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Lehrer in Handschellen

04.04.2008 | 18:35 Uhr
Lehrer in Handschellen

An vielen Schulen standen gestern Abischerze auf dem Stundenplan. Das Programm machten die Abiturienten.

Der Schulgong ertönte, doch die Klassenräume der Gesamtschule Weierheide blieben gestern in den ersten Stunden lehrerfrei. Die Schüler der Jahrgangsstufe 13 hatten ihren Lehrern Handschellen angelegt, sie in eine Art Sträflingsanzüge gesteckt und abgeführt: Flucht ausgeschlossen. Die Entlassung in die Freiheit mussten sich die „Sträflinge” beim Abischerz hart erarbeiten.

Um die Fähigkeiten der Gefangenen zu überprüfen, hatten sich die zukünftigen Abiturienten einiges ausgedacht. Beim Schnelligkeitswettbewerb im „Toilettenpapierwickeln” wurde auch der jüngere Teil des Kollegiums zu Mumien. Ihre Reaktionsfähigkeiten mussten diese dann beim Fangen roher Eier beweisen. Schlechte Leistungen wurden bestraft: Die Verlierer wurden mit einer klebrigen Masse „geteert und gefedert”.

„Abilympia – Die Spiele der Götter” wurden gestern am Heinrich-Heine-Gymnasium ausgetragen. In verschiedenen Wettbewerben traten Lehrer gegen Schüler an – und waren denen häufig unterlegen. Das fanden die Zuschauer besonders lustig. Schließlich sehen sie nicht alle Tage, wie ihre Lehrer sich mit verbundenen Augen gegenseitig mit Schokoküssen füttern oder wie sie – ebenfalls „blind” – Tore schießen sollen.

Zur Freude der Lehrer verliehen die zukünftigen Abiturienten aber auch einige Preise, etwa für das „experimentellste Outfit”, oder das „größte Umweltbewusstsein”.

Auch an vielen anderen Schulen wurde gestern kräftig gescherzt. Am Elsa-Brändström-Gymnasium standen Spiele auf dem Programm. In der Gesamtschule Osterfeld lockten die Schüler der Jahrgangsstufe 13 Lehrer und Mitschüler zum Ende der dritten Stunde auf den Schulhof.  Mission aller „Dreizehner”: Spaß haben – und Spaß machen. Am Ende konnten auch die meisten Lehrer wieder lachen. . .

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Stefan (20):

NRZ: Wie fühlst du dich am letzten Schultag?

Stefan: Eigentlich wie an jedem anderen Tag. Ich habe es noch gar nicht realisiert, dass jetzt langsam alles vorbei ist.

 NRZ: Wie soll es nach dem Abitur bei dir weiter gehen? 

Stefan: Erst einmal habe ich drei Monate frei. Dann werde ich eine Ausbildung zum Automobilkaufmann machen.

 NRZ: Was würdest du anders machen, wenn du noch mal in der fünften Klasse anfangen könntest? 

Stefan: Es gibt nichts, was ich bereue. Daher glaube ich, dass ich alles genau so machen würde.

 NRZ: Was würdest du Schülern raten, die jetzt in die Oberstufe kommen? 

Stefan: Sie sollten sich nicht so einen großen Kopf über das Zentralabitur machen. Das ist alles halb so schlimm.

 NRZ: Gibt es etwas, wovor du Angst hast? 

Stefan: Da mache ich mir keine Gedanken drum und lasse alles auf mich zukommen.

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Zora (19):

NRZ: Wie fühlst du dich an deinem letzten Schultag? 

Zora: Ich bin irgendwie traurig, weil ich viele Leute jetzt nicht mehr sehen werde. Aber ich bin auch ein bisschen erleichtert, dass meine Schulzeit jetzt vorbei ist.

 NRZ: Wie soll es nach dem Abitur bei dir weiter gehen? 

Zora: Erst einmal gehe ich für einige Zeit nach Neuseeland. Danach möchte ich studieren. Ich bin mir aber noch nicht sicher welches Fach.

 NRZ: Was würdest du anders machen, wenn du nochmal in der fünften Klasse anfangen könntest? 

Zora: Ich würde auf jeden Fall viel fleißiger werden.

 NRZ: Was würdest du Schülern raten, die jetzt in die Oberstufe kommen? 

Zora: Sie sollten mit Bedacht ihre Kurse wählen und sich nicht zu viel Stress machen.

 NRZ: Gibt es etwas, wovor du Angst hast? 

Zora: Ich habe Angst, dass ich in der mündlichen Prüfung versage.

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Kresimir (19):

NRZ: Wie fühlst du dich an deinem letzten Schultag? 

Kresimir: Ich habe es noch gar nicht richtig realisiert, dass der Schulalltag jetzt vorbei ist. Gleichzeitig habe ich aber auch ein mulmiges Bauchgefühl: Es kommen ja noch die Prüfungen.

 NRZ: Wie soll es nach dem Abitur bei dir weitergehen? 

Kresimir: Ich möchte gerne studieren, weiß aber noch nicht welches Fach. Das bereitet mir Kopfzerbrechen.

NRZ: Was würdest du anders machen, wenn du noch mal in der fünften Klasse anfangen könntest?

Kresimir: Nichts, ich glaube, ich habe alles richtig gemacht. 

NRZ: Was würdest du Schülern raten, die jetzt in die Oberstufe kommen? 

Kresimir: Sie sollten mit dem Lernen nicht zu spät anfangen und die Stufengemeinschaft pflegen. 

NRZ: Gibt es etwas, wovor du Angst hast? 

Kresimir: Ja, dass ich mich für das falsche Studienfach entscheide.

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Maria (18):

NRZ: Wie fühlst du dich an deinem letzten Schultag? 

Maria: Bis ich beim Abischerz zum Abschlussapplaus auf die Bühne musste, war alles in Ordnung. Als ich dann oben mit allen anderen im Scheinwerferlicht stand, war alles vorbei . 

NRZ: Wie soll es nach dem Abitur bei dir weiter gehen? 

Maria: Ich würde gerne in Köln Psychologie studieren. Ob es dort klappt, hängt von meinem Numerus Clausus ab.  

NRZ: Welchen Rat hast du für Schüler, die jetzt in die Oberstufe kommen? 

Maria: Ich würde ihnen raten, möglichst wenig Fächer zu wählen. Und sie sollten früh genug anfangen, fürs Abi zu lernen. 

NRZ: Gibt es etwas, wovor du Angst hast? 

Maria: Dass ich feststelle, dass es im weiteren Leben so läuft wie in der Oberstufe: Nämlich dass einem verkauft wird, man könnte genau das machen, was man will und man dann feststellten muss, dass nichts davon stimmt.

Foto: Hayrettin ÖZCAN

Sven (19):

NRZ: Wie fühlst du dich am letzten Schultag? 

Sven: Ich freue mich, dass jetzt ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Aber es ist auch schade, weil man einige Leute ab jetzt nicht mehr regelmäßig sehen wird. Das werde ich vermissen. 

NRZ: Was würdest du anders machen, wenn du nochmal in der fünften Klasse anfangen würdest? 

Sven: Ich würde nichts ändern. 

NRZ: Was würdest du Schülern raten, die jetzt in die Oberstufe kommen? 

Sven: Sie sollten die Zeit mit ihren Freunden genießen. 

NRZ:  Wie soll es nach dem Abitur bei dir weiter gehen? 

Sven: Ich habe mich bei der Polizei für den gehobenen Dienst beworben. Wenn das nicht klappt, gehe ich zur Bundeswehr. 

NRZ: Gibt es etwas, wovor du Angst hast? 

Sven: Dass ich bei der Polizei nicht genommen werde und dann nach der Zeit bei der Bundeswehr ohne Job da stehe.

Ann-Kathrin Brocks

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