Tasse links, Zeitung rechts
08.12.2008 | 11:45 Uhr 2008-12-08T11:45:00+0100
Es gibt viele gute Gründe, morgens die Zeitung zu lesen. Und mindestens einen Grund, dabei hinten anzufangen.
Ja, ich gebe es zu, ich kann nicht anders: Ich lese eine Zeitung von hinten nach vorne. Immer. Und das hat immense Vorteile.
Nämlich: Mein Mann und ich kommen uns beim Lesen nicht in die Quere.
Weil er – wie sich das gehört – vorne anfängt. Wenn ich also während des Lesens erstaunt „Oh!“ rufe, ist er wiederum erstaunt, was mich dazu veranlasst hat.
Er ist nämlich gerade im vorderen Teil des Blattes mit der weltpolitischen Lage beschäftigt. Die häufig zwar auch ein „Oh!“ wert wäre, aber mein „Oh!“ ist dieser niederrheinisch-emotionale Ausbruch. Der passiert, weil ich vor ihm weiß, wer ein Baby bekommen hat. Oder wer gestorben ist. Welche Apotheke Notdienst hat. Und ich weiß vor meinem Mann, wer Goldhochzeit feiert oder welche Oma Geburtstag hat, und deswegen von ihren Enkeln dieses „Hurra, Oma wird heut´ 80 Jahr“-Gedicht in die Zeitung gesetzt bekommen hat.
Und während ich meinem Mann erfreut schildere, dass XY endlich ihr Baby hat, fragt mein Mann, wer denn eigentlich XY sei.
Die Freude über den Wissensvorsprung kann also nicht der Grund für dieses „Zeitung-von-hinten-nach-vorne-lesen“ sein. Der ist viel einfacher:
Ich bin Linkshänder. Die Kaffeetasse steht also links. Die Zeitung liegt rechts. Und damit mir die Seiten nicht über den Kaffee fliegen, schlage ich sie andersrum auf. Eben rückwärts. Und starte so bei den Geburten. Damit geht´s ja auch los. Passt doch!
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