Pekings Dilemma
25.05.2009 | 17:09 Uhr 2009-05-25T17:09:00+0200
Nordkoreas Atomtest ist ein harter Schlag für Chinas Bemühungen.
Den ganzen Tag lang schwieg das Pekinger Außenministerium zu dem jüngsten Atomtest Nordkoreas. Dann, nach neun Stunden, eine kurze Erklärung auf der Website: China lehne den Atomtest im Nachbarland entschieden ab, hieß es. Er sei eine Missachtung der internationalen Gemeinschaft und des Ziels, einer atomwaffenfreien koreanischen Halbinsel
Der zögerliche Umgang mit dem Verhalten des kleinen, aber störrischen Nachbarn offenbart einmal mehr Chinas Dilemma. Die Politik der leisen Diplomatie und des sanften Druckes, mit dem man Nordkorea seit geraumer Zeit zur Aufgabe seines Atomprogramms zu drängen versucht hatte, ist vorerst gescheitert. Aber vor einer härteren Gangart gegenüber Kim Jong Il schreckt Peking bislang noch zurück.
„Wir haben lange gedacht, das nordkoreanische Atomprogramm sei vor allem dazu da, in den Verhandlungen Druck ausüben zu können“, sagt Cai Jian, Nordkorea-Experte an der Fudan-Universität in Shanghai. „Aber jetzt wird deutlich, dass Nordkorea tatsächlich eine Atommacht werden will.“ China war bislang immer daran gelegen, die Militärmachthaber in Pjöngjang nicht zu verprellen. Und auch jetzt dürfte Peking nach Einschätzung chinesischer Experten weiterhin auf Mäßigung setzen.
Dabei wächst der Druck auf die Chinesen, ihren wirtschaftlichen Einfluß im verarmten Nachbarland auch politisch zu nutzen. Mit keinem anderen Land macht Nordkorea so viele Geschäfte wie mit China. Das Handelsvolumen betrug im vergangenen Jahr zwar nur 2,8 Milliarden Dollar – aber die Kooperation mit China ist für das hungerleidende Nordkorea extrem wichtig. China ist zudem das einzige Land, das freundschaftliche Beziehungen zu Nordkorea pflegt.
Vetorecht im Sicherheitsrat
„Die Chinesen müssen ihren Einfluss nutzen, um Nordkorea wieder an den Verhandlungstisch zu bringen,“ hieß es gestern in einer Erklärung der Vorsitzenden des amerikanischen Repäsentantenhauses, Nancy Pelosi, die sich derzeit in China aufhält.
Doch härtere Sanktionen gegen Nordkorea seien mit China kaum zu machen, heißt es in chinesischen Expertenkreisen. Als ständiges Mitglied im Weltsicherheitsrat hat China ein Vetorecht und könnte entsprechende Vorstöße der USA oder anderer Länder blockieren. Denn mehr als alles andere fürchtet China Instabilität an seiner 1400-Kilometer langen Grenze zu Nordkorea oder gar Flüchtlingströme, falls sich die wirtschaftliche Lage jenseits der Grenze drastisch verschlechtern sollte.
Außerdem hat China bislang den kleinen Nachbarn immer auch als Pufferzone gegen die USA und ihre Verbündeten gesehen. Amerika unterhält in Südkorea große militärische Stützpunkte. NRZ
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