Nico Hülkenberg startet in der Formel 1 durch
03.11.2009 | 08:53 Uhr 2009-11-03T08:53:00+0100
Emmerich. Er ist 22 Jahre alt, kommt aus Emmerich - und wird in der kommenden Saison für Williams im Formel 1-Cockpit sitzen: Nico Hülkenberg wurde von dem traditionsreichen britischen Rennstall vom Test- zum Stammfahrer befördert. "Wir haben uns riesig gefreut", sagt Vater Klaus-Dieter Hülkenberg.
Wenn Nico Hülkenberg in den kommenden Wochen die Reifen richtig quietschen lassen will, dann kann er das nur mit dem Gabelstapler auf dem Gelände der elterlichen Spedition in Emmerich. Aus Sparzwängen herrscht in der Formel 1 derzeit ein Testverbot. Bis Dezember. Dann aber will der 22-Jährige richtig durchstarten.
Der Williams-Rennstall gab gestern offiziell bekannt, dass Nico Hülkenberg in der kommenden Saison vom Test- zum Stammfahrer befördert wird. Er wird mit dem brasilianischen Routinier Rubens Barrichello die Cockpits des britischen Traditionsrennstalls besetzen. „Wir haben uns natürlich riesig darüber gefreut, dass sich Williams für Nico entschieden hat”, so die Reaktion von Vater Klaus-Dieter Hülkenberg, der mit seiner Frau Susanne, Nicos Schwester Stephanie und den Großeltern – den größten Fans ihres Enkels – auf diese Nachricht angestoßen hat.
"Lohn für viele Entbehrungen"
„Das ist der bis jetzt größte Schritt und Lohn für viele Entbehrungen.” Dabei sei die Familie schon seit längerem fest davon ausgegangen, dass Nico tatsächlich den großen Sprung schaffen wird. „Williams hatte uns schon vor einigen Wochen signalisiert, dass das Team die Option auf eine Vertragsverlängerung bei Nico ziehen wird, noch bevor sich das Fahrerkarussell so richtig zu drehen begann”, verrät Klaus-Dieter Hülkenberg, der der Formel 1-Premiere seines Sohnes in Bahrain bereits entgegenfiebert. „Ich war bisher bei allen ersten Rennen von Nico dabei und werde das, wenn es eben geht, auch im März.”
Einer, der sich ebenfalls mit dem 22-Jährigen freut, ist Dieter Tersluisen. „Der Nico hatte schon früher immer gesagt, dass er in die Formel 1 will. Da haben ihn alle belächelt”, erzählt der 49-Jährige, der den Werdegang seines Nachbarn von Kindesbeinen verfolgt hat und mit ihm in den vergangenen Jahren auch so manches gemeinsame Lauftraining absolviert hat. „Für die Stadt Emmerich ist er der erste prominente Werbeträger seit Fußball-Weltmeister Rainer Bonhof.”
Früh übt sich ...
Schon sehr früh war klar, dass Hülkenberg ein ganz großes Motorsporttalent ist. Als Teenager wurde er deutscher sowie italienischer Kartmeister und gewann 2005 die Formel BMW ADAC Meisterschaft. 2006 durfte er über den Titel beim A1 Grand Prix jubeln.
In der darauffolgenden Saison wechselte der Emmericher in die Formel 3 Euroserie. Im ersten Jahr wurde Hülkenberg Dritter in der Fahrerwertung. Vor ihm landeten Romain Grosjean und Sebastien Buemi, die mittlerweile auch den Aufstieg in die Formel 1 geschafft haben.
Ehrgeizig und abgeklärt
Im August 2007 ein weiterer Schritt. Der Emmericher gewann das prestigeträchtige Formel 3-Masters in Zolder. 2008 folgte der Gesamtsieg in der Formel 3. Hülkenberg stieg schließlich 2009 in die GP2 auf. Zu diesem Zeitpunkt hatte er schon länger einen Testfahrervertrag bei Williams in der Tasche.
Neben seinen sportlichen Ambitionen beeindruckt der ehrgeizige und bereits sehr abgeklärt wirkende Emmericher die Führungscrew um Teambesitzer Sir Frank Williams mit seinem Engagement abseits der Piste. Vor Ostern zog der Niederrheiner in eine kleine Single-Wohnung in der Nähe von Oxford, um in der Fabrik von Williams als „Praktikant” in Grove hautnah am Geschehen zu sein.
"Genauso akribisch wie Michael!"
So hatte er direkten Einblick in alle Abläufe und technischen Fortschritte. Und beinahe fast jede Schraube der Boliden selber in der Hand. „Nico ist genauso fleißig und akribisch wie Michael”, ist Willi Weber voll des Lobes über seinen talentierten Schützling. Der langjährige Manager des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher wollte eigentlich keinen Piloten mehr betreuen – bis ihm Nico Hülkenberg auffiel, den er Ende 2006 unter seine Fittiche nahm.
Spätestens da nahm die eh schon verheißungsvolle Karriere des Emmerichers richtig Fahrt auf. Dass das Ziel am Ende die Formel 1 sein sollte, daran ließ das Gespann nie einen Zweifel. Hülkenberg hielt dann auch dem Druck der Erwartungen stand und nahm Sprosse für Sprosse auf der Karriereleiter. Und auch in der Königsklasse will der 22-Jährige keineswegs nur das Feld auffüllen. So ließ Weber bereits verlauten: „Ich denke, dass er seinen Teamkollegen Barrichello im Griff haben wird”.
09:13
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.