Opel-Pläne in Trümmern
04.11.2009 | 19:27 Uhr 2009-11-04T19:27:00+0100
General Motors will seine Tochter nun doch behalten. US-Autobauer schlägt Widerstand entgegen. Am Donnerstag Demo in Bochum
An Rhein und Ruhr. Nach der Entscheidung von General Motors, Opel nun doch behalten und nicht an Magna verkaufen zu wollen, schlägt dem US-Autobauer massiver Widerstand entgegen. Mit Protestaktionen und Arbeitsniederlegungen will die Opel–Belegschaft ab heute Druck auf das Management ausüben. „Wir sind stinksauer”, sagte Oliver Burkhard, NRW-Bezirksleiter der IG Metall, der von „Rock'n'Roll-Kapitalismus” sprach. Die Opel-Belegschaft in Bochum habe „keinen Funken Vertrauen” mehr. Die mit den Arbeitnehmern vereinbarten Zugeständnisse für den Fall eines Verkaufs an Magna seien „gegenstandslos und auf Null gestellt”. Dies unterstrich auch Europas obers-ter Metallgewerkschafter Peter Scherrer. GM jedoch setzte die Arbeitnehmer unter Druck, ihren Sanierungsbeitrag für Opel auch unter dem Dach von GM zu leisten. Sollte es zu keiner Einigung über die Restrukturierung kommen, hätte dies die Insolvenz von Opel zur Folge, hieß es.
Der Bochumer Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel sagte: „Wir sind bereit, schmerzhafte Einschnitte zu akzeptieren” – aber nur, wenn es als „Gegenwert” Standort- sowie Arbeitsplatzsicherheit gebe. Konzernbetriebsratschef Klaus Franz betonte: „Den Weg zurück zu Opel werden wir nicht mitgestalten.” Auch NRW-Kirchenvertreter kritisierten die GM-Kehrtwende.
Die GM-Spitze lasse „die Arbeitnehmer im Regen stehen”, sagte NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) und sprach vom „hässlichen Gesicht des Turbokapitalismus”. Die Landesregierung werde für Opel und den Standort Bochum kämpfen. Am Freitag treffen sich die Ministerpräsidenten der Opel-Länder mit der Bundesregierung zur Lageberatung. Drei Ziele, so Rüttgers, seien unverzichtbar: Standortschließungen und betriebsbedingte Kündigungen dürfe es nicht geben. Wenn es zu Personalabbau komme, müsse dies sozialverträglich geschehen.
Kritik über Parteigrenzen hinweg
Auch in Berlin haben Politiker über die Parteigrenzen hinweg empört auf den Entschluss von General Motors reagiert, Opel nun doch nicht an Magna zu verkaufen. Sowohl SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier als auch dessen Stellvertreter Hubertus Heil nannten das Vorgehen und den zeitlichen Ablauf von GM eine „Unverschämtheit”. „An dem Tag, an dem Angela Merkel in Washington die deutsch-amerikanische Freundschaft be-schwört, stellt der GM-Verwaltungsrat die Zukunft der Standorte und Arbeitsplätze in Deutschland grundlegend infrage”, sagte Steinmeier. Es müsse jetzt schleunigst ein Standort- und Beschäftigungssicherungskonzept für Opel vorgelegt werden.
Harsch fiel die Kritik der Linkspartei aus. „Während die Kanzlerin vom US-Kongress beklatscht wird, zieht sie der staatseigene GM-Konzern am Nasenring durch die Manege. Wie viel ist eine solche transatlantische Partnerschaft eigentlich wert, wenn sie ausgerechnet beim Kampf um die Erhaltung von Arbeitsplätzen scheitert?”, fragte Fraktionschef Gregor Gysi. Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin machte Angela Merkel (CDU) für den gescheiterten Verkauf verantwortlich. „Merkels Brückenfinanzierungsmodell lieferte die Bundesregierung der Erpressung durch GM aus, ohne ihr wirklichen Einfluss zu sichern.”
Der CDU-Wirtschaftsexperte Michael Fuchs sah in Ex-Außenminister Steinmeier den Schuldigen für den geplatzten Opel-Verkauf. Dieser habe „früh und einseitig” nur auf Magna gesetzt und die Union unter Zugzwang gesetzt. NRZ
21:33
Es besteht immer noch die Frage, ob die neue Situation schlechter ist als der Deal mit Magna; auch dieser Interessent würde 10.000 Arbeitsplätze und mehrere Standorte abbauen - dazu kommt die aktuelle schlechte wirtschaftliche Situation und die Vorbehalte großer Kunden aus der Automobilindustrie gegen einen Zulieferer, der demnächst PKW-Produzent und damit Konkurrent sein könnte.
11:25
Langsam aber sicher kommt die Bevölkerung dahinter,
dass jeder DEUTSCHE
in „HARTZ IV“ landen kann
und was dann?
Herold Schincke
07:44
Wenn Opel Bochum kaputt geht, wird das einen Dominoeffekt auslösen, der die Region gänzlich ruiniert. Nicht nur Opel und die Zulieferer gehen bei dem US-amerikanischen Monopoly-Deutschland drauf, sondern auch der Einzelhandel, der ebenfalls von den deutschen Autobauern lebt(e).
Die amerikanische Erpressungspolitik made by GM bringt eben nicht nur OPELANER in Gefahr, sondern auch alle anderen in der Region; Mittelstand wie Kleingewerbe werden durch die mutwillige Zerstörung von Opel durch GM im Sog der dann untergehenden Opel mitgezogen.
Das ist eine Tatsache, der man sich nicht verschließen darf!
06:41
Das ist jetzt die Quittung für eine seit Jahrzehnten verfehlte Industrie- und Mobilitätspolitik. Deren Folgen sind in Deutschland mit Händen zu greifen:
# Zersiedelte Landschaften,
# Tote Innenstädte,
# ineffizienter ÖPNV,
# Abhängigkeit von Kuffnuffenregimen wegen Treibstofflieferungen,
# wegen Bewegungsarmut kranke Menschen,
# etc pp.
Wenn jetzt bei Opel in Bochum Feierabend ist, dann ist das auch eine Chance zum Umdenken in ganz Deutschland. Die Stadt Bochum hat das jedenfalls schon begriffen und lässt zur Zeit die Radverkehrsanlagen in der ganzen Stadt auf ihre Verkehrssicherheit überprüfen. Das war vor der Opelkrise noch völlig undenkbar, die Politik kannte die Welt nur aus der Windschutzscheibenperspektive.
22:44
Jaja, bei Opel wurde schweinisch viel verdient. Die Jungs hatten jahrzehnte Sonnenschein auf ihrer Seite. Ging ein kleiner Betrieb kaputt, juckte das keine Socke. Wieso also den Großen Riesensummen in den Rachen schmeißen - auf Kosten aller Steuerzahler?!
22:26
Hallo Opelaner! Wir sehen uns ... und zwar bei der Leiharbeit ... Ihr wißt schon, die Art der Arbeitnehmer, die bei euch so mies behandelt wurden.