Olympische Küsse für den Frieden
10.08.2008 | 21:29 Uhr 2008-08-10T21:29:00+0200Peking. Der Krieg im Kaukasus schwappt zu den Spielen herüber. Demonstrative Umarmung zwischen russischer und georgischer Medaillengewinnerin. IOC-Präsident Rogge versucht es wieder mal nur mit stiller Diplomatie.
Die Sportler mussten es richten. Dabei sind doch gerade ihnen politische Botschaften verboten worden im Vorfeld dieser politisch so brisanten Spiele. Monatelang war diskutiert worden, über die ominöse Regel 51 der Olympischen Charta. Nun, zwei Tage nach Beginn des Krieges zwischen Russland und Georgien, zwei Tage nach der Eröffnungsfeier der Spiele der XXIX. Olympiade, boten zwei Sportschützinnen eine weltweit verbreitete Geste der Versöhnung. Es war eine politische Geste. Es war eine menschliche Geste. Ausgerechnet von Schützinnen, wie makaber.
Kein Interesse an der chinesischen Siegerin
Dass die Chinesin Guo Wenjun am Sonntag die Goldmedaille im Luftpistolenschießen gewann, interessierte kaum jemanden. Neben ihr standen auf dem Siegerpodest die zweitplatzierte Russin Natalja Paderina und die drittplatzierte Georgierin Nino Salukwadse, die 1988 schon für die Sowjetunion Gold gewonnen hatte. Paderina und Salukwadse umarmten sich lange, sie küssten sich und sagten danach kluge, bedächtige Worte, die man seit Ausbruch des Krieges vermisst hatte an den olympischen Stätten. „Die Politiker sollen sich endlich an einen Tisch setzen und die Situation klären“, sagte Salukwadse mit Tränen in den Augen. „Für Hass ist in dieser Welt kein Platz. Das können Olympia und wir Sportler zeigen.“ Normaler Weise ist es unpassend, wenn Sportreporter Sportler beklatschen. In dieser Situation war der Beifall zu verzeihen.
Am Sonnabend hatten die 35 georgischen Athleten eine Resolution verabschiedet und Russland aufgerufen, das Bombardement in Südossetien einzustellen. Der russische NOK-Sprecher Gennadi Schwets hatte laut der Londoner Tageszeitung „Guardian“ den georgischen Präsidenten Michail Saakaschwili als „dumm, kriminell und geisteskrank“ bezeichnet. Verbittert wurde um den Verbleib der georgischen Mannschaft in Peking gerungen. IOC-Präsident Jacques Rogge konferierte in der Nacht mit Georgiern und Russen. Beide Mannschaften erklärten schließlich, nicht abzureisen.
Russlands Premierminister und eigentlicher Regent Wladimir Putin, war Zeuge der Eröffnungsfeier – zu einem Zeitpunkt, da am Kaukasus bereits gebombt und gemordet wurde. Putin sprach in Peking auch mit IOC-Präsident Jacques Rogge. Laut IOC-Sprecherin Giselle Davies wurde nicht über den Konflikt geredet.
Putins Sotschi liegt ganz in der Nähe
Nur wenige hundert Kilometer vom Kriegsgebiet entfernt liegt Sotschi, Putins Residenzstadt, in der 2014 die Olympischen Winterspiele ausgetragen werden. Der Sicherheitsaspekt in dieser Region war bei der IOC-Entscheidung vor einem Jahr, wie vieles andere auch, konsequent vernachlässigt worden.
Jacques Rogge beließ es in der Frage des Kaukasus-Krieges wieder bei der stillen Diplomatie, die er bevorzugt und schon im Frühjahr in der Tibet-Krise als einzig wirkungsvolles Mittel gepriesen hatte. So gab es bis gestern kein offizielles Statement des IOC.
Die über Jahre propagierte Idee des Olympic Truce, der olympischen Waffenruhe, ist offenbar sanft entschlummert. Zwar hat UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon in seiner Grußbotschaft daran erinnert, dies aber allgemein, ohne aktuelle Konflikte aufzugreifen. Olympic Truce ist eines der eingetragenen IOC-Markenzeichen. Doch wer die entsprechende Internetseite aufruft, findet den letzten Eintrag am 16. Juli: Es geht um das Jahr der griechischen Kultur in China. Zum Mord an einem US-Olympiagast hat das IOC dagegen in Windeseile ein Statement des Bedauerns verbreitet.
Dieser Umstand verwundert. Rogges Vorgänger Juan Antonio Samaranch hat einst auf der Eröffnungsfeier der Winterspiele 1994 in Lillehammer demonstrativ Frieden auf dem Balkan eingefordert: „Hört auf zu kämpfen! Legt die Waffen nieder!“ Natürlich war das nur ein Symbol, oft wurde Samaranch dafür kritisiert. Was aber mehr mit seiner Vergangenheit als franquistischer Sportminister zu tun hatte. Rogge jedoch verzichtete auf die Möglichkeit, eine solche Botschaft auszusenden. Andererseits: „Da waren wer weiß wie viele Staatsoberhäupter im Stadion, die hätten ihn doch ausgelacht“, sagte ein IOC-Mitglied. Einer der Gäste, die ein paar Tage durch Peking tingeln und sich viele Sportarten anschauen, ist US-Präsident George W. Bush, der selbst Krieg führt im Irak. Und der es nicht versäumte, Russland zur Mäßigung im Kaukasus aufzurufen. (NRZ)
04:04
Sie haben ganz und gar Recht, Herr Bentler.
Sind sind aber auch ein Optimist, wenn sie von Webseiten wie dieser qualitativ hochwertigen Journalismus erwarten.
Die Leserschaft reflektiert oft das Niveau der Zeitung. Es gilt auch hier Angebot und Nachfrage.
Dass Sie das auch so sehen, ersehe ich aus Ihrem Kommentar am Ende ihres Posts.
22:27
Ihre Art der Berichterstattung ist mit ekelhaft nur unzureichend beschrieben.
Sie unterstellen Schützinnen eine makabre,politische Geste.
Es ist unpassend,wenn Sportreporter Sportler beklatschen.Grosszügig verzeihen sie das.Wegen der besonderen Situation.
Herr Rogge beliess es wieder bei der stillen Diplomatie,die er bevorzugt.
Usw.Usw.
Mister Bush und gleichgesinnten politischen Persönlichkeiten ist es nun also endgültig gelungen,
die Olympischen Spiele zu politisieren.
Oder wollen sie mich glauben machen,dass China die
Spiele aus sportlichen Gründen zugesprochen bekam?
Ich vergass:Mr.Bush tingelt derzeit durch Peking.
Why????
Damit sie ein Argument haben mich mattzusetzen.
Ich bin Jahrgang 1934.