Polizei kritisiert geplantes Paintballverbot
08.05.2009 | 21:02 Uhr 2009-05-08T21:02:00+0200
Essen. Das Schießen mit Farbkugeln wird verboten, großkalibrige scharfe Waffen aber können weiterhin benutzt werden. Polizeigewerkschaften, Wissenschaftler und die Angehörigen der Opfer des Massenmords von Winnenden sind irritiert über die Pläne der großen Koalition.
Sicher, Paintball ist ein etwas merkwürdiges Freizeitvergnügen. Mit Masken geschützte und Luftdruckgewehren bewaffnete Erwachsene, meist unter 30, stürmen über ein Spielfeld und beschießen sich gegenseitig mit Farbkugeln. Einige Hunderttausend Deutsche frönen nach Angaben des Forums Pro Paintball regelmäßig diesem eigentümlichen Hobby, viele Spieler sind in Vereinen und Ligen organisiert. Eine moderne Variante von Völkerball sei das und völlig harmlos, sagen die, die es spielen.
Paintball senkt die Schwelle zur Gewaltanwendung und gehört deshalb verboten, sagen Kritiker. Zu denen gehören auch Politiker der Großen Koalition, weswegen Paintballspiele demnächst von der Polizei abgepfiffen werden könnten. Die ist allerdings irritiert über das geplante Paintballverbot. Ohnehin scheinen die Pläne für eine Verschärfung des Waffenrechts ein Schuss aus der Hüfte zu sein.
"Kein zentrales Problem der inneren Sicherheit"
„Paintball ist kein zentrales Problem der inneren Sicherheit”, sagt Konrad Freiberg mit leisem Spott. Freiberg ist Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP) und kann „keinen Zusammenhang” zwischen Paintballspiel und dem Massenmord von Winnenden erkennen, der Auslöser für die jetzt angestoßene Verschärfung des Waffenrechts war.
Rainer Wendt, der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) hält das geplante Verbot des Spiels gar für „völlig überzogen”. Die Politik, sagt er, stehe „kurz davor, die Cowboy-und-Indianer-Spiele zu Karneval zu verbieten”.
Selbstredend erregt sich auch die Szene der Spieler über das Vorgehen der Politik und warnt davor, „bisher unbescholtene Bürger zu kriminalisieren”. Gern verweisen die Paintball-Spieler auf ein Gutachten aus dem Jahr 2000, in dem ihnen attestiert wird, sie könnten nicht als „gewaltaffin” bezeichnet werden. Die Psychologin Linda Steinmetz schreibt darin weiter, in der Szene ließen sich keinerlei Hinweise „hinsichtlich realer Gewalt oder Verrohung” finden.
"Kritische Verstärkung von Gewaltfantasien"
Das freilich sieht der niedersächsische Kriminologe Christian Pfeiffer anders. Er begrüßt das geplante Verbot der Sportart, da sie, ähnlich wie gewaltverherrlichende Computerspiele, „bei gefährdeten Jugendlichen eine kritische Verstärkung von Gewaltfantasien” verursachen könne. Bei Paintball werde das Töten des Gegners simuliert und das „Selbstbild des Kriegers” gefestigt.
Gleichwohl wirft Pfeiffer der Politik mangelnde Konsequenz vor. Der Verzicht auf das Verbot großkalibriger Waffen zeige, dass sich die Schusswaffenlobby durchgesetzt habe. „Bei der Jugend traut sich die Politik Muskeln zu zeigen, in den Kernbereich des Waffenproblems stößt sie nicht vor.”
Auch das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden”, in der sich Angehörige von Opfern des Massenmörders Tim Kretschmer zusammengeschlossen haben, kritisiert die Ankündigungen der Politik als bloße „Kosmetika”. „Wir wollen ein generelles Verbot für großkalibrige Waffen im Privatbesitz”, so Gisela Mayer, eine Sprecherin des Aktionsbündnisses.
Verfassungsbedenken gegen unangemeldete Kontrollen
Ein weiterer Aspekt der geplanten Verschärfung des Waffenrechts sind unangemeldete Hausbesuche bei Waffenbesitzern. Dabei soll verdachtsunabhängig kontrolliert werden, ob die Waffen ordnungsgemäß und sicher aufbewahrt werden. „Ich bin skeptisch, ob solche Maßnahmen verfassungsrechtlich zulässig wären”, so der Göttinger Verfassungsrechtler Werner Heun. Schließlich stelle ein solches Vorgehen einen „gravierenden Eingriff in die Privatsphäre” dar.
Zudem stellt sich die Frage, wer solche Kontrollen durchführen soll. „Wir möchten so etwas nicht tun. Das müsste eine Aufgabe der Ordnungsämter sein”, so Polizeigewerkschafter Konrad Freiberg. Sein Kollege Rainer Wendt von der DPolG hätte damit zwar kein Problem, bezweifelt, dass dafür genügend Personal vorhanden ist: „Jede noch so gute Absicht einer Kontrollverstärkung kann nur funktionieren, wenn die Sicherheitsbehörden das auch leisten können.” Da in den vergangenen zehn Jahren über zehntausend Stellen bei der Polizei weggefallen seien, „sehen wir schwarz, dass dies gelingen kann”.
- Winnenden-Angehörige für schärferes Waffengesetz
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- Pro Verbot: Paintball ist Kriegspielen für Fortgeschrittene
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- Diskussion: Paintball und Gotcha sollen verboten werden - ist das der richtige Weg oder übertriebener Aktionismus?
13:36
Ich würde einfach alles verbieten. Das ist am sichersten und man hat garantiert nichts vergessen.
Der Vorteil liegt darin, dass so ein Allgemein- und Alles-Verbot auch das Atmen beinhaltet.
Viel Spaß beim Ersticken... es mieft eh schon genug.
10:43
Juppi, dann wird der armsehlige Schulsport bestimmt auch bald verboten, dortige Spiele ähneln Kampfhandlungen eher als Paintball bei dem Schulsystem
10:09
Das Gutachten wird leider keinen der Verantwortlichen interessieren.
Von so etwas unwichtigem wie Fakten lassen unsere Politiker sich doch nicht beirren.
Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich in Anbetracht dieses populistischen Massenwahns in Berlin kotzen möchte!
09:47
Ich möchte mich zunächst von einer grausamen und abscheulichen Tat, wie einem Amoklauf, distanzieren und spreche gleichwohl mein Mitgefühl für die Opfer und ihren Angehörigen aus.
Eine solche Tat muss bis ins Kleinste analysiert werden, um in Zukunft sicherer leben zu können.
Ich muss meinen Vorrednern allerdings recht geben. KEIN Spiel macht einen Menschen zum Amokläufer, sondern seine sozialen Bedingungen. Oben wurden bereits viele gute Vorschläge gemacht (z.B. #22).
Für die Leute, die keinen Schnellschuss machen wollen, hab ich hier einen Link zu einem im Jahre 2000 erstellten psychologischen Gutachten über Paintballspieler:
http://hosting.pbportal.de/files/2006/news/paintball-gutachten-linda-steinmetz-2000.pdf
09:43
Gibt es auch vielleicht bald eine Prämie, wenn ich jemanden erwische oder weiß, wer Pinball spielt.
Könnte dann mein Taschengeld steuerfrei aufbessern, brauche ja dann nur an den Türen in Plattenbauten zu horchen, kleine Notiz mit Name, Uhrzeit und eidestattlicher Versicherung.
WIE..... hatten wir schon mal???
DONG...DONG...DONG...hier ist Radio LONDON!!!!
oder so ähnlich.
Gruß an Herrn Schäuble
von
NICO
12:48
Ich bin irgend wie Froh haben nicht nur wir so hohle Politiker in der Schweiz. Es kann wirklich nciht sein dass Paintball (als Gewaltfördernder) sport verboten wird, die Herren Politiker und sportschützen aber immer noch ihre Waffen zuhause haben dürfen!! Was ist eigentlich mit Fechten und Boxen wird da nicht gelehrt zu töten ???
2. Wenn alle Amokläufer Paintballer gewesen wären (hätte noch nie gehört dass auch nur einer diesen Sport betrieben hat, Leider waren alle im Sportschiessverein oder sicher jemand aus Ihrem Umfeld) dann könnte ich mich damit abfinden !!!! aber so .. Nein Nein Nein
PS: in der Schweiz wollen sie es auch verbieten !!! Bei einer der grössten Parteien der Schweiz steht weit oben auf Ihrer PAge 200 Arbeitlose mehr pro Tag -- Wir machen etwas dagegen, Ja das tun sie mit dem Verbot sie stellen wieder Tausende auf die Strassen weil Sie mit Paintball Ihr täglich Brot verdieden!!!
07:01
Das ist ein echter Witz! Ich bin selber 17 und verstehe nicht wovor mich das Schützen soll? Die Spielfelder und Makierer sind doch eh erst mit 18 zu bekommen und da halten sich auch die Betreiber einer solchen Anlage dran. In meinen Augen hat es die Regierung es bei mir schon verschissen. So einen Sport überhaupt mit einen killer fördernden Sport wie Schützenvereine(wo mit echter Munition auf Zielscheiben mit Punkteskala geschossen wird) zu vergleichen ist eine frechheit!
20:28
@26 xyz
das haben wir doch schon, nur bewaffnen sollte man die Abgeordneten!!!
20:24
beim lesen von sowas bekomm ich echt schlechte laune.
wenn das paintball verbot in kraft tritt bitte ich alle verrückten deutschen im bundestag amok zu laufen. danke
19:41
Komischerweise wird man ab dem 18. Lebensjahr zur Bundeswehr eingezogen, um an der Waffe ausgebildet zu werden.........