"Nicht im Krieg mit dem Islam"
06.04.2009 | 17:46 Uhr 2009-04-06T17:46:00+0200
Viel Beifall für die Rede von US-Präsident Barack Obama vor dem türkischen Parlament. Der designierte Natto-Generalsekretär Rasmussen entschuldigt sich nicht.
Als Barack Obama gestern kurz nach drei Uhr nachmittags das Parlamentsplenum von Ankara betrat, da wurde er von den Abgeordneten höflich begrüßt. Als er kurz vor vier wieder ging, wurde er gefeiert. Auch in der Türkei hat der amerikanische Präsident persönlich wesentlich bessere Zustimmungsraten als die bisher von seinem Land verfolgte Außenpolitik.
Schon die bloße Tatsache seines Besuches in der Türkei, die erste Visite in einem muslimischen Land seit seiner Amtsübernahme, wurde in Ankara als Beweis für die Bedeutung gewertet, die Washington dem türkischen Verbündeten zumisst. Von Ankara aus richtete Obama zudem eine versöhnliche Botschaft an die islamische Welt: „Die USA befindet sich nicht im Krieg mit dem Islam und wird dies auch niemals sein.”
Anders als George W. Bush
Damit ließ der neue amerikanische Präsident ein Hauptziel seines Besuches in der Türkei erkennen. Er wollte seinen Gastgebern und anderen muslimischen Ländern vor allem eines klarmachen - dass er anders ist als George W. Bush. Für die USA sei die „Partnerschaft mit der muslimischen Welt” von höchster Bedeutung, sagte Obama. Die Amerikaner wollten hören, was islamische Länder zu sagen haben. Als Obama dann auch noch die Bedeutung der Türkei als Ort betonte, „an dem Ost und West zusammenkommen” und seine Forderung nach einer Aufnahme der Türkei in die EU bekräftigte, war ihm der Applaus der Abgeordneten sicher.
Nicht von oben herab
Bei so viel Lob und Unterstützung für die Türken konnte Obama es sich sogar leisten, den Türken ins Gesicht zu sagen, dass sie Christen und Kurden mehr Rechte einräumen und sich mit den Armeniern aussöhnen sollten. Der Präsident achtete darauf, nicht den Eindruck zu erwecken, als doziere er von oben herab - so sprach er die Probleme seines eigenen Landes mit der historischen Erblast der Sklaverei an. Noch während Obama in Ankara das friedliche Miteinander verschiedener Kulturen beschwor, zeigte sich in Istanbul, wie schwierig es sein dürfte, dieses Ziel zu erreichen.
Dort äußerte sich der wegen seiner Haltung im Karikaturen-Streit von 2005 von der Türkei scharf kritisierte designierte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bei einem Treffen der Allianz der Zivilisationen, einer UN-Initiative zur Stärkung des Dialogs zwischen dem Westen und der islamischen Welt. Obama wollte am Abend nach Istanbul reisen, um an dem Treffen teilzunehmen. Von Rasmussens Auftritt in Istanbul hatte sich die türkische Öffentlichkeit vor allem eines erhofft: eine Entschuldigung für dessen Haltung im Karikaturen-Streit, als er sich unter anderem geweigert hatte, in einem Gespräch mit Diplomaten aus muslimischen Ländern die Wogen zu glätten. Doch es gab keine Entschuldigung.
Versteinerter Erdogan
Zwar versprach Rasmussen, als Nato-Chef den Dialog mit der islamischen Welt zu stärken. Er betonte auch seinen Respekt vor allen Religionen. Doch weiter ging er nicht. Erdogan verfolgte den Redebeitrag des dänischen Politikers mit versteinertem Gesicht und verschränkten Armen. Der türkische Ministerpräsident hatte das Einverständnis seines Landes mit der Wahl Rasmussens in der eigenen Öffentlichkeit unter anderem damit begründet, der neue Nato-Generalsekretär habe zugesagt, er werde in Istanbul klare Worte zu seinem Verhältnis zur islamischen Welt sprechen. Doch Rasmussens Worte fielen weniger klar aus, als Erdogan und viele seiner Mitbürger sich das gewünscht hatten. NRZ
0mitdiskutieren