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NRZ-Interview

"Wir sind Deutschland..."

09.10.2008 | 20:40 Uhr

Düsseldorf. Der deutsche Innnenverteidiger Serdar Tasci spricht vor dem WM-Qualifikationsspiel in Dortmund gegen Russland, über Chancen, Träume und seine türkische Abstammung.

Serdar Tasci hat einen großen Traum. Der 21-Jährige möchte Weltmeister werden. 2010 mit Deutschland in Südafrika. „Ein Sommermärchen mit Happy End wäre großartig”, schwärmt der Verteidiger des VfB Stuttgart, der natürlich genau weiß, dass er sich erst einmal in der deutschen Nationalmannschaft durchsetzen muss. Die Chancen stehen gut. Vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Russland sprach die NRZ mit dem Innenverteidiger.

NRZ: Warum sind Sie sicher, dass Sie am Samstag spielen?

Tasci: Sicher bin ich mir nicht. Ich habe jetzt drei Länderspiele gemacht und freue mich, dass ich wieder dabei bin. Im Training gebe ich Gas, und dann hoffe ich natürlich auf einen Einsatz.

NRZ: Das war die politisch korrekte Antwort - gibt es auch eine andere?

Tasci: Nein, es gibt keine andere. Ich würde mich natürlich freuen, wenn ich spielen würde.

NRZ: Hat der Trainer schon mit Ihnen über Ihre Einsatzchancen gesprochen?

Tasci:  Nein, noch gar nicht. Wer am Samstag spielen wird, kann ich noch nicht absehen.

NRZ: In Deutschland gilt die Innenverteidigung als Problemzone - sind Sie die Lösung des Problems?

Tasci: Das hoffe ich. Ich werde mein Bestes geben, dass ich mich etablieren kann in der Nationalmannschaft und dass ich eine Stütze werde.

NRZ: Haben Sie den Eindruck, dass Sie Christoph Metzelder leistungsmäßig abgehängt haben?

Tasci: Christoph Metzelder ist ein Spieler mit viel Erfahrung. Er hat viele Länderspiele und immer gute Leistungen gezeigt. Ich habe ihn nicht verdrängt, aber er ist jetzt nicht dabei, und das ist eine Chance für mich, die ich hoffentlich nutzen kann.

NRZ: Angst vor großen Namen ist nicht Ihr Ding...

Tasci: Nein, ich weiß, was ich kann, und ich bin selbstbewusst genug, um mich durchzusetzen. Ich habe mich bisher immer gegen gute Konkurrenten durchsetzen können.

NRZ: Was muss ein moderner Innenverteidiger heutzutage können - wie ist das Anforderungsprofil?

Tasci:  Alles eigentlich. Zweikampfstark, kopfballstark sowieso. Ein moderner Innenverteidiger muss das Spiel von hinten aufbauen können wie ein Mittelfeldspieler.

NRZ: Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken und wo ist Nachholbedarf?

Tasci: Über meine Stärken will ich gar nicht reden, weil ich mich überall noch verbessern kann. Nur soviel: Es liegt mir, das Spiel von hinten zu öffnen.

NRZ: Per Mertesacker hat jetzt gesagt, dass Deutschland mit ihm selbst und mit Christoph Metzelder gut für die Zukunft gewappnet sei - müssen sie den langen Bremer noch von Ihren Qualitäten überzeugen?

Tasci: Ich muss den Trainer überzeugen. Natürlich ist die Innenverteidigung wichtig. Die muss harmonieren. Aber wenn ich meine Einsatzzeiten bekomme, dann wird der Lange schon sehen, dass ich einer bin, der dort spielen kann.

NRZ: Ihr Trainer Armin Veh hat Ihre Spielweise als „aggressiv und im positiven Sinne böse” charakterisiert - können Sie dem zustimmen?

Tasci:  Ich mag es, aggressiv zu spielen. Natürlich muss man dem Stürmer auch mal weh tun, um sich Respekt zu verschaffen. Und wenn der Trainer das sagt, muss das auch stimmen.

NRZ: Zuletzt haben Sie hinten dreimal mit Heiko Westermann zusammen gespielt...

Tasci: Ich denke, das war schon in Ordnung. Nach drei Spielen kann man, glaube ich, nicht erwarten, dass wir alles wegputzen, was da kommt. Solche Spiele wie in Finnland, in denen man drei Gegentore bekommt, passieren einfach. Das darf nicht passieren, aber es gibt solche Spiele.

NRZ: War die Kritik okay?

Tasci: Das ist normal, dass heftiger kritisiert wird, wenn man drei Gegentore bekommt. Aber mit jedem Spiel wird die Harmonie besser. Jetzt gegen Russland wollen wir uns natürlich wieder beweisen und zu Null spielen.

NRZ: Torwart Robert Enke fällt aus, wie negativ ist das?

Tasci: Damit alles passt, ist es wichtig, dass der Torwart mit derselben Abwehrformation möglichst oft spielt. Aber unsere Torhüter sind alle sehr gut, deshalb denke ich nicht, dass sich das Fehlen von Robert Enke negativ auswirkt.

NRZ: Sie haben sich entschieden, für Deutschland zu spielen. Sehen Sie sich als Beispiel für eine gelungene Integration?

Tasci: Ja klar, auf jeden Fall. Es gibt in Deutschland bekanntlich sehr viele deutschstämmige Türken, und für die bin ich schon ein Beispiel für eine gelungene Integration.

NRZ: Aber die Entscheidung, für Deutschland zu spielen, ist ihnen nicht einfach gefallen...

Tasci:  Ich denke, das ist auch verständlich. Meine Eltern kommen aus der Türkei. Aber ich bin hier geboren und aufgewachsen, deshalb war die Entscheidung so schwer auch wieder nicht.

NRZ: Ist es richtig, dass eine Abordnung des türkischen Verbandes vor Ihrer Tür gestanden hat, um in letzter Minute zu versuchen, Sie doch noch für die Türkei zu gewinnen?

Tasci: Ja, das gab's schon. Nicht ganz so extrem. Aber meine Entscheidung war schon gefallen, als ich das erste Spiel für die U 21 gemacht habe. 

NRZ: Vor Jahren haben sich die deutschstämmigen Türken zumeist noch für die Türkei entschieden - fällt es Ihrer Generation leichter, sich für Deutschland zu entscheiden, weil das Land moderner geworden ist.

Tasci: Das kann schon sein. Ich finde es mittlerweile völlig normal, wenn sich Spieler mit ausländischen Eltern für Deutschland entscheiden. Das sieht man doch bei der A-Nationalmannschaft. Da gibt es genügend Beispiele. Es wird uns leicht gemacht.

NRZ: Gegen Russland wird ja auch jeder gute Mann gebraucht...

Tasci: Ganz klar, Russland ist der schwerste Gruppengegner. Sie haben vor allem mit Andrej Arschawin und Pavel Pogrebnyak hervorragende Individualisten. Da müssen wir einfach hochkonzentriert sein. Aber wir spielen zu Hause. Wir sind Deutschland, wir müssen Selbstvertrauen haben und zu Hause einfach gewinnen.

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Kommentare
10.10.2008
11:43
Wir sind Deutschland...
von Schrammbowski | #19

Finde es gut, dass der Spieler sich für die deutsche Nationalmannschaft entschieden hat und sich damit zu Deutschland bekennt!

Leider sind die meisten Türken von dieser Integrationsleistung meilenweit entfernt, wie wir zuletzt bei der EM traurig miterleben mussten!

10.10.2008
11:08
Wir sind Deutschland...
von Ömer B | #18

#17 Eingedeutscht? Serdar Tasci ist in Esslingen am Neckar geboren- gehts noch deutscher? Özil in Gelsenkirchen, Podolski mit 2 Jahren nach Deutschland gekommen.... usw. usf.
Leute, tut mir echt leid für Euch, aber die bittere Wahrheit ist nun mal, dass die Erde keine Scheibe (mehr) ist. (Aber passt am Rand auf!)

10.10.2008
09:59
Wir sind Deutschland...
von spacedrummer | #17

@Kurany - nee, aber Du typischer Fußballexperte hälst wohl die Weltauswahl für die deutsche Nationalmannschaft. Hauptsache der Erfolg ist da und wenn er eingedeutscht wird. Im Übrigen hat Rentner nichts von Schweinsteiger und blauäugig geschrieben und erst recht nichts von einer braunen Gesinnung erkennen lassen. ich würde dir raten,Dein Gehirn einzuschalten bevor du etwas schreibst doch wie soll man etwas einschalten, das eh nicht vorhanden ist!

10.10.2008
09:40
Wir sind Deutschland...
von Beobachter | #16

immer wieder das gleiche bla bla. Trurig das es offenbar immer nur ein Thema gibt... Menschen die nicht verstehen, dass sich unser Land in den letzten 60 Jahren gewandelt hat sollten sich in ihrem Keller einschließen und darauf warten, dass jemand eine Zeitmaschine entwickelt damit sie wieder in die gute alte Zeit reisen können. Na ja, diese Einstellung liegt aber wahrscheinlich daran, dass man lieber den ganzen Tag vor der Kiste hockt als das man mal raus geht um seinen Horizont ein wenig zu erweitern. Viel Glück für morgen! WIR packen das!

10.10.2008
09:32
Wir sind Deutschland...
von gudrun86 | #15

Oh mein Gott wie dumm seid Ihr alle, hier spricht ein Junger Mann davon das er alles für Deutschland geben wird freuen wir uns doch das sein Herz sich für Deutschland entschieden hatt.
Und so auch mit Lukas Podolski, Miroslav Klose, Kevin Kuranyi.

10.10.2008
08:58
Wir sind Deutschland...
von Chow Chow | #14

schön, fantomias :D

Traurige Kommentare hier. Freut euch dass sich die Menschen so gut integriert haben und sich so deutsch fühlen, dass sie für die Nationalelf spielen wollen! Anscheinend sind sie einfach besser als die Reindeutschen oder wie ihr sie nennen wollt!

Bei der WM/EM hat das keinen von euch gestört, da bin ich sicher. Ich fand es immer lustig, wenn ich beim Public Viewing rechte Parolen voller Stolz auf die dt. Nationalmannschaft gehört habe, da fragt man sich, welches Volk wohl wirklich die Hauptschule besucht hat..

10.10.2008
08:32
Wir sind Deutschland...
von fantomias | #13

die nationalmannschaft ist ein spiegel der vielfältigen gesellschaft, in der wir leben - auch wenn das manch einem nicht passt. ich wünsche serdar tasci und der gesamten mannschaft viel erfolg!

p.s.: zur befriedigung des angekratzten egos haben wir ja immerhin einen adler im team *lach*

10.10.2008
08:12
Wir sind Deutschland...
von Ein Deutscher mit Achtung und Respekt | #12

Man sollte auch vielleicht mal die Deutschebevölkerung anschauen, WIR sind nun einmal ein multikultureller Staat... und ich bin ein klarer befürworter für die sogenannten Ausländer die in Deutschland geboren, leben, aufgewachsen und sich als Deutscher mit fühlen... Wir als Deutsche wollen überall anerkannt werden allerdings kriegen WIR das in unserem eigenem Land nicht gebacken Ausländer aufzunehmen die sich perfekt ins Deutsche Leben integriert haben... natürlich gibt es auch andere die das nicht schaffen, aber man sollte doch die Leute aufnehmen die willig sind DEUTSCH zu sein... und meiner meinung nach sind hier einige Kommentare einfach nur peinlich und traurig, dass sowas geschrieben wird... in meiner Stadt sind auch viele Beispiele für erfolglose Integration allerdings freut es mich als Deutscher immer wieder Leute kennenzulernen bei denen die Integration besser verlief im gegensatz zu manchen Deutschen die einfach nur zu verachten sind.

10.10.2008
00:57
Wir sind Deutschland...
von radieschen | #11

Wenn ich mir im Aktuellen Sportstudio des Samstags die Spielberuchterstattung der Bundesliga anhöre, einfach mal die Augen schließe und mir die Namen der Spieler an meinen Ohren vorbeirauschen lasse - ja, dann weiß icht wirklich nicht mehr bis auf zwei oder drei Ausnahmen: Von welchem Land wird hier berichtet und ist es nicht doch schön, dass in diesem Ausland auch einige deutschstämmige, an ihrem Namen zu erkennende Spieler spielen dürfen?
Setzen Sie sich auch mal hin, lassen die Namen an sich vorbeiziehen und fragen dann: Wo war ich gerade?
Das gilt übrigens nicht nur für die BL, sondern auch tiefer und immer tiefer.
Soviel zu der hier aufgeworfenen Frage: Gibt es eigentlich keine deutschen Fußballer mehr.

10.10.2008
00:40
Wir sind Deutschland...
von der wenner | #10

Wenn man das hier liest (Artikel und Kommentare), muss man sich über nichts mehr wundern... . Armes Deutschland!

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