Das aktuelle Wetter NRW 4°C
Schuldspruch

Ägyptens Justiz verhängt 21 Todesurteile wegen Fußballkrawallen

26.01.2013 | 12:09 Uhr
Ägyptens Justiz verhängt 21 Todesurteile wegen Fußballkrawallen
Bei den Fußballkrawallen in Port Said kamen im Februar 2012 74 Menschen ums Leben.Foto: dpa

Kairo.  Mit dem Todesurteil für 21 Angeklagte ist in Kairo der Prozess wegen der Stadion-Katastrophe in Port Said von 2012 zu Ende gegangen. Das Gericht sah bei seinem drakonischen Schuldspruch als erwiesen an, dass die Verurteilten für die Tragödie mit 74 Todesopfern beim Fußball-Spiel zwischen Al-Masry und Al-Ahly am 1. Februar vorigen Jahres verantwortlich gewesen sind.

Ägyptens Justiz hat im Prozess wegen der tödlichen Fußballkrawalle von Port Said im vergangenen Februar 21 Angeklagte zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde am Samstag im Gericht in Kairo von den Familien der 74 Todesopfer mit Jubelrufen begrüßt. In der Hafenstadt Port Said dagegen versuchten Angehörige der Verurteilten, das Gefängnis zu stürmen, dabei wurden nach Angaben von Sicherheitsvertretern zwei Polizisten erschossen.

Bei den Zusammenstößen in Port Said seien zwei Polizisten durch Schüsse getötet worden, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP.

Mehr als 50 Menschen seien bei den Zusammenstößen in den Straßen rund um das Gefängnis verletzt worden. Augenzeugen berichteten, Unbekannte hätten auf die Polizei geschossen. Diese sei daraufhin mit gepanzerten Fahrzeugen vorgefahren und habe Tränengas eingesetzt.

Insgesamt waren im Zusammenhang mit den Krawallen nach dem Spiel zwischen dem Kairoer Club Al-Ahli und Al-Masri aus Port Said mehr als 70 Menschen wegen vorsätzlichen Mordes und illegalen Tragens von Waffen angeklagt, darunter auch neun Polizisten. Die Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen während eines Fußballsspiels überhaupt. Die Urteile gegen die anderen Angeklagten sollen am 9. März gefällt werden.

Nach den Krawallen im Fußballstadion von Port Said war den Sicherheitskräften vorgeworfen worden, sie hätten die Täter bewusst gewähren lassen, um die Anhänger des Kairoer Clubs Al-Ahli zu bestrafen. Diese hatten während der Proteste gegen Mubarak eine wichtige Rolle gespielt. Vor dem Urteil am Samstag hatten die Ultras von Al-Ahli gedroht, "Chaos" in Kairo zu verbreiten, sollten die Täter nicht bestraft werden.

Das Urteil am Samstag war mit Spannung erwartet worden. Es fiel inmitten einer ohnehin extrem angespannten Situation einen Tag nach dem zweiten Jahrestag des Beginns des Volksaufstands gegen den langjährigen Präsidenten Husni Mubarak. Am Freitag hatte es deshalb in Kairo, Alexandria und Port Said teils gewaltsame Proteste gegeben, mindestens sieben Menschen wurden getötet.(afp/sid)



Kommentare
26.01.2013
15:41
Ägyptens Justiz verhängt 21 Todesurteile wegen Fußballkrawallen
von HerrderFliegen | #2

74 (!) Tote durch Krawalle nach einem Fussballspiel und nun 21 Todesurteile für die abgeurteilten Täter und Verantwortlichen und nun erneut etliche Tote bei Protesten dagegen - das sind Dimensionen, die sich deutsche ************ nicht vorstellen können.

Man kann feststellen, das die vom Westen massiv unterstützte "Demokratisierung" Ägyptens offenbar als voller "Erfolg" gewertet werden kann - oder?

26.01.2013
15:10
Ägyptens Justiz verhängt 21 Todesurteile wegen Fußballkrawallen
von Marion69 | #1

Solange in Ägypten religiöse Kräfte am Werk sind wird sich nichts, gar nichts ändern. Das gillt übrigens für alle islamischen Staaten. Politik und Religion gehört getrennt. Leider schwierig dort wo der Islam herrscht.

Aus dem Ressort
Medien: Studentin nach Prügelattacke für hirntot erklärt
Kriminalität
Gut elf Tage nachdem eine junge Türkin in Offenbach bei einer Prügelattacke lebensgefährlich verletzt wurde, ist die Frau von Ärzten nun für hirntot erklärt worden. Das jedenfalls wird in örtlichen Medien berichtet. Der mutmaßliche Täter sitzt in Untersuchungshaft.
Stuttgart 21 - Prozess um Wasserwerfer-Einsatz eingestellt
Bahnhof
Mehrere zum Teil schwer Verletzte und kein Urteil: Gut vier Jahre nach dem harten Wasserwerfereinsatz gegen Stuttgart-21-Demonstranten ist der Prozess gegen zwei Polizisten eingestellt worden. Die Gegner des Bahnprojekts sprechen von einem "Justizskandal".
Kino-Spots von Hanf-Lobbyisten werben für legales Kiffen
Hanf
Der Deutsche Hanfverband will im Kino zeigen, welche Nachteile ein Verbot der Droge angeblich hat. Möglich wurden die Werbe-Spots, weil Hanfverbands-Chef Wurth in einer TV-Show eine Million Euro gewann. Bei der "Millionärswahl" versprach er, das Geld für die Cannabis-Legalisierung einzusetzen.
Bizarrer Auftritt von AC/DC-Schlagzeuger vor Gericht
Drogen-Prozess
AC/DC-Schlagzeuger Phil Rudd hat einen Gerichtstermin zum Spektakel gemacht: Unrasiert und ungekämmt erschien er nach Androhung eines Haftbefehls. Rudd erzürnte den Richter, irritierte Reporter und baute fast einen Unfall. Dabei waren größere Anklagepunkte gerade wieder fallengelassen worden.
Jeder dritte Jurastudent würde die Todesstrafe einführen
Todesstrafe
Junge Jurastudenten am Anfang ihrer Ausbildung würden die Todesstrafe wieder einführen. Laut einer Studie wächst bei ihnen insgesamt der Wunsch nach höheren Strafen. Auch bei den Ermittlungsmethoden können sich die angehenden Juristen vorstellen, zu drastischen Maßnahmen zu greifen.
Umfrage
Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?

Die Große Koalition hat sich auf die Einführung einer gesetzlichen Frauenquote geeinigt. Was halten Sie von der Maßnahme?