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Peking hat nichts verstanden

17.04.2008 | 23:02 Uhr

Das Riesenreich schottet sich ab, statt sich zu öffnen

Es gibt Hinweise darauf, dass China während der Zeit der Olympischen Spiele keine ausländischen Studenten im Lande haben möchte. Offiziell ist das zwar weder von chinesischer noch von westlicher Seite bestätigt worden, aber die Quelle für die ungeheuerlich klingende Nachricht sind laut Agenturmeldung zwei Universitäten in Peking. Vorsicht ist also bei der Beurteilung angebracht und man muss sich davor hüten, in einem verständlichen Reflex auf die chinesische Gewalt in Tibet und die Menschenrechtsverletzungen verbal draufzuschlagen.Doch bei aller gebotenen journalistischen Zurückhaltung angesichts der nicht eindeutigen Nachrichtenlage, muss deutlich gesagt werden: Selbst wenn es sich nur um zwei Unis handeln sollte, wäre es symptomatisch, wenn Peking die Jugend der Welt beim Fest der Jugend der Welt nicht dabei haben wollte - aus Angst vor potenziellen ausländischen Unruhestörern.

Es passt ins Bild, und man möchte, auch wenn es naiv ist, der kommunistischen Führung zurufen: Bleibt doch unter Euch, wenn Eure Angst angesteckt zu werden so groß ist. Das Riesenreich schottet sich ab, anstatt sich zu öffnen und so der Welt zu signalisieren: Wir haben verstanden.Zugesagt war, dass Journalisten vor den Sommerspielen frei reisen und arbeiten dürfen. Das ist nicht der Fall. Ausländischen Korrespondenten ist beispielsweise der Besuch Tibets verboten. Darüber hinaus treffen verschärfte Einreisebestimmungen Geschäftsleute und Touristen. Der Protest der europäischen Handelskammern, die negative Geschäftsauswirkungen befürchten, fiel bisher nicht auf fruchtbaren Boden.Die ohnehin scharfe Kontrolle des Internets ist noch verschärft worden. Tausende Zensoren sind im Einsatz, um Unbotmäßiges zu streichen.

Es mag seltsam klingen, aber immer klarer kristallisiert sich heraus, dass die Entscheidung richtig war, die Olympischen Spiele nach Peking zu geben. Denn die Scheinwerfer der Welt sind auf das totalitäre Regime gerichtet und leuchten in viele dunkle Ecken. Peking hat Angst, sein Gesicht zu verlieren - und hat es schon längst verloren.

j.rindfleisch@nrz.de

JOACHIM RINDFLEISCH

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