Zweite Chance für das papierlose Buch
15.10.2008 | 14:36 Uhr 2008-10-15T14:36:00+0200E-Book-Reader sind im Kommen. Auf der Frankfurter Buchmesse stellte Sony sein Lesegerät vor.
Essen. E-Book-Reader fristeteten in den vergangenen Jahren ein tristes Dasein als Ladenhüter. Neue Geräte wie Amazons Kindle könnten das ändern: In den USA hat Kindle, der Reader des großen Online-Händlers Amazon, für neuen Schwung gesorgt und seit seiner Einführung im November 2007 einen bemerkenswerten Achtungserfolg verbucht. Amazon schweigt sich über die Verkaufszahlen zwar aus, Branchenexperten schätzen aber 200 000, vielleicht sogar 500 000 verkaufte Reader – auf jeden Fall eine Zahl im sechsstelligen Bereich. Spekulationen, dass Amazon den Kindle Mitte Oktober auf der Frankfurter Buchmesse vorstellen wird, will das Unternehmen auf Anfrage nicht bestätigen. Man wolle das elektronische Buch auch in anderen Ländern zur Verfügung stellen. Wann und Wo – das lässt man offen.
Der japanische Konzern Sony ist auskunftsfreudiger. Details zum Sony-Reader PRS-505, der bislang europaweit nur in Großbritannien auf dem Markt ist, werden auf der Frankfurter Buchmesse veröffentlicht. Sicher ist: 2009 soll der Sony-Reader Deutschland-Premiere feiern. Noch kaum Bestseller auf dem Markt Dass elektronische Lesegeräte in Zukunft in Deutschland eine Rolle spielen, darüber sind sich die Fachleute einig. Nur wie groß die sein wird, ist unklar. Pascal Zimmer, Geschäftsführer des Online-Buchhändlers Libri.de, warnt im Börsenblatt des deutschen Buchhandels vor Prognosen, die von einem Marktanteil im zweistelligen Prozentbereich ausgehen: „Die Zeit ist reif für das E-Book. Doch keiner weiß, wie groß der Markt sein wird.” Die derzeitigen E-Book-Reader überzeugen in Sachen Lesekomfort. Die E-Ink-Technik (Ink, zu Deutsch: Tinte) sorgt für gut lesbare Buchstaben und ein flimmer- und streifenfreies Bild.
Schwergewichte vermiesen den Lesespaß. Das weiß jeder, der mal einem 1000-seitigen Schmöker in der Hand hatte. Der Iliad von iRex wiegt knapp 400, das Cybook Gen 3 von Bookeen 180 Gramm. Der Sony-Reader wiegt 260, Kindle um die 290 Gramm. Zum Vergleich: Ein gebundenes, 430 Seiten starkes Buch schlägt mit um die 660 Gramm zu Buche.
Eine überzeugende Hardware alleine reicht jedoch nicht. Anders als in den USA stehe die deutsche Buchbranche noch am Anfang, was technische Voraussetzungen und Geschäftsmodelle betreffe, sagt Michael Roesler-Graichen vom Börsenblatt des deutschen Buchhandels. Soll heißen: In den USA vertreibt Amazon bereits auch die Bestseller für den Kindle, in Deutschland herrscht dahingehend Ödnis. Immerhin: Droemer Knaur reagiert und will ab Herbst alle Neuheiten auch in der digitalen Version fürs E-Book anbieten. Laut Branchenexperten arbeiten auch andere deutsche Verlage an ähnlichen Konzepten. Wer nicht auf der Jagd nach dem Erfolgsroman oder populären Sachbuch ist, hat bessere Chancen. Science-Fiktion, Horror und viele wissenschaftliche Veröffentlichungen sind hierzulande E-Book-kompatibel. Der Online-E-Book-Verkäufer Ciando.de bietet sogar Autoren direkt an, ihr Werk als E-Book anzubieten – ohne den Umweg über einen Verlag.
Ein ausreichend attraktives Angebot an Lesefutter ist entscheidend für den Erfolg der E-Books – ebenso wie der Preis. Inhalte müssen noch entwickelt werden Amazon hat den Preis für den Kindle in den USA von 399 auf 359 Dollar (250 Euro) gesenkt. Der Sony-Reader kostet in Großbritannien rund 250 Euro. Das Cybook Gen 3 ist für 350 Euro und der iLiad ab 499 Euro zu haben. Ob das preiswert genug für den Massenmarkt ist, darf bezweifelt werden. Michael Roesler-Graichen schätzt, dass die Reader weniger als 200 Euro kosten müssten, um in großen Stückzahlen verkauft zu werden. Eine Herausforderung besteht darin, Inhalte zu entwikkeln, die die Möglichkeiten eines E-Books ausschöpfen. So wie das Internet mit seinen Links und seiner verzweigten Navigation der Präsentation einer Enzyklopädie – Stichwort: Wikipedia – eher entgegenkommt als das klassische Buch, so mögen E-Books die Chance bieten, Geschichten auf eine andere, bisher unbekannte Art zu erzählen.
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