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Stramm auf Atomkurs

11.08.2009 | 16:46 Uhr
Stramm auf Atomkurs

Deutsche Energiekonzerne RWE und Eon umgehen den Ausstiegsbeschluss und investieren im Ausland in die Kernkraft

Die neuerliche Panne im Atomkraftwerk Krümmel hat die Diskussion um die Nutzung der Kernkraft zur Stromerzeugung wieder angeheizt. Während in Deutschland jetzt abermals hartnäckig um den Auslauf oder Weiterbetrieb von Kernkraftwerken gestritten wird, gibt es in anderen Ländern keine Scheu vor neuen Meilern. Der Hunger nach Energie und einschneidende Klimaschutzvorgaben sorgen weltweit für eine Renaissance des angeblich CO2-freien Stroms aus Uran. Auf Atomkurs sind auch die beiden größten deutschen Energiekonzerne Eon und RWE. Im Ausland. In Großbritannien zum Beispiel haben sie sich Standorte für Kernkraftwerke gesichert.

13 neue Kernkraftwerke werden derzeit in Europa gebaut, für drei weitere Anlagen sind die Planungen bereits konkret. Und für 17 Atommeiler gibt es Bauüberlegungen. Das teilte die Bundesregierung im Frühjahr auf eine Kleine Anfrage von Bündnis 90/die Grünen mit. Die meisten kerntechnischen Anlagen werden in Russland und osteuropäischen Ländern errichtet. Aber auch westliche Länder wie eben Großbritannien sind vom Anti-Atomkurs abgewichen.

Spezielles Bündnis für Großbritannien

Die Konkurrenten Eon und RWE halten in Deutschland Anteile an 20 Reaktoren und betreiben drei Blöcke gemeinsam. Speziell für Großbritannien haben sie ein neues Atombündnis geschlossen. Eine im Januar gegründete Gemeinschaftsfirma beteiligt sich an der Versteigerung von Baugrundstücken durch die britische Atombehörde NDA. Ziel der Deutschen ist der Bau von vier bis sechs Atommeilern auf der Insel.

Nach einer mehrere Wochen dauernden Auktion hat die gemeinsame Firma sich Ende April den Zuschlag für Grundstücke in der Nähe der Atomstandorte Wylfa (Nordwales) und Oldbury bei Birmingham gesichert. Dort würden Pläne vorangetrieben, Kernkraftwerke mit einer Kapazität zur Stromerzeugung von mindestens 6000 Megawatt zu bauen, teilten die beiden Konzerne seinerzeit mit. Der erste Strom aus den Meilern soll in etwa zehn Jahren ins britische Netz eingespeist werden. Bis dahin dürften sich die Investitionen der beiden Konzerne auf 20 Milliarden Euro summiert haben.

Wie die gesamte deutsche Stromwirtschaft hatten auch Eon und RWE im Jahr 2000 dem politischen Beschluss für den Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland zugestimmt. Danach müssen die noch bestehenden 17 Atommeiler bis zum Jahr 2021 abgeschaltet sein. Längst sind Erzeuger in Deutschland von diesem Kompromiss abgerückt und fordern im Verein mit großen Industriebranchen den Ausstieg aus dem Ausstieg, also den Weiterbetrieb der Kernkraftwerke. Große Hoffnungen setzt die Industrie auf den Kurswechsel einer neuen Bundesregierung nach der Bundestagswahl im September. Derzeit wird in Deutschland 23 Prozent des Stroms aus Atomkraft gewonnen.

„Die Kernenergie ist eine Technologie für die Zukunft mit großem Innovationspotenzial”, sagt Eon-Chef Wulf Bernotat. Überall in Europa werde sie eine zunehmend wichtige Rolle für eine verlässliche und kohlendioxidfreie Stromversorgung spielen. Für Eon sei die Atomenenergie Teil der europäischen Wachstumsstrategie. Außer in Großbritannien ist der Konzern an einem Projekt in Finnland beteiligt.

„Kernkraft ist ein wichtiger Baustein unserer Kraftwerksstrategie”, sagt auch RWE-Chef Jürgen Großmann. Sein Konzern treibt über das gemeinsame Engagement mit Eon auf der Insel hinaus in Rumänien zusammen mit sechs Part-nern die Erweiterung des Atom-meilers Cernavoda voran.

Umstrittenes Projekt in Bulgarien

Weit gediehen sind Pläne für ein Kernkraftwerk am Standort Belene im Norden Bulgariens, wo RWE zusammen mit dem einheimischen Energieunternehmen NEK eine Projektentwicklungsgesellschaft gründen will. Allerdings gibt es Widerstände gegen das Projekt in einem Erdbebengebiet bis in den RWE-Aufsichtsrat und auch in Bulgarien selbst steht das Projekt inzwischen auf der Kippe. Das osteuropäische Land ist von der globalen Wirtschaftskrise arg gebeutelt, weswegen die bulgarische Regierung das umstrittene Kraftwerksprojekt derzeit auf den Prüfstand stellt. Bulgariens Wirtschaftsminister dementierte allerdings jüngst deutsche Medienberichte, wonach das Projekt bereits gescheitert sei. NRZ

Hans-Willy Bein

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Kommentare
29.08.2009
19:38
Stramm auf Atomkurs
von Belenes | #3

Achja...

Die Kosten bei allen Verkehrsanbieten werden auch steigen, weil diejenigen die mit Strom fahren eben jenen Preisanstieg auf die Fahrpreise umlagern werden und müssen. Dann bleiben die Reisenden aus, alles ist am meckern, es wird locker 1-1,5 Mio Arbeitslose mehr geben.
Somit sollte man bei der Bahn überlegen wieder auf Dampfloks und Dieselfahrzeuge umzusteigen. Ach nein, geht ja nicht, da gibt es wieder Bürgerbegehren die erst gegen Atomkraft waren und dann ein neues Feld finden, contra Abgas und contra Dampf und dann das nächste. Weil keine Bahn mehr fahren kann motzt man permanent gegen andere Autofahrer und gegen den Straßenverkehr, also Pferdekutschen, aber dann stört die Pferdekacke wieder. Bleiben wir also alle daheim und sterben langsam wegen der Blödheit einiger.

29.08.2009
19:27
Stramm auf Atomkurs
von Belenes | #2

Wir brauchen die Atomkraft, weil alles verpennt wurde.
Schalten wir doch die AKW ab! Was passiert dann?

Wir sitzen im Winter mit dem Mantel in der Bude, im Sommer ab 22 Uhr mit ner Kerze am Tisch.
Nix mehr mit tollem Leben, Mittelalter ist angesagt.
Was haben wir davon? Nichts!
Kein Internet, kein TV, kein Radio...

Die Preise sinken nicht, sie werden steigen und ich prophezeihe lockere 40% und die muss der Endverbraucher schlucken oder sterben oder der Steuerzahler zahlt für Untätige mit wie immer und damit bis zu 60% drauf. Das ist die Zukunft in den nächsten 10 Jahren.
Und der Staat will an den angeblichen Überschüssen nach AKW-Abschaltungen auch noch verdienen und 50% haben, okay, alles klar.
Dann schreiben die Stromversorger einfach rote Zahlen und wir zahlen die Verluste und auch noch die entgangenen Staatseinnahmen.
Oh weh, wir sind kurz vor dem Mittelalter.

17.08.2009
20:55
Stramm auf Atomkurs
von Raimund Kamm | #1

In Europa werden ernsthaft neue AKW nur eins in Finnland, eins in Frankreich, zwei in der Slowakei und 4-6 in Russ-land gebaut. Die Atomkonzerne versuchen uns irrezuführen, und behaupten eine Atom-Renaissance. Eine Analyse der amtlichen Zahlen zeigt jedoch Erfreuliches: Die meisten angegebenen Atombauten wurden vor über 20 Jahren begonnen und sind quasi Bauruinen.
Raimund Kamm
www.atommuell-lager.de

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