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Scharfe Kanten, schimmerndes Glas

07.06.2009 | 18:37 Uhr

Das Ehepaar Herbertz aus Duisburg sammelt Flakons. Sogar Museen fragen ab und zu nach den kostbaren Leihgaben

Sie heißt Coco Chanel und wedelt mit dem Schwanz. Die Dame mit dem berühmten Namen ist eine Irish Soft Coated Wheaten Terrier Hündin und ein Hobby von Horst und Annemarie Herbertz. Ein anderes hat unter anderem mit Chanel zu tun, steht aber schön still in der Vitrine im Wohnzimmer: Flaschen - große, kleine, bunte, alte, nicht irgendwelche. Annemarie und Horst Herbertz sammeln Flakons. Parfüm-Flakons mit einer besonderen Note.

Links und rechts ein Spiegel, eine Treppe und eine elegante Dame: Vor dem Model aus Pappe wandert das Fläschchen über den Laufsteg – Chanel Nr. 5. Annemarie Herbertz (63) lächelt. Chanel Nr. 5 - ein Klassiker unter den Parfümsorten – ist auch ihr Lieblingsparfüm und deswegen ist die Sammelleidenschaft für diese Flakons besonders ausgeprägt. Unten im Bad steht eine riesige Flasche, etwas so hoch wie eine Wasserflasche.

Apropos Wasser: Wer glaubt, dass in den großen Flakons, die bei den Herbertz' oder in den großen Parfümerien im Schaufenster stehen, echtes Parfüm vor sich hin steht, irrt. Drin ist nicht, was drauf steht, sondern nur gefärbtes Wasser.

Flakon aus den 30iger Jahren

Dem Ehepaar geht's es auch gar nicht um den teueren Duftstoff, von dem viele zu viel und manche manchmal viel zu wenig nutzen. Kleine und große Fläschchen zu sammeln, hat etwas mit den Augen zu tun. „Das ist Nuit de Noelle von Caron in einem Flacon aus den 30ziger Jahren. Baccara-Glas”, erklärt Herbertz und hält einen Flakon mit scharfen Kanten und schimmerndem Glas in die Höhe. Die Liebe zum Duft hat das umtriebigen Ehepaar mit eigener Hundezucht und einer Leidenschaft für Golf nicht zum Flakon gebracht. Es ist die Glaskunst.

Mal in Herzchenform, mal Silhouette von Männern und Frauen, wie zum Beispiel bei den Duftkreationen von Jean-Paul Gautier. „Daran kann man gut Entwicklungen erkennen”, sagt der 65-Jährige. Umhüllte den Duft zunächst ein Körper als Glas, ist beim neuen Flakon der Körper als Miniatur in die Parfümflasche gewandert. Besonders stolz sind die beiden aber auf ihre signierten Auflagen: Düfte, die nur in einer bestimmten Stückzahl hergestellt wurden und jetzt abgefüllt in zerbrechlicher Kunst in der Vitrine stehen: Von Bulgari bis zum Flacon der Nina Ricci Düfte aus dem Hause Lalique. Nicht nur schöne, sondern auch wertvolle Stücke hat das Paar in den vergangenen knapp 20 Jahren zusammengesammelt.

Angefangen hat das alles mit einem wohl eher zufälligen Besuch einer Parfümbörse in Belgien. Und weil der dunkle Raum den edlen und mitunter treuen Fläschchen irgendwie nicht ganz gerecht wurde, wie das Paar fand, nahm das Paar die Dinge selbst in die Hand. Dreimal im Jahr laden die beiden nun Sammler aus Italien, Frankreich, Holland und natürlich aus Deutschland ins Duisburger Bert-Brecht-Berufskolleg zur Parfüm-Flakonbörse ein.

Ein ziemliches Unterfangen, wie Horst Herbertz weiß. Seit 1990 gibt's die Börse. Damit die Aussteller immer wieder kommen, schreibt er gut 100 allein und persönlich an.

Wie viel Flaschen bei den beiden im Regal stehen, wissen sie gar nicht so genau. Vor kurzem haben sie umgestattelt – auf Cremeparfüm in aufwendigen Dosen, zum Beispiel in Lippenstiftform oder mit einem Miniaturriesenrad dekoriert. Annemarie Herbertz hat sogar Parfüm in Golfbällen. „Wir finden immer etwas” – und sie werden gefunden. Denn ab und zu fragen sogar Museen nach Leihgaben dieser „Liebhaberei.” NRZ

www.flaconboerse-duisburg.de

Stefanie Bersin

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