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Gericht

Staatsanwälte als Punktsieger

08.10.2009 | 19:25 Uhr
Staatsanwälte als Punktsieger

Essen. Im Prozess gegen den Top-Chirurgen Prof. Dr. Christoph Broelsch bestätigen immer mehr Patienten die Vorwürfe der Anklage. Die These, die Zeugen sagten aus Enttäuschung über misslungene Operationen gegen den Chirurgen aus, ist mittlerweile mehr als fragwürdig.

Acht Runden geht das jetzt im juristischen Ringkampf zwischen dem Staat und dem Top-Chirurgen Professor Christoph Broelsch. Und Oberstaatsanwalt Hans-Joachim Koch, der Boxkampf-Metaphern liebt, fühlt sich nach den meisten Verhandlungstagen als Punktsieger und geht so in die jetzt kommenden knapp drei Wochen lange Prozesspause.

Während die Verteidiger in der anderen Ecke erstaunlich passiv bleiben – wenn mal jemand einen Konter riskiert, ist es Broelsch selbst. Doch wenn er sich aus der Deckung wagt, kassiert er oft böse Treffer, wenn Patient nach Patient in den Zeugenstand tritt, um die Vorwürfe der Bestechlichkeit und Nötigung zu unterstreichen. So geschehen am sechsten Prozesstag, als er eine Zeugin aus Norddeutschland befragt, deren verstorbener Mann 4000 Euro für die OP spendete, nachdem er am Vorabend der OP erfuhr, dass er spenden solle. Broelsch fragt, ob der Patient sich denn wirklich wegen der Spende aufgeregt habe – oder ob es doch die bevorstehende Operation gewesen sei.

„Er wäre aufgestanden und gegangen”

Da blickt ihn die 58-Jährige an und sagt ein wenig lauter als sonst: „Mein Mann hatte eine Führungsposition inne. Wäre das nur eine Blinddarmoperation gewesen und er dazu in der Lage gewesen, er wäre aufgestanden und gegangen.” Da hat dann auch Broelsch keine weiteren Fragen mehr. So wie sonst, wenn Zeugen sagen, die Spende sei freiwillig gewesen, sie hätten sich auf seiner Privatstation gut behandelt gefühtlt. Eine Privatstation übrigens, die Broelsch auch in einem Brief an einen anderen Arzt so bezeichnet, deren Existenz er aber in Abrede stellt – die sei nur „landläufig so genannt worden”. Faktisch habe es sie nicht gegeben.

Aber Teilerfolge und Entlastungszeugen sind selten – stattdessen kassiert er immer wieder Rückschläge. Mittlerweile verfängt auch die These nicht mehr, dass Zeugen aus Enttäuschung über misslungene Operationen gegen ihn aussagen.

Mutter und Tochter im Zeugenstand

Eine 43-Jährige aus Overrath zum Beispiel, der er erfolgreich große Blutschwämme entfernte, wo andere Ärzte schon von Lebertransplantation sprachen, betont, dass sie 7500 Euro zahlte, weil ihr Broelsch das Gefühl klar machte: Jeder Tag zähle und als Kassenpatientin müsse sie ein halbes Jahr warten. Ihre Mutter brachte das Geld auf, bestätigt im Zeugenstand ihre Tochter. Und dann berichtet sie, wie ein Neurochirurg ihrem Sohn einen Hirntumor entfernte, Professor auch er. Als sie offenbarte, sie sei Kassenpatientin, habe der sie in den Arm genommen und ihr gesagt: „Kleine Frau, ich habe auch eine Kassenzulassung und ich kann mir das leisten.”

Da kann sich Richter Wolfgang Schmidt eine für ihn ungewohnt suggestive Frage nicht verkneifen: „Wie würden Sie das Verhalten Ihres Kollegen beschreiben, Herr Broelsch?” Dessen kurze Antwort: „Sehr philantropisch”. So, als müsse Menschenfreundlichkeit in seiner Position ein Fremdwort sein.

Stephan Hermsen

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Kommentare
08.11.2009
21:01
Staatsanwälte als Punktsieger
von Rudi Radlos | #4

Das stimmt, Herr Coppel. Auch wenn die Ausflüchte des Angeklagten jeden neuen Verhandlungstag genug Anlaß zum Lachen geben. Aber warten wirs einfach ab.

07.11.2009
20:09
Staatsanwälte als Punktsieger
von Ulrich Coppel | #3

Ich wüsste bislang nicht, dass auch nur ein einziger der Vorwürfe bisher als bewiesen angesehen werden darf. Dies liegt aber weder an der Staatsanwaltschaft, noch der Verteidigung, sondern am Verfahrensstand. Erst nachdem ein Urteil gefällt ist gilt die Schuld eines Verurteilten als bewiesen. Und so lange kein Urteil gefällt ist, gilt für jeden Angeklagten die Unschuldsvermutung.

06.11.2009
21:49
Staatsanwälte als Punktsieger
von Rüdiger Benning | #2

Das kann ich nicht nachvollziehen, Herr Schincke. In diesem Prozeß hat die Staatsanwaltschaft durch ihre Zeugen bisher alles beweisen können was sie wollte. Mit den entsprechenden Folgen für den Angeklagten.

06.11.2009
12:26
Staatsanwälte als Punktsieger
von Herold Schincke | #1

„STAATSANWÄLTE“ Punktsieger?

Die Herren sind ein müder „SCHLÄFERHAUFEN“.

Wirtschaftskriminelle werden laufen gelassen.

Verfolgt werden Diebe, welche bei ALDI ein Paket Kaffee stehen.


Herold Schincke

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