Zu viele Fragen, zu wenig Antworten
05.11.2009 | 19:23 Uhr 2009-11-05T19:23:00+0100
Die Opelaner in Bochum empfangen die NRW-Spitzenpolitiker verhalten und mit wenig Zuversicht
Bochum. Das Wetter passt zur Stimmung: Über dem Opelwerk in Bochum hängen schwarzdunkle Wolken. Trotzdem harren fünf Mitglieder der Jusos tapfer mit ihren Fahnen im Regen aus. „Mit unserer Anwesenheit wollen wir unsere Solidarität mit den Opelanern ausdrücken”, sagt Svenja Ludwig, Vorsitzende der Jusos in Bochum. Direkt daneben vor dem Tor hat sich noch eine kleine Schar Sympathisanten mit „Rettet Opel”-Plakaten eingefunden, um für den Erhalt des Standorts zu protestieren. Von einer Demo hatten sie gehört, jetzt müssen sie erkennen, dass die Veranstaltung eine geschlossene ist und im Saale stattfindet.
Die Opelaner, die nicht direkt vom Band zur Kundgebung gehen, sondern von zu Hause kommen und am Journalistenspalier vorbei müssen, sind nicht nur wortkarg, sie bleiben stumm. Zu viele Fragen in den letzten Wochen, zu wenige Antworten. Und viel Hoffnung, dass sich das an diesem Nachmittag ändert, gibt es nicht. Endlich ist einer gnädig, bleibt kurz stehen und spricht: „Diese Veranstaltung gibt es ja nur, damit alle ihr Gesicht wahren können.”
Lederjacke und Krawatte
Die Leute, die er damit meint, fahren jetzt in kurzen Abständen vor dem Tor vor. Zunächst der Landesvater. Jürgen Rüttgers trägt eine saloppe schwarze Lederjacke, Krawatte hat er aber trotzdem um. Sofort stürzen sich TV-Journalisten auf den Mann. Es regnet kräftiger, die Leibwächter wehren aber mit Schirmen die Nässe ab. Rüttgers wirkt ernstlich bedient von den Ereignissen, natürlich sei er hier, um seine Solidarität mit den Leuten zu zeigen. Und wie sehr ihn der menschenverachtende Umgang der Amerikaner mit den Opelanern entsetze. Mit ähnlichen Worten wird drei Autos später auch Hannelore Kraft ihre Motivation fürs Kommen umschreiben. Die SPD-Chefin läßt es sich nicht nehmen noch einen kleinen Schlag gegen den Ex-Wirtschaftsminister zu Guttenberg anzusetzten. Der stehe wohl ganz vorne in der Reihe derer, die den Wagen vor die Wand gesetzt hätten. Im Werk selbst versucht Rüttgers den 3000 Opel-Mitarbeitern mit einer Durchhalteparole Mut zur machen: „Wir haben einen Rückschlag erlitten, aber wir geben nicht auf.”
Am Ende wurden zumindest die Juso-Demonstranten für ihr Warten belohnt. Sie durften mit in den Saal, mit ins Trockene.
18:19
Langsam aber sicher kommt die Bevölkerung dahinter,
dass jeder DEUTSCHE
in „HARTZ IV“ landen kann
und was dann?
Herold Schincke