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Kinderfreundlich ist anders

19.11.2009 | 17:48 Uhr

20 Jahre UN-Kinderrechtskonvention

Die Kinderrechtskonvention, die die Vereinten Nationen vor 20 Jahren verabschiedeten, sollte den Grundstein für eine kinderfreundlichere Welt legen. Überschwänglicher Geburtstagsjubel ist allerdings fehl am Platz. Zwar sind alle Staaten, die die Konvention ratifiziert haben, nun völkerrechtlich bindend verpflichtet, das Wohlergehen der Kinder zu einer Kernaufgabe zu machen. Auch ist unbestritten, dass die Erklärung viel Positives bewirkt hat: Das Bewusstsein für Verstöße gegen kindliche Grundrechte wurde geschärft, etwa wenn Kindern Gewalt angetan wird. Unzählige Kindersoldaten wurden wieder an ein normales Leben herangeführt, die Kindersterblichkeit ist weltweit gesunken.

Aber: Eine kinderfreundliche Welt sieht anders aus. Wie steht es um das Recht auf Gesundheit, wenn eine Milliarde Kinder weltweit kein sauberes Wasser und keine ausreichende medizinische Hilfe haben? Kann man das Recht auf Schutz vor Ausbeutung wirklich ernst nehmen, wenn noch immer Kinder von Menschenhändlern wie Ware verkauft werden, wenn sie auf Müllhalden schuften oder für Prostitution missbraucht werden? Und was nützt das Recht auf Bildung, wenn trotz aller Bemühungen weltweit über 100 Millionen Kinder keine Schule besuchen können?

Auch Deutschland hat noch schwierige Hausaufgaben zu erledigen. Zwar ist die Konvention hierzulande schon seit 1992 ratifiziert, doch ebenso lange gilt eine umstrittene Vorbehaltserklärung, die ausländischen Kindern weniger Rechte zubilligt als deutschen. Dies zurückzunehmen, ist längst überfällig. Außerdem gehören die Kinderrechte ins Grundgesetz, denn Kinder sind die Schwächsten. Ihnen gebürt besonderer Schutz.

Unsere Kinder wachsen in einem Land auf, in dem das soziale Ungleichgewicht wächst und Bildung längst kein Gut für alle ist. Sie gehen in eine Zukunft, in der ein hoch verschuldeter Staat und düstere Klimaszenarien auf sie warten. Doch Kinder haben das Recht auf eine lebenswerte Zukunft. Solange wir ihnen genau das in vielen Punkten schuldig bleiben, verdient Deutschland das Prädikat „kinderfreundlich” nicht. NRZ

Katrin Martens

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