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Fernsehen

Wirbel um die Babys zum Ausleihen

13.05.2009 | 18:56 Uhr

RTL wird wegen des Formats „Erwachsen auf Probe” heftig kritisiert. So schlimm, wie es sich anhört, wird es wohl nicht

Es klang zunächst ungeheuerlich, was RTL da im Juni vorhat, und die Reaktionen schlugen dem Sender weit vor der Ausstrahlung prompt und heftig entgegen: „Baby to go” ätzte die „Süddeutsche Zeitung”, „Entsetzen” äußerte der Kinderschutzbund im Vorfeld, von Misshandlung sprachen Kinderärzte und Psychologen. Das neue Reality-Format „Erwachsen auf Probe”, das am 3. Juni mit einer Doppelfolge startet, ist zunächst auch eine Horrorvorstellung für verantwortungsbewusste Mütter und Väter: Babys und Kleinkinder gleich tagelang der Obhut fremder Teenager zu überlassen, die sich an den Kleinen als Eltern mal ausprobieren.

Doch das neue TV-Experiment, eingekauft von der an sich seriösen BBC, verspricht, nicht gar so grausig zu werden wie erwartet.

RTL wehrt sich bereits nach Kräften: „Wir laden alle Kritiker ein, sich die schon abgedrehten Folgen anzusehen”, so ein Sprecher des Kölner Senders. In der britischen BBC laufe bereits die dritte Staffel dieses Formats. Auch in den sieben RTL-Folgen sei „nichts von dem passiert, was man prophezeit hätte”. Der Hauptkritikpunkt der Kinderlobby, Säuglinge würden tagelang von den Müttern getrennt und somit schwer traumatisiert, sei so nicht ganz richtig: „Die Mütter standen die ganze Zeit hinter den Kameraleuten, hatten Sichtkontakt zu ihren Kindern.” Auch hätten sie jederzeit die Möglichkeit gehabt, einzugreifen: „Es hat keine machen müssen!”

Worum es geht: „Repräsentative” Jugendliche aus allen sozialen Schichten, vom Gymnasiasten bis zum Arbeitssuchenden kümmern sich „zur Probe” Tag und Nacht um Kinder, die nicht ihre eigenen sind. Alle beteiligten Jung-Pärchen hätten zuvor Wünsche geäußert, Kinder haben zu wollen. Nun wolle man ihnen zeigen, was dieses bedeutet.

RTL-Expertin ist Katja Kessler, Ehefrau des „Bild”-Chefredakteurs Kai Dieckmann und Verfasserin eines ebenso erfolgreichen wie überzuckerten „Mami-Buches” über Schwangerschaft und Geburt. Zusätzlich waren Psychologen und eine Kinderkrankenschwester am Set.

Schrei-Puppen zum Ausprobieren

Zunächst mussten sich die jungen Paare an einer Schrei-Puppe bewähren. Erst dann bekamen Basti (18) und Tamara (17), Lila (19) und Sebastian (16) und ihre jugendlichen Mitstreiter echte Babys für vier Tage zur Betreuung. Danach mussten sie sich um Kleinkinder im Kindergartenalter kümmern, dann um Schulkinder, schließlich hatten sie Jugendliche zu betreuen, die nur wenig jünger waren als sie selber. Für die Teilnehmer sei diese Erfahrung „ungeheuer wertvoll” gewesen, so RTL.

Die negative Kritikwelle mag RTL ärgern, überraschen muss es den Sender nicht. So ist bis heute auch „Supernanny” Katia Saalfrank in einschlägigen Pädagogenkreisen verschrien. Dabei leistet sie in deutschen Unterschichtfamilien hervorragende sozialtherapeutische Arbeit und zeigt der Öffentlichkeit, in welchen problematischen Verhältnissen manche Kinder aufwachsen. Übrigens, ohne dass sich jemand darüber aufregt.

Die Kameras freilich sind immer dabei, mit ihnen ein Millionenpublikum. Hier setzt eine Kritik von Kay Funke-Kaiser, Sprecher der Bundespsychotherapeutenkammer, an: „So kleine Kinder sind den Erwachsenen ausgeliefert. Selbst wenn sie nicht wirklich von ihren Müttern getrennt werden, sind sie nicht in der Lage, um zu dem Ganzen einfach 'nein' zu sagen...”

Babys zum Ausleihen im TV? Diskutieren Sie mit im Forum unter www.DerWesten.de/nrz

Cornelia FÄRBER

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Kommentare
15.05.2009
01:22
Wirbel um die Babys zum Ausleihen
von schorschi | #2

unfassbar. gerade in den ersten 12 monaten soll man ein baby überhaupt nicht von der mutter trennen. könnte mir schon vorstellen wer sich für diese sendung interessiert: Arbeitslose, kritiker, assoziale oder pädophile; sofort ran an die fernseher!!!!

14.05.2009
22:15
Wirbel um die Babys zum Ausleihen
von niederrheinerin | #1

Jedes Volk hat das Fernsehprogramm, dass es verdient.
Würde sich keiner diesen Quark ansehen, würde er nicht produziert. Aber so wird das wohl auch wieder eine der Serien werden, die keiner kuckt, die aber enorme Einschaltquoten produziert. (wie Dschungelcämp, DSDS, Topmodel usw)

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