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Verbraucher trotzen der Krise

27.07.2009 | 20:05 Uhr
Verbraucher trotzen der Krise

Zum Schlussverkauf steigt das Konsumklima. Verbraucher können sich wegen der Wirtschaftskrise auf Preissenkungen freuen .

An Rhein und Ruhr. Die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung steckt auch die Bürger an. In einer aktuellen Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) bekunden die Verbraucher einen wachsenden Konjunkturoptimismus sowie eine stark zunehmende Bereitschaft, in den kommenden Monaten mehr langlebige Konsumgüter anzuschaffen. Sogar die Einkommenserwartungen haben sich trotz Wirtschaftskrise verbessert. Der so genannte GfK-Konsumklimaindex für August – basierend auf Interviews von 2000 Verbrauchern im Auftrag der EU – steigt von 3,0 auf 3,5 Punkte.

Kaum Inflation und Rentenerhöhung

Die GfK-Forscher erklären die außergewöhnlich gute Stimmung der Konsumenten mit der relativ stabilen Lage am Arbeitsmarkt und der kaum mehr vorhandenen Inflation. „Neben dem Verschwinden der Inflation dürften die Rentenerhöhungen zum 1. Juli um 2,4% dazu beigetragen haben, die Einkommensstimmung zu verbessern”, heißt es in Nürnberg. Stabilisierend wirkt sich ferner das niedrige Zinsniveau aus, wodurch Sparen unattraktiver wird. Die Sparquote sinkt, viele Menschen geben mehr Geld für den Konsum aus.

Für den Einzelhandel in Deutschland ist das pünktlich zum beginnenden Sommerschlussverkauf (SSV) eine gute Nachricht. Mit Rabatten von bis zu 70% hat gestern der SSV begonnen, der seit dem Wegfallen der gesetzlichen Beschränkungen im Jahr 2004 vom Handel freiwillig durchgeführt wird.

Der Einzelhandelsverband NRW schätzt, dass gut die Hälfte der Geschäfte Rabattaktionen anbieten. Neben Modegeschäften wollen zunehmend auch Möbel- und Elektromärkte die Verbraucher mit günstigen Preisen locken.

Der Bundesverband des deutschen Textilhandels in Köln berichtet, die Konsumenten könnten sich trotz der bereits seit Wochen reduzierten Preise noch auf eine große Auswahl an Sommerware einstellen. Leichte Jacken, Sommerhosen, Kurzarmhemden, T-Shirts und auch Übergangskleidung seien noch in großer Fülle zu haben. Die Händler müssten jetzt die Lager räumen, um Platz für die Herbstware zu schaffen.

Indes sollten Verbraucher auch auf die eingeschränkten Umtauschrechte achten. In den Innenstädten ist seit Wochen zu beobachten, dass die Einzelhändler deutlich die Preise senken und mit Rabattaktionen auf sich aufmerksam machen.

Das liegt auch an der Wirtschaftskrise und dürfte auch einer gewissen Kaufzurückhaltung geschuldet sein. Verbraucher dürfen sich in diesem SSV deshalb vielerorts auf noch aggressivere Preissenkungen als üblich einstellen. Denn der Handel ist zwar bislang weniger von der Krise gebeutelt als die Industrie und viele andere Wirtschaftszweige. Doch stellt sich auch der Handel in diesem Jahr auf einen Umsatzrückgang von rund 2% ein.

Sorge vor steigender Arbeitslosigkeit

Die Händler fürchten, dass mit steigender Arbeitslosigkeit im Herbst auch die Kauflaune der Verbraucher nachlässt.

Trotz der erstaunlich guten GfK-Umfragewerte bleiben auch die Experten in Nürnberg skeptisch. „Eine dauerhafte Stabilisierung des Konsumklimas wird vor allem davon abhängen, wie sich der Arbeitsmarkt weiter entwickelt“, schreiben die Forscher. „Sollte die Zahl der Arbeitslosen im Spätherbst deutlicher steigen, dürfte dies zu einem Belastungstest für die Verbraucherstimmung werden.“

Zuletzt hatten Forschungsinstitute mit ihren Prognosen, steigende Auftragseingänge in der Industrie und der Ifo-Geschäftsklimaindex die Zuversicht für ein baldiges Ende der Rezession genährt. Die Konsumenten waren in den vergangenen Monaten der einzig stabilisierende Konjunkturfaktor. NRZ

Peter Hahne

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