Kritik am Papst wird immer lauter
03.02.2009 | 11:32 Uhr 2009-02-03T11:32:00+0100Essen. In der katholischen Kirche eskaliert der Streit um die umstrittene Pius-Bruderschaft. Bischöfe, Laien, Theologie-Professoren - ein ungewohnt vielstimmiger Chor setzt Benedikt XVI. immer stärker unter Druck. Einer der rehabilitierten Bischöfe will nach eigenen Angaben den „Vatikan bekehren”.
Der Streit um die Rehabilitierung der umstrittenen Pius-Bruderschaft eskaliert immer weiter. Bernard Tissier de Mallerai, einer der rehabilitierten Bischöfe, erklärte, man plane keinen Kurswechsel, vielmehr wolle man „den Vatikan bekehren”. Die Bruderschaft erkennt zentrale Aussagen des 2. Vatikanischen Konzils - etwa zum Umgang mit anderen Religionen - nicht an. Ruhrbischof Genn verlangte, die Gruppe „muss jetzt Farbe bekennen”. In der Kirche wächst die Kritik am Kurs Roms. Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken verlangt: „Die Einheit mit einigen darf nicht zu einer Erschütterung der großen Zahl von Menschen führen, die in der Mitte der Kirche sind.”
Katholische Jugend versteht die Welt nicht mehr
Die katholische Jugend versteht die Welt nicht mehr. Bei den Weltjugendtagen in Köln und Sydney habe Papst Benedikt noch „Mut gemacht, das Evangelium zu leben”, sagt Dirk Tänzler. „Jetzt machen uns die Papst-Entscheidungen das Leben schwer.” Der Duisburger ist Vorsitzender des Bundes der katholischen Jugend (BDKJ), dessen Verbände mit rund 650 000 Mitgliedern in Deutschland etwa so viele Mitglieder haben wie die umstrittene Pius-Bruderschaft weltweit. Unter deren geplanter Rehabilitierung leide derzeit das Ansehen der gesamten Kirche. Auch das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) sieht nach den jüngsten Entscheidungen aus Rom die Glaubwürdigkeit der Kirche infrage gestellt.
Lehmann verlangt klare Entschuldigung
Doch nicht nur von Seiten der Laien, auch aus dem Klerus häufte sich eine Woche nach der umstrittenen Aufhebung der Exkommunikation für vier Bischöfe der Bruderschaft die Kritik an Rom. Am deutlichsten wurde der Mainzer Kardinal Karl Lehmann, der vom Vatikan eine klare Entschuldigung im Eklat um den Holocaust-Leugner Bischof Richard Williamson verlangte. Die Entscheidung des Papstes, Williamson zu rehabilitieren, sei eine Katastrophe für die Überlebenden des Holocaust, sagte der frühere Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz.
Auch der Hamburger Erzbischof Werner Thissen kritisierte den Vatikan: „Einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren ist immer eine schlechte Entscheidung.” Der gebürtige Klever und ehemalige Münsteraner Weihbischof ergänzte: „Es hätte geklärt werden müssen, was die Meinung Williamsons ist. Es hätte auf jeden Fall besser recherchiert werden müssen.” Der deutsche Kurienkardinal Walter Kasper sprach von Fehlern im „Management der Kurie”. Ruhrbischof Felix Genn forderte, nun müsse man „schauen, was innerhalb des Vatikans nicht richtig gelaufen ist”.
Zunehmend konzentrierte sich die Kritik am Vatikan gestern jedoch nicht mehr nur auf die Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Williamson, sondern auf die Annäherung an die umstrittene Pius-Bruderschaft insgesamt. „Die Einheit nach der einen Seite darf nicht zur Entfremdung nach der anderen Seite führen”, sagte Bischof Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart). Auch die wichtigsten deutschen Theologie-Fakultäten haben sich mit deutlichen Worten gegen die Wideraufnahme der vier Bischöfe der Pius-Bruderschaft gewandt. Professoren der Uni Münster, an der Papst Benedikt einst Dogmatik lehrte, zeigten sich „bestürzt, dass gerade Bischöfe, die viele Grundsätze und damit zentrale Inhalte der kirchlichen Lehre explizit ablehnen, rehabilitiert werden”.
Gegen Errungenschaften des 2. Vatikanischen Konzils
Noch bis in die jüngste Vergangenheit hatte sich die Pius-Bruderschaft ausdrücklich gegen Errungenschaften des vor 50 Jahren eröffneten 2. Vatikanischen Konzils gestellt - etwa die Messfeier in Muttersprache oder die Aufnahme ökumenischer oder interreligiöser Dialoge. Wohl auch deshalb betonte ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper: „Es ist für uns wichtig, dass wir nicht zulassen, dass das 2. Vatikanische Konzil infrage gestellt wird.” Er wünsche sich vom Papst nun „eine klare Frist für die Pius-Bruderschaft, sich klar zum 2. Vatikanischen Konzil zu bekennen”.
Ein solches Bekenntnis forderte auch Bischof Genn. Von Seiten der Bruderschaft „besteht eine große Bringschuld”. Er verwies darauf, dass zwar die Exkommunikation aufgehoben sei, nicht aber die Suspension vom Bischofsamt.
Beobachter bezweifeln indes, ob sich die umstrittene Gruppe wie gefordert zu allen Glaubensinhalten der katholischen Kirche bekennen wird. Sie erinnern daran, dass bereits der Gründer der Bewegung, Bischof Lefebvre, 1988 eine geplante Einigung mit dem Vatikan im letzten Moment platzen ließ. Bestätigt fühlen dürften sich diese Zweifler von Bernard Tissier de Mallerais, neben Williamson ein zweiter der vier rehabilitierten Bischöfe. Er sagte der Turiner Zeitung „La Stampa”: „Wir ändern unsere Positionen nicht, aber wir haben die Absicht, Rom zu bekehren und den Vatikan hin zu unseren Positionen zu bringen.”
Rund ums Thema:
- Der Papst – schlecht beraten
- Bericht aus Gelsenkirchen: Wir müssen reden!
- Bericht aus Bottrop: "Keiner ist unfehlbar"
- Bericht aus Castrop-Rauxel: Verheerender Versuch
- Bericht aus dem Vest: Landrat dachte über Kirchenaustritt nach
- Satz der Woche: Mein guter Rat für den Papst heißt...
- Genn verurteilt Holocaust-Leugnung
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Diskussion: Wie beurteilen Sie die Vorgänge?
15:46
#9
sehr guter kommentar und dies hat nichts mit faschismus zu tun wie manche behaupten, das ist pure realität... die user die dem paul breitner faschismus unterstellen sollten mal nachdenken ob sie nicht zu denen leuten gehören die er anspricht... und mit solchen vorwürfen ihm gegenüber wird er nur bestätigt.....
danke nochmal
15:11
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14:01
#45
Und ihr lieben evangelischen Christen, die ihr Euch gerade das Maul zerreißt - kennt ihr alle Pamphlete Luthers über die Juden? ???
13:26
wo das Gras grüner ist
Wahrscheinlich wohl eher die Linien schneller
13:20
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12:01
@ Conny
Hat das, was Sei als göttliches Auge bezeichnen, Ihnen offenbart, dass die Katholische Kirche mich als Schäfchen wünscht? Hab ich irgendwo geschrieben, dass ich evangelische Christen unter den Kommentatoren heute anspreche? Lesen Sie doch einfach nur was ich schreibe und interpretieren es nicht.
11:41
@ Acki
Sie lieiern gerade den Beweis. Psychosekte. ;-)
Wen wollen Sie treffen?
Mein Wolkenkuckucksheim liegt direkt links unter dem Ihrigen, dort, wo das Gras grüner ist. ;-))
@ imaz
Ich kenne Teile der von Ihnen ernannten Schriften, finde sie sehr interessant (zuweilen spannend wie indianer-Jones).
Auch wird dort die Position/Rolle Judas völlig anders definiert.
Über Objektivität dieser Berichte kann ich als Laie nicht urteilen, will sie aber keinesfalls als unseriös vorweg abtun.
Schönen Tag noch, ich darf nun arbeiten..
11:38
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11:35
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11:32
#28 von Eaglechen,
Sie sind ein Schäfchen, wie es sich die Katholische Kirche nicht besser wünschen könnte! Mangelnde Fähigkeit zwischen Kirche und Glauben unterscheiden zu können, und die erzkonservative Hetze gegen evangelische Christen.
Hat Ihnen das göttliche Auge die evangelischen Christen unter den Kommentartoren hier offenbart?