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ThyssenKrupp: "Das Schlimmste ist ausgestanden"

13.11.2009 | 16:59 Uhr
ThyssenKrupp: "Das Schlimmste ist ausgestanden"

Düsseldorf. Der ThyssenKrupp-Konzern schließt das Ende September zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2008/2009 vor Berücksichtigung der Steuer mit einem Fehlbetrag in Höhe von 2,4 Milliarden Euro ab. Trotzdem sollen die Aktionäre eine Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten.

„Made in Germany” hat im Anlagen- und Maschinenbau immer noch einen sehr guten Ruf. Die Qualität der deutschen Produkte hat aber auch ihren Preis. Weil ThyssenKrupp diesen hohen Preis der eigenen Tochter Uhde scheute und diese auch anderweitig gut beschäftigt war, bestellte der Stahlkonzern die Kokerei für seine neue Hütte in Brasilien bei der chinesischen Staatsfirma Citic. Und erlebte prompt ein Fiasko. Die Arbeiten wiesen große Mängel auf. Inzwischen baut Uhde die Kokerei zu Ende, wobei die Chinesen für die Mehrkosten von 100 Millionen Euro aufkommen wollen. Wenn auch dieses Kapital für ThyssenKrupp glimpflich abging, so sind die Kosten des brasilianischen Werks auf 4,7 Milliarden Euro völlig aus dem Ruder gelaufen.

Neben den hohen Projektkosten für die Hütte in Brasilien und das neue Stahlwerk in den USA schlugen ein Sanierungsaufwand von 800 Millionen Euro bei den deutschen Werften und die Folgen der weltweiten Wirtschaftskrise voll auf den größten deutschen Stahlkonzern durch. Das alles führte erstmals seit der Fusion von Thyssen und Krupp vor zehn Jahren zu Verlusten in Milliardenhöhe. So schließt das Ende September zu Ende gegangene Geschäftsjahr 2008/2009 vor Berücksichtigung der Steuer mit einem Fehlbetrag von 2,4 Milliarden Euro ab. Trotzdem sollen die Aktionäre eine Dividende von 30 Cent je Aktie erhalten. Die hierfür notwendige Ausschüttungssumme von 139 Millionen Euro wird aus Gewinnrücklagen früherer Jahre genommen.

ThyssenKrupp-Chef Ekkehard Schulz nennt dies Dividendenkontinuität. Er erklärt sie mit der Kurzformel: „In guten Zeiten ist die Ausschüttung maßvoll, in schlechten Zeiten mehr als Null.” Von der Ausschüttung profitiert vor allem die von Berthold Beitz geführte Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, die mehr als 25 Prozent der Aktien hält. Zur Finanzierung ihrer kulturellen und karitativen Projekte benötigt sie regelmäßige Einkünfte.

Stabilisierung des Umsatzes

ThyssenKrupp kann sich die Dividendenzahlung nach Ansicht von Schulz trotz der Krise und Schulden von knapp 2,1 Milliarden Euro leisten, weil der Konzern mit flüssigen Mitteln und Kreditlinien über Liquidität von 9,8 Milliarden Euro verfügt. Der Konzernchef hält das „Schlimmste” mittlerweile für ausgestanden, wenn er auch noch nicht mit einer durchgreifenden Konjunkturerholung rechnet. Schulz erwartet vielmehr eine „Stabilisierung” des Umsatzes auf dem 2008/2009 erreichten Niveau von 40,6 (Vorjahr: 53,4) Milliarden Euro. Gleichwohl soll es beim Ergebnis einen erneuten „Swing” geben, diesmal wieder deutlich in die schwarzen Zahlen. Abschließen will Schulz die Periode 2009/2010 mit einem Überschuss in dreistelliger Millionenhöhe.

Der Konzernchef setzt seinen Optimismus darauf, dass mit dem Geschäftsabschluss Kosten für die Sanierung verschiedener Sparten und hohe Wertberichtungen verkraftet sind. Außerdem bringt der Konzernumbau mit der Abschaffung von Geschäftsebenen und der Straffung der Verwaltungen Kosteneinsparungen von 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Die Belegschaft schrumpfte binnen Jahresfrist um fast 12 000 auf noch 187 500 Mitarbeiter.

Durch Stellenabbau und die Veräußerung von Firmenteilen wird die Belegschaft in diesem Jahr noch weiter reduziert. Über den Umfang sagte Schulz nichts. Vor knapp vier Wochen hatte er davon gesprochen, dass nochmals 15 000 bis 20 000 Stellen fortfallen könnten (die NRZ berichtete).

Hochofen 9 fährt wieder an

Vor allem Dank der Belebung des Stahlgeschäfts konnte die Kurzarbeit deutlich zurückgefahren werden. Waren bis Mitte des Jahres in der Spitze bis zu 49 000 Leute von der Produktionsdrosselung betroffen, konnte die Zahl mittlerweile auf unter 15 000 reduziert werden. In Duisburg fährt ThyssenKrupp den Hochofen 9 wieder an. Hier produzierte Stahlbrammen im Volumen von 500 000 Tonnen will der Konzern als Vormaterial zur Weiterverarbeitung an das neue Stahlwerk im US-Staat Alabama liefern.

Das Weiterverarbeitungswerk soll im Frühjahr 2010 die Produktion aufnehmen. Später soll das Werk mit Stahl aus der neuen Hütte in Brasilien versorgt werden, wo ein erster Hochofen Mitte nächsten Jahres in Betrieb genommen werden soll. Mit den Brammen aus Duisburg sei sicher gestellt, dass Vormaterial in ausreichender Qualität für das neue US-Werk zur Verfügung stehe, sagte Schulz. NRZ

Hans-Willy Bein

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