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Keine Garantien mehr

08.10.2008 | 19:00 Uhr
Keine Garantien mehr

Düsseldorf. Bundestrainer Joachim Löw warnt eindringlich vor Russland – und stellt keinem Spieler einen Stammplatz in Aussicht.

Am Samstag spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Dortmund gegen Russland. Um 20.45 Uhr ist Anpfiff. Und bevor die Spieler von Joachim Löw auf den Rasen gehen, müssen sie einen langen Tunnel durchqueren. Von der Kabine aus führt der Weg zu einer kurzen Treppe, dann folgen ein paar Schritte in die Tiefe, und schon ist jene schmale Röhre erreicht, die der Bundestrainer gestern ausdrücklich auf einer Pressekonferenz in Düsseldorf erwähnte.

„Wenn der Spieler im Tunnel ist”, forderte der Chefcoach, „dann darf er nicht mehr wissen, für welchen Verein er spielt oder welches Auto er fährt.” In einem Wort hätte Löw auch vom so genannten „Tunnelblick”, der absoluten Konzentration auf die WM-Qualifikation, sprechen können. Schließlich bricht Teammanager Oliver Bierhoff schon in den nächsten Tagen auf, um in Südafrika ein passendes Quartier zu finden. Und es wäre natürlich blamabel, wenn diese Suche irgendwann einmal umsonst gewesen sein soll.

Auf einer Stufe mit Spanien und Argentinien

Man muss nicht betonen, dass das Spiel gegen die Mannschaft von Guus Hiddink wichtig ist. Es ist sogar enorm wichtig, weil es in einem Heimspiel gegen den größten Gruppenkonkurrenten geht. Aber das, was Löw zu dieser Begegnung erzählte, war weniger eine Vorschau, eine Aussicht oder eine Einschätzung als vielmehr eine Brandrede. Aufgepasst, wir stehen vor einer ziemlich gefährlichen Situation.

Selten hat man einen Trainer erlebt, der so eindringlich auf die Vorzüge des Gegners hingewiesen hat. Es gebe kaum ein Team, das vom „Ballgewinn bis zum Abschluss so schnell umschalten” könne. Der russische Kombinationsfußball´ sei der „Wahnsinn”, und es könne überhaupt keinen Zweifel daran bestehen, dass der Gegner eine „klare Entwicklung zur Weltspitze” genommen habe.

Tatsächlich sieht der Bundestrainer die Mannschaft von Hiddink schon auf einer Stufe mit Spanien und Argentinien, weil der Trainer für „Struktur, Organisation und Disziplin” gesorgt habe.

Wenn man es nicht besser wüsste, hätte man den Eindruck gewinnen können, dass sich ein Trainer vorsorglich bemüht, schon mal Entschuldigungen für eine zu erwartende Niederlage zusammen zu tragen. Doch das wäre gegen Löws Charakter. Offenbar spürt der Bundestrainer, dass die Anspannung noch nicht jenen Grad erreicht hat, der nötig ist, um Erfolgserlebnisse zu erzwingen.

Also fährt der 48-Jährige das Thema hoch. Mit voller Kraft. Niemand habe seinen Stammplatz sicher, nicht einmal Michael Ballack, verkündet Löw. Die Entscheidung darüber, wer am Samstag in der Startformation um das Ticket nach Südafrika kämpft, falle erst am späten Freitag nach einer weiteren Sitzung des Trainerteams. Bis dahin will sich Joachim Löw einen umfassenden Eindruck verschaffen.

Tag und Nacht Gedanken

Er freue sich über die Rückkehr von Michael Ballack, Arne Friedrich, Torsten Frings oder Per Mertesacker, weil ihm das grundsätzlich mehr Möglichkeiten biete, doch eine Entscheidung im Aufstellungspuzzle sei damit nicht gefallen.

„Wer körperlich und mental nicht 100 Prozent bereit ist, wird nicht von Anfang an auflaufen”, behauptet der Bundestrainer, der sich jetzt „Tag und Nacht Gedanken” machen will, damit seine Profis alles richtig machen, nachdem sie den Tunnel im Dortmunder Fußball-Tempel verlassen haben und auf den Rasen gegangen sind. (NRZ)

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ARTUR VOM STEIN


Kommentare
09.10.2008
11:20
Keine Garantien mehr
von Numalfix | #4

Russland wird die Überraschung der WM werden.

08.10.2008
23:15
Keine Garantien mehr
von radieschen | #3

Hoffentlich kriegt er noch elf Mann zusammen.

08.10.2008
21:32
Keine Garantien mehr
von Kevin071299 | #2

Jogi, das musst Du durchziehen. Klasse. Kann sich wenigstens keiner mehr ausruhen.

08.10.2008
20:22
Keine Garantien mehr
von Rentner4 | #1

Löwi soll den Ballack aufstellen dann haben sie sofort verloren der soll lieber als Sänger auftreten am besten bei den Flippers die Graupe

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