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Vertrauen restlos verspielt

20.02.2009 | 19:56 Uhr

JU-Chef Mißfelder verhöhnt Hartz-IV-Empfänger

Herr Mißfelder hat der Gesellschaft in mehrfacher Hinsicht einen überraschend nützlichen Dienst erwiesen: Einerseits hat er den Wählern klipp und klar gemacht, wie erschreckend tief der Abgrund zwischen Politikern und Volk sein kann und andererseits endgültig unter Beweis gestellt, dass er in der Bundespolitik nicht nur verzichtbar, sondern absolut fehl am Platz ist. Seine miserable Unterstellung, die Erhöhung der Hartz IV Bezüge wäre "ein Anschub für die Tabak - und Spirituosenwirtschaft", ist eine bodenlose Beleidigung von Bürgern, für die der Vorsitzende der Jungen Union vorgibt Politik zu machen.

Nein, Herr Mißfelder macht Politik zur Selbstbefriedigung und nicht für seine Mitmenschen. Vermutlich kennt er auch keine Hartz-IV-Empfänger, obwohl er im Ruhrgebiet - wo er zuhause ist - genügend Gelegenheit hätte, welche kennen zu lernen. Millionen Arbeitslose mit Säufern gleichzusetzen, darf noch nicht einmal einem Nachwuchspolitiker ungestraft nachgesehen werden. Denn die überwältigende Mehrheit der Menschen, die auf staatliche Leistungen angewiesen ist, empfinden ihre Situation einfach nur als entwürdigend. Ja, viele bezeichnen Hartz IV, oder ALG II oder die anderen Formen staatlicher Fürsorge, die sich hinter technokratischen Kürzeln verbergen, als den "Tausch von Würde gegen Geld"; dies ist übrigens das zutreffende Zitat eines betroffenen NRZ-Lesers. Herr Mißfelder hat genau diese Mitbürger verhöhnt.

Der 29-Jährige sollte einmal selbst versuchen, von 351 Euro im Monat zu leben. Tatsache ist, dass sich Arbeitslose jede Form von "Lebensqualität" vom Kühlschrank absparen müssen. Aber für Herrn Mißfelder werden das fremde Welten bleiben, denn er interessiert sich mehr für die eigene Popularität als für das Allgemeinwohl. Dieser Phänotypus des Politikers ist schuld daran, dass das Volk immer häufiger dazu neigt, seine Vertreter zu verachten. Mißfelder ist kein naiver Jungspund, sondern Wiederholungstäter. Man erinnere sich an seinen Vorschlag, Senioren über 85 sollten keine künstlichen Hüftgelenke mehr verschrieben werden. Solch dumm-derben Populismus kannte man nur vom verstorbenen Jörg Haider.Deutsche Konservative hatten sich von Herrn Mißfelder viel versprochen. Er galt als Hoffnungsträger. Vorbei! In NRW ist er gar als neuer Vize-Chef der Landes-CDU im Gespräch. Wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers wieder in der Heimat angekommen ist, hat er hier viele Personalprobleme zu lösen. Das schnelle Ende der Karriere von Herrn Mißfelder dürfte dabei am leichtesten zu bewerkstelligen sein.

r.oppers@nrz.de

RÜDIGER OPPERS

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Kommentare
25.02.2009
21:57
Vertrauen restlos verspielt
von nichtversteher | #1

Herr Mißfelder hat nicht nur Unrecht. Es ist in jeder Stadt zu beobachten, daß meist junge ALG2-Bezieher mit Kindern mit Fastfood und...... zusehen sind. Das erhöhte Kindergeld kommt meist auch nicht bei den Kindern an.
Also ruhig und objektiv bleiben.

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