen und nicht leere Worthülsen.

Vielen Dank.

1 Antwort
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von blaube | #36-1

Danke!

22.02.2013
11:48
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Ex-Leser | #35

Was soll den das Gelaber hier, von wegen im Mittelalter haben die Armen schon die Reste von den Reichen auf der Straße eingesammelt ?

Ich glaube nicht, daß einer der hohen Herren ne Lasagne für 1,35 verzehrt.

Aber mal davon abgesehen, wenn das Fleisch ansosnten OK ist und nicht durch Medikamenten-Reste verunreinigt ist, warum soll man die Lebensmittel nicht spenden.

Was ist ethisch bedenklicher, daß dem "armen Pöbel" von der Qualität einwandfreie, jedoch ursprünglich falsch deklarierte Lebensmittel gespendet werden ?

Oder daß einwandfreie Lebensmittel in unserer Überflußgesellschaft vernichtet werden sollen, weil wir Ponnys niedlicher finden als Kühe ?

1 Antwort
CDU-Politiker fordert Weitergabe von Pferdefleisch-Lasagne an Bedürftige
von Throki | #35-1

Jeden Tag werden tausende Tonnen Essen in Deutschland vernichtet. In den Supermärkten, weil es optisch nicht mehr 100%ig einwandfrei oder das MHD überschritten ist. In den Bäckereien, weil die bis zum Abend volle Regale haben müssen. Auf den Feldern, weil es den Qualitätsansprücken des Handels nicht genügt. Und und und.

Dagegen müssen wir etwas unternehmen - die paar Lasagnen mit Pferdefleisch sind ein Witz dagegen!

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