Wie man junge Familien lockt
04.04.2008 | 10:46 Uhr 2008-04-04T10:46:00+0200Düsseldorf. Gebühren für Kinder werden auf den Prüfstand gestellt. Düsseldorf profiliert sich bei Kindergärten, Schulen und Sport.
Düsseldorf will ein Magnet für junge Familien werden. Als jüngsten Beitrag zu diesem Konzept hat Oberbürgermeister Joachim Erwin soeben die Beitragsfreiheit für Kindergartenplätze versprochen, wenn Eltern unter 25 000 Euro brutto im Jahr verdienen. Jedes zweite Kind wird somit ab August zum Nulltarif betreut. Auch für höhere Einkommen plant der OB - wie so oft im Alleingang, der Ratsbeschluss soll folgen - für einen späteren Zeitpunkt den Erlass der Gebühren: „Über kurz oder lang werden wir zur Beitragsfreiheit kommen.”
Bisher gibt es nur eine deutsche Stadt mit völliger Beitragsfreiheit im Kindergarten: Heilbronn. Aber vielerorts kommt Bewegung in die Gebührenfrage. So ist in Siegen und im Kreis Siegen-Wittgenstein die stufenweise Abschaffung der Kita-Kosten beschlossen worden. Auch in Kamp-Lintfort wird es ab August Änderungen geben: Das Jahreseinkommen von Eltern, bis zu dem Kindergartenplätze beitragsfrei bleiben, wird von 12 271 Euro auf 15 000 Euro angehoben. Die Stadt reagiert damit auf den vergleichsweise hohen Anteil von Geringverdienenden. Bereits jetzt müssten 20 Prozent der Eltern von Kindergartenkindern keine Beiträge zahlen.
Reiche Stadt, weniger Beiträge
Zwischen 240 (Düsseldorf) und 540 Euro im Jahr (Mülheim) zahlt man derzeit an Rhein und Ruhr bei niedrigem Einkommen. In der Regel liegen die Beiträge bei 1000 Euro bei mittlerem Einkommen und über 2000 Euro bei Einkommen ab etwa 80 000 Euro.
„Wer Geld hat, kann eben auf Kindergartengebühren verzichten”, kommentiert Martin Lehrer, Sprecher vom Städte- und Gemeindebund NRW, die Nachricht aus der Landeshauptstadt. „Kindergartenbeiträge sind ein Standortfaktor geworden”, sagt Lehrer – Kommunen mit hohem Schuldenberg könnten da nicht konkurrieren.
Düsseldorf will weitergehen. „Wir sind eine wachsende Stadt”, sagt Rathaussprecher Kai Schumacher. „Wir bieten ein Potpourri der Perspektiven – von Arbeitsplätzen, Wohnen und Kinderbetreuung.” Die Landeshauptstadt glänzt seit Jahren mit Weichenstellungen, die sie sich eher als andere erlauben konnte, aber die sie auch konsequent betrieben hat. So flossen fast 300 Millionen Euro in die Sanierung maroder Schulen. Sportstätten wurden ausgebaut, mehrere Dreifachturnhallen wurden kurz nacheinander eröffnet, Stadtbäder und Lehrschwimmbecken an Schulen werden in Serie modernisiert und in den Stadtteilen gepflegt.
In der Wirtschaft, bei großen Firmen wie Metro und Henkel, hat die Stadt Partner gefunden für 25 Kindertagesstätten, die demnächst neu eröffnet werden. Auch als Vermittler bemüht sich das Rathaus um eine praktische Rolle beim zentralen I-Punkt am Hauptbahnhof und Familienzentren, die in allen Stadtteilen entstehen und sämtliche Informationen und Hilfestellungen bündeln sollen: kurze Wege gegen Bürokratie.
Kostenfreiheit auch bei Ganztagsschulen
Mit passenden Wohnsiedlungen will Düsseldorf „junge Familien locken und halten”, sagt Sprecher Schumacher. In die offene Ganztagsschule hat die Stadt von Anfang an über Soll investiert – mit dem Ergebnis einer explosionsartigen Vermehrung der Nachmittagsangebote. Auch für diese Betreuung peilt OB Erwin Kostenfreiheit für die Eltern an.
Bundesweit vorn ist die Düsseldorfer Bädergesellschaft mit dem Projekt „Schwimmen macht Schule”, in dem die renommierte Sportpädagogin Lilli Ahrendt dem Niedergang des Schulschwimmens pragmatisch und erfolgreich entgegenwirkt. Mehr Bewegung - auch so steigert Düsseldorf den Ruf als interessante Stadt für junge Familien. (NRZ)
07:36
Stellt sich die Frage ob das nicht nur wahltaktisches Manöver von OB Erwin ist. Schließlich wird 2009 der OB gewählt. 2006 wurden die Kindergartenbeiträge, trotz vieler Bürger- und Elternproteste, massiv erhöht. Nach Mühlheim ist Düsseldorf die Stadt mit den höchsten Kindergartenbeiträgen.
Auf der Seite von stadtelternrat-duesseldorf.org können sich zuzugswillige Eltern ein Bild von der realen kinderfreundlichen Stadtpolitik machen.
@ Evil : Leider kommt das Geld nicht bei den normalen Bevölkerungsschichten an. Das Verpulvern Stadtverwaltung und OB in unsinnige PR-Veranstaltungen wie Kö-Rennen, Ski-Langlauf usw. oder in Protzbauten wie Burgwächter Castello, LTU-Arena, Lüppertz-Pavillon und aktuell der geplante KÖ-Bogen-Wahnsinn. Real haben die Düsseldorfer, seitdem Kurfürst Erwin regiert, gerade im Sozialbereich enorme Streichungen hinnehmen müssen.
06:38
Mit Düsseldorf ist es wie mit Paris, dort wo die zentrale Verwaltung sitzt, ist auch das meiste Geld für die dortige Bevölkerung am Start. Dafür sorgen dann schon die vor Ort ansässigen Staatsbediensteten.