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Poldi-Ausraster bleibt unbestraft

02.04.2009 | 19:21 Uhr

Auseinandersetzung mit Kapitän Ballack überschattet 2:0-Sieg in Wales – „Friedensgipfel” noch in der Nacht

Cardiff. Gegen Mitternacht, zwei Stunden nach dem Spiel, setzte Joachim Löw im St. David's Hotel in Cardiff eine eilig einberufene Mannschaftssitzung an. Die Sache mit der Backpfeife von Lukas Podolski gegen Michael Ballack war sofort aufzuklären und auszuräumen. Die Urteilsbegründung wurde von der Teamleitung umgehend verfasst: Podolski durfte niemals auf die Aufforderung von Kapitän Ballack zu besserer taktischer Arbeit mit offener Aggression reagieren. Das Urteil des Blitzprozesses wurde ebenso schnell gefällt: „Poldi“ bleibt offiziell straffrei, aber es ist davon auszugehen, dass er einige Zeit auf Bewährung spielt.

Heftige Rüge vor

versammelter Mannschaft

„Er hat die Anweisungen von Michael zu befolgen. Lukas hat das zu akzeptieren“, erklärte Löw. Er erteilte dem 23-Jährigen eine heftige Rüge, im Einzelgespräch, dann bei der Krisensitzung vor versammelter Mannschaft, schließlich noch in einem Extra-Meeting mit Assistent Hansi Flick, Teammanager Oliver Bierhoff sowie Ballack.

Die Teamleitung war verärgert, dass das 2:0 (1:0) gegen Wales in der WM-Qualifikation überlagert wurde von dieser hässlichen Kontroverse in der 67. Minute. Für das Image des Vize-Europameisters war der heftige Zoff ein neuer empfindlicher Schlag nach dem Streit zwischen Ballack und Bierhoff nach dem EM-Finale.

Von wegen angenehmes

Betriebsklima!

Löw war vom neuen Reizklima völlig überrascht. „Die Mannschaft war selten so kommunikativ wie in den letzten Tagen“, erklärte der Bundestrainer. Nach den heftigen Konflikten, die er im Herbst mit Ballack und Torsten Frings austragen musste, hatte Löw gehofft, dass sich dauerhaft ein angenehmes Betriebsklima bilden würde.

Das Alpha-Tier, das von einem rebellierenden Rudelmitglied attackiert worden war, stellte verbal die Rangfolge klar: „Ich bin Kapitän, er hat auf dem Platz das zu machen, was ich sage. Wenn er anderer Meinung ist, dann müssen wir das nach dem Spiel klären“, erklärte Ballack. „Er war leider anderer Meinung. Dann auch noch handgreiflich zu werden, war natürlich nicht schön. Er hat noch viel zu lernen. Ich denke, er hat seinen Fehler schon eingesehen“, sagte der 32-Jährige.

Doch im Millennium-Stadion machte Podolski diesen Eindruck nicht. „Ich bin einer, der Emotionen zeigen kann, aber das wird intern geklärt. Wir sind Profis genug, dass wir das klären können“, sagte der Stürmer vor den TV-Kameras. Wenig später reagierte er wie ein verschmitzt lächelnder Lausbub, dem ein Streich gelungen war. Auf kritische Fragen reagierte er pampig.

Der Vorfall tue Podolski leid, erklärte Bierhoff gestern früh vor dem Flug von Cardiff nach Frankfurt. Aber eine Entschuldigung von „Poldi“ an Ballack, der zur gleichen Zeit mit dem Auto nach London fuhr, war ausgeblieben. „Sie haben sich tief in die Augen geschaut und abgeklatscht“, berichtete Bierhoff von der Friedensverhandlung im Quartier.

Die Teamleitung versuchte den Zusammenstoß herunterzuspielen. Auch Ballack wollte kein Öl ins Feuer gießen: „Poldi ist ein Typ, der nicht für so etwas bekannt ist. Trotzdem ist sowas unschön.“

„Fußball ist ein emotionaler Sport. Anschnauzen ist okay, aber so etwas darf es nicht geben“, erklärte Oliver Bierhoff.

Ballack beteuerte später, er habe „nur eine taktische Anweisung“ gegeben. Podolski sei frustriert gewesen, weil für ihn als Stürmer „nach vorne wenig ging“ und „dann bekam er verbal noch einen mit“.

Wie sensibel und kompliziert die Sache ist, machte Bierhoff gestern Morgen deutlich. „Mit Disziplinarmaßnahmen tut sich der DFB schwer. Es wird keine Geldstrafe oder sonstige Sanktionen geben“, sicherte er Podolski Straffreiheit zu.

Eine Nichtberücksichtigung für die Reise nach Asien Ende Mai fände die Teamleitung zu hart, zumal für die Spiele in Shanghai und Dubai Engpässe zu erwarten sind. „Das Wichtigste ist, dass nichts hängen bleibt“, so Bierhoff. NRZ

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Gregor Derichs

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