Mehr Sicherheit bei der Geldanlage
22.04.2009 | 16:55 Uhr 2009-04-22T16:55:00+0200
Egal ob zu Aktien, Anleihen oder Sparbriefen – bei der großen NRZ-Telefonaktion gaben Finanzexperten wertvolle Ratschläge
Essen. Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die Geldanleger verunsichert. Der Wunsch auf schnelle Rendite steht gegenüber dem Bedarf nach sicheren Geldanlagen weiterhin im Hintergrund. „Weniger ist mehr” lautet hier vielfach die Devise. Das spürten auch die 4 Experten des Bundesverbandes deutscher Banken am heißen Draht bei der großen NRZ-Telefonaktion zum Thema Geldanlage. Wir dokumentieren einige der wichtigsten Fragen und Antworten:
Für Tagesgeld erhalte ich nur noch 1,25% Zins. Nun frage ich mich, ob das wohl noch die richtige Anlage ist?
Die Zinsen für kurzfristige Anlagen sind deutlich gesunken. Insofern ist der genannte Zinssatz aktuell marktgerecht. Sofern das Geld für Sie schnell verfügbar sein soll, ist Tagesgeld nach wie vor richtig. Wenn Sie Geld längerfristig anlegen können und wollen, gibt es freilich besser verzinsliche Anlagemöglichkeiten wie zum Beispiel Pfandbriefe oder hauseigene Sparprodukte der jeweiligen Banken.
Was ist von Unternehmensanleihen zu halten, die oft sehr attraktive Zinsen bieten?
Hohe Zinsen bedeuten auch hohe Risiken. Eine Unternehmensanleihe kann auch ausfallen, wenn es dem Unternehmen schlecht geht und es zahlungsunfähig wird. Für risikobereite Anleger können erstklassige Unternehmensanleihen aber eine interessante Beimischung zum Depot sein, um die Rendite zu erhöhen.
Gibt es für Unternehmensanleihen einen Sicherungsfonds für den Fall, dass die Anleihe notleidend wird?
Nein, das ist nicht der Fall. Wegen des grundsätzlich bestehenden Emittentenrisikos sollten Anleger deshalb auf eine gute Bonität des Unternehmens achten. Statt einer einzelnen Anleihe ist auch der Kauf von Investmentfonds möglich, die in verschiedene Unternehmensanleihen investieren. So läßt sich eine breite Risikostreuung erzielen.
Ich habe einen Sparbrief bei einer Bank gekauft. Ist das eine sichere Anlage? Was geschieht, wenn die Bank pleite geht?
Auf den Namen lautende Sparbriefe privater Banken werden durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes deutscher Banken umfassend geschützt, ebenso wie Sicht-, Termin- und Spareinlagen. Prüfen Sie deshalb, ob die Bank dem Einlagensicherungsfonds angeschlossen ist. Informationen dazu unter www.bankenverband.de.
Mir wird für ein Jahr ein Festgeldzins von 1,75% geboten. Soll ich annehmen?
Wenn Sie dass Geld für ein Jahr anlegen möchten, ist der Zinssatz okay. Sie können aber auch noch Angebote anderer Banken einholen, um zu vergleichen.
Ich bin 73 Jahre alt, im Mai werden 50 000 € fällig. Das Geld ist für den Ruhestand angespart und soll sicher angelegt werden. Was empfehlen Sie mir?
Zu sicheren Anlagen gehören beispielsweise Festgeld, Sparbriefe und Pfandbriefe. Setzen Sie nicht alles auf eine Karte, sondern teilen Sie die 50 000 € auf und legen Sie die Teilbeträge in verschiedene Laufzeiten von etwa ein bis 4 Jahren an.
Welche Anlage bietet mir Schutz vor Inflation?
Kurzfristig besteht derzeit keine Inflationsgefahr. Langfristig bietet erfahrungsgemäß eine breite Vermögensstreuung, zu der auch Immobilien beziehungsweise Immobilienfonds und Aktien gehören, Schutz vor Inflationsgefahren oder Geldentwertung. Auch eine inflationsindexierte Anleihe des Bundes kann interessant sein, wenn man mit Inflation rechnet.
Ich habe 100 000 € zur Anlage frei. Das Geld soll sicher und inflationsgeschützt angelegt werden. Soll ich vielleicht ein Haus oder eine Ferienwohnung dafür kaufen?
Ob eine Immobilie Inflationsschutz bietet, hängt nicht zuletzt vom Standort ab. Nicht zu vergessen, dass ein Haus oder eine Ferienwohnung auch Arbeit machen. Eine pflegeleichtere Alternative können Offene Immobilienfonds sein. Damit sind Renditen von im Schnitt etwa 4 bis 5% möglich.
Die Rücknahme meiner Offenen Immobilienfonds-Zertifikate wurde ausgesetzt. Muss ich mir deshalb Sorgen machen?
Die Rücknahme von Anteilen Offener Immobilienfonds wurde ausgesetzt, weil zu viele Anleger gleichzeitig ihre Anteile zurückgeben wollen. Die Aussetzung ist also nur vorübergehend und zum Schutz der Anleger, um Notverkäufe von Immobilien zu vermeiden.
Wir überlegen jetzt, Aktien zu kaufen. Was meinen Sie?
Bei langfristigem Anlagehorizont scheint ein allmählicher Einstieg in Aktien durchaus wieder interessant. Aber Sie müssen weiterhin mit starken Kursschwankungen rechnen. Niemand weiß, ob die Talsohle bereits durchschritten ist. Deshalb nur Geld investieren, das langfristig liegen bleiben kann. Und auf eine breite Streuung bei Aktien achten. Anleger sollten also nicht nur ein oder 2 Werte kaufen, sondern besser 6 bis 10 Aktienwerte aus verschiedenen Branchen.
Ich habe verschiedene große deutsche Standardaktien, darunter auch Telekom. Soll ich die Aktien halten?
Wenn Sie noch über andere Ersparnisse verfügen und das in Aktien investierte Geld liegen bleiben kann, würde ich weiter halten. Deutsche Standardaktien bieten derzeit oft interessante Dividendenrenditen, auch die Telekom.
Sollen wir Geld, das in 2 Jahren benötigt wird, in Aktien anlegen?
Nein, das wäre sehr spekulativ. Niemand weiß, wo in 2 Jahren die Aktienkurse stehen werden. Für eine Aktienanlage braucht man langen Atem. Ich rate Ihnen zu einer festverzinslichen Anlage für 2 Jahre.
Sind Bundeswertpapiere noch sichere Anlagen angesichts der schnell steigenden Staatsverschuldung?
Die Bundesrepublik genießt international höchste Bonität und Kreditwürdigkeit. Von daher gelten Bundeswertpapiere nach wie vor als sichere Anlagen.
Sind Geldmarktfonds sicher?
Geldmarktfonds sind Sondervermögen und gehen bei einer Insolvenz der Fondsgesellschaft oder der Bank, bei der die Fondsanteile verwahrt werden, nicht in die Insolvenzmasse ein. Insofern sind sie - wie andere Investmentfonds auch - sicher. Je nach Anlagepolitik des Fondsmanagements können Geldmarktfonds aber natürlich Wertschwankungen unterliegen. Diese sind erfahrungsgemäß aber in der Regel gering.
- Alle Beiträge zur Serie „Besser durch die Krise”
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Ja - die Noa Bank und deren Pleite sollte allen eine Lehre sein - immer schon auf die Einlagensicherung achten!