Stoppt die Erderwärmung - oder nimmt sie zu?
24.11.2009 | 20:00 Uhr 2009-11-24T20:00:00+0100
Essen. Vor dem Klimagipfel in Kopenhagen sind heftige Diskussionen in der wissenschaftlichen Gemeinde entbrannt. Ein Thema dabei: Die Frage, warum die Erderwärmung in den vergangenen Jahren eine Pause eingelegt hat. Zugleich warnen Experten vor einer extremen Zunahme der Erwärmung.
Knapp zwei Wochen vor dem Beginn des Klimagipfels in Kopenhagen sorgt ein bizarr anmutender Vorfall für Unruhe in der Gemeinde der Klimaforscher: Hacker haben Rechner des klimatologischen Instituts der Universität von East Anglia im britischen Norwich geknackt und zahlreiche E-Mails und Dokumente veröffentlicht. Klimaskeptiker lesen aus dem Material heraus, dass die Wissenschaftler Forschungsergebnisse so frisiert haben, dass sie ihre These von einem menschengemachten Klimawandel stützen.
Brisante Mails von Klimaforschern
So schreibt ein Wissenschaftler, er habe bei der Erstellung einer Grafik einen „Trick” angewandt. Eine ausführliche Auswertung des Materials liegt noch nicht vor, der Tenor in den Reaktionen auf die Veröffentlichung lautet aber: Aus dem Zusammenhang gerissen. Zugleich diskutiert die wissenschaftliche Gemeinde aktuell darüber, warum die Erderwärmung derzeit eine Pause macht: Nach Berechnungen eines britischen Institutes erhöhte sich die globale Temperatur zwischen 1999 und 2008 um nur 0,07 Grad Celsius. Prognostiziert waren 0,2 Grad. Als Grund dafür wird unter anderem eine Verminderung der Sonnenaktivität vermutet – am Fortschreiten des Klimawandels gibt es indes wenig Zweifel.
Abseits dieser Diskussionen wirbt die Wissenschaft kurz vor Kopenhagen vehement für ein rechtsverbindliches globales Klimaschutzabkommen. Hauptziel der Konferenz ist es, die Erhöhung der durchschnittlichen Temperatur auf der Erde in diesem Jahrhundert auf zwei Grad Celsius zu beschränken. Nur so können nach Ansicht von Klimaexperten die unvermeidlichen Folgen des Klimawandels – Dürren, Überschwemmungen, Stürme – in einem beherrschbaren Rahmen bleiben.
Um dieses Ziel zu erreichen, müssten sich Industrie- und Schwellenländer auf eine drastische Reduktion ihres jeweiligen Treibhausgas-Ausstoßes verpflichten. Dafür soll ein Nachfolgevertrag für das 2012 auslaufende Kyotoabkommen gefunden werden.
Es mehren sich Anzeichen, dass kein Abkommen zustande kommt
In den vergangenen Wochen haben sich aber die Anzeichen vermehrt, dass in Kopenhagen kein verbindliches Abkommen zustande kommen wird; nicht zuletzt, weil die Entwicklungsländer von den reichen Nationen konkrete Finanzzusagen für Maßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels erwarten. Bis zu 100 Milliarden Euro jährlich müssten dafür von Norden nach Süden fließen.
Am Dienstag meldeten sich Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, und rund zwei Dutzend seiner Kollegen zu Wort. Ihnen zufolge muss der weltweite Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen in fünf bis zehn Jahren seinen Höhepunkt überschritten und bis 2100 auf nahezu Null sinken. Zugleich warnten sie, dass einige Folgen der Erderwärmung früher und heftiger als bislang gedacht eintreten werden. Falls der Treibhausgas-Ausstoß nicht verringert werde, könne sich die Erde bis zum Jahr 2100 um bis zu sieben Grad Celsius aufheizen, warnen die Forscher. Der Meeresspiegel drohe dann um bis zu zwei Meter zu steigen.
Aktuell steige der Meeresspiegel und schmelze das arktische Meereis weit schneller, als bislang gedacht, so die Gruppe. An die Teilnehmer des Gipfels in Kopenhagen appellierte Schellnhuber „den Klimaschutz-Zug” nicht zu verpassen.
Zuvor hatte bereits der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung für globale Umweltveränderungen (WBGU) konkrete Ergebnisse in Kopenhagen angemahnt: „In jedem Fall muss die Verabschiedung von Alibizielen vermieden werden”, so der stellvertrende Vorsitzende Dirk Messner.
US-Amerikaner kommen mit konkreten Zielen nach Kopenhagen
Die US-Amerikaner werden nun doch nicht wie befürchtet mit leeren Händen zum Gipfel kommen. Sie wollen den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids bis 2020 um vier bis sieben Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Das ist indes weit unter dem, was aus wissenschaftlicher Sicht geboten ist. Die EU stellt eine Reduktion um bis zu 30 Prozent in Aussicht. Deutschland hat sich sogar zu einer Verminderung seines Kohelndioxid-Ausstoßes um 40 Prozent verpflichtet.
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